Kunstwerke des Montas 2026
01. Januar 2026
Die Michaelsfigur auf dem Kreuzaltar, an der Stirnwand des südlichen Seitenschiffes
An der Spitze des Altars steht eine große, beflügelte Figur des Erzengels Michael. Schon sein Name weist ihn als Gottesknecht aus: „Micha“ ist mit dem Gottesnamen „El“ verbunden und bedeutet „Wer ist wie Gott?“. Michael gilt als Fürst der himmlischen Heerscharen und als Beschützer der Kirche Christi. Er führt den Kampf gegen alle gottfeindlichen Mächte, bezwingt den Drachen als Sinnbild des Bösen und bezeugt, dass allein Gott Ehre und Verehrung gebühren. Bereits früh wird Michael – in Anlehnung an das Buch Genesis (Gen 3) – als Hüter des Tores zum Paradies dargestellt. Nach kirchlicher Tradition kommt ihm zudem die Rolle des „Seelenwägers“ am Tag des Jüngsten Gerichts zu, wie sie in zahlreichen Weltgerichtsdarstellungen sichtbar wird. In den Visionen des Prophetenbuches Daniel erscheint Michael außerdem als „Schutzengel Israels“. Zahlreiche Überlieferungen berichten von Erscheinungen des heiligen Michael an verschiedenen Orten. Eine der bekanntesten führt nach Rom, wo im 5. und 6. Jahrhundert eine verheerende Pestepidemie etwa die Hälfte der Bevölkerung das Leben kostete. Der Erzengel soll schließlich auf die Fürsprache von Papst Gregor dem Großen (590–604) auf der Spitze des Mausoleums des Kaisers Hadrian erschienen sein. In der Folge erhielt das ursprünglich römische Grabmal, das im frühen Mittelalter zu einer Festung ausgebaut wurde, den Namen „Engelsburg“. Noch heute krönt eine große Bronzestatue des Erzengels mit gezogenem Schwert das Bauwerk. Im 9. Jahrhundert erklärte Kaiser Karl der Große den heiligen Michael zum Patron seines Reiches. Dieses Patronat wirkt bis in die Gegenwart nach und hat sich unter anderem im Ausdruck „der deutsche Michel“ erhalten.
Wolfgang Acht
01. Februar 2026
Die Darstellung Jesu im Tempel auf der Rückseite des Annenaltars
Dieses Bild ist eines der sieben Ölbilder auf der Rückwand des Annenaltars im oberen Chorraum der Kirche St. Mariae Geburt. Alle diese Darstellungen orientieren sich an der Kindheitsgeschichte nach dem Evangelisten Lukas. Im rechten Bild der mittleren Reihe wird die Weihe des Kindes im Tempel gezeigt. Die Eltern haben – wie es dem jüdischen Brauch entsprach – ihr erstgeborenes Kind im Tempel weihen lassen.
Dort begegnen sie dem prophetischen Simeon, der hoffnungsvoll auf den Messias wartete. Maria, in ein weißes Kleid gehüllt, reicht ihm das Kind. Simeon, wie ein Priester gekleidet und mit einer jüdischen Kappe dargestellt, breitet die Arme aus, um das Kind gleich in Empfang zu nehmen. In dem Moment, als ihm das Kind gereicht wird, erkennt er, dass sich die Verheißung des Heiligen Geistes in diesem Kind erfüllt hat (Lk 2,26). Tief bewegt ruft er aus: „Nun lässt du, Herr, deinen Knecht in Frieden scheiden … denn meine Augen haben das Heil geschaut, das du geschaffen hast, damit alle Völker es sehen: ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und eine Verherrlichung deines Volkes Israel“ (Lk 2,29 ff.).
Josef trägt in einem Korb zwei kleine Tauben, die als Opfergabe für ärmere Familien vorgeschrieben waren. Nicht zufällig sind – durch eine Säule voneinander getrennt – zwei Vierergruppen dargestellt. Dadurch soll zum Ausdruck gebracht werden, dass mit Maria und Josef sowie zwei begleitenden Frauen, von denen eine eine Kerze trägt (eigentlich ein Taufsymbol), der Beginn des neuen Bundes symbolisiert wird. In der rechten Gruppe mit Simeon hingegen wird der alte Bund dargestellt. Dass insgesamt acht Personen gezeigt sind, ist ebenfalls bedeutungsvoll: Es verweist auf den „achten Tag“, den Tag der Auferstehung Jesu.
Wolfgang Acht
01. März 2026
Das Kreuzfenster und das Rosenkranzgesätz: ''Der für uns gekreuzigt worden ist''
Die fünf Passionsfenster im südlichen und nördlichen Turmraum wurden Anfang der 1930er-Jahre des 20. Jahrhunderts von Heinrich Dieckmann (1890–1963), einem Künstler aus Kempen, entworfen. Sie nehmen Bezug auf die Gesätze des „schmerzhaften“ Rosenkranzes. Heinrich Dieckmann war es ein besonderes Anliegen, diese Fenster für „seine“ Kirche zu schaffen, die er in seiner Kindheit und Jugend regelmäßig zum Gottesdienst besuchte. Unter ihnen ist das Kreuzfenster im nördlichen Turmraum das eindrucksvollste. Das rote (Triumph-)Kreuz steht aufrecht in der Mitte des Fensters, seine Kreuzarme überspannen die gesamte Bildfläche. Über dem Gekreuzigten ist das Schild „INRI“ (Jesus von Nazareth, König der Juden) angebracht. Er ist lediglich mit einem Lendenschurz bekleidet und blutet aus seinen Wunden. Der leuchtend dargestellte Christus wird hier durch seine Hingabe aus Liebe als „Licht der Welt“ verstanden. Unter dem Kreuz steht seine trauernde Mutter, dunkel gekleidet und mit einem weißen Nimbus versehen, der auf ihre Reinheit hinweist. Hinter ihr befindet sich eine in Rot gekleidete Frau, eine derjenigen, die Jesus bis nach Golgatha gefolgt sind. Rechts neben dem Kreuz ist Johannes mit jugendlichem Gesicht dargestellt, der auf den Gekreuzigten, das „Lamm Gottes“, hinweist. Unter dem Kreuz kniet Maria von Magdala, die um Jesus trauert. Das rot leuchtende Kreuz wirft sein Licht auf sie, sodass sie sich deutlich von der Dunkelheit des unteren Bildteils abhebt. Ihr wurde viel vergeben; deshalb ist sie Jesus aus Liebe und Dankbarkeit bis zum Kreuz gefolgt. Später wird sie zur „Apostolin der Apostel“, da sie als Erste die Auferstehung des Herrn bezeugt. Hinter der linken Figurengruppe sind vier Lanzen zu erkennen; die Soldaten selbst werden von den Trauernden überdeckt. Auf der rechten Seite ist ein berittener Hauptmann in grauem Mantel mit erhobener Hand dargestellt, der im Blick auf den Gekreuzigten glaubend spricht: Dieser ist der „Sohn Gottes“ (vgl. Matthäus 27,55). Im blauen, himmlischen Licht über der Kreuzszene sind drei Engel zu sehen. Wolfgang Acht
01. April 2026
Das Kreuzfenster und das Rosenkranzgesätz: ''Der von den Toten auferstanden ist''
Das Fenster befindet sich im nördlichen Seitenschiff.
Majestätisch steht der auferstandene Christus in einer strahlenden Mandorla, eine Siegesfahne tragend, vor uns. Vier Soldaten liegen ihm erschrocken zu Füßen.
Unter dem Bild steht in einem Schriftzug: „Scimus Christum resurrexisse de mortuis vere / Tu nobis victor Alleluja Amen“ (sprachlich fehlerhaft): „Wir wissen: Christus ist wahrhaft von den Toten auferstanden. Du bist unser Sieger, Alleluja, Amen.“
Rechts erkennt man die drei Frauen, die am frühen Morgen die Stadt (im Hintergrund) verlassen, um sich auf den Weg zum Grab zu begeben, wo sie durch die Botschaft eines Engels von der Auferstehung des Toten überrascht werden.
Im unteren Teil zeigt sich der typologische Bezug zum Alten Testament (AT): Rechts ist der Prophet Jona zu sehen, der sich geweigert hatte, dem Ruf Gottes zu folgen und Ninive zur Umkehr aufzurufen. Er wurde auf einem Schiff, das in Seenot geriet, als Schuldiger erkannt und von den Seeleuten ins Meer geworfen. Hinter Jona sieht man zwei Segelboote. Ein großer Fisch verschlang ihn, als er ins Wasser fiel, spie ihn aber nach drei Tagen wieder an Land aus, was hier dargestellt ist (vgl. Jona 1,3 – 2,11). Die drei Tage im Fisch werden später zum Hinweis auf Jesu dreitägigen Aufenthalt im Grab. Die Befreiung Jonas wird so zum Symbol dafür, dass Christus nicht im Grab blieb, sondern auferstand.
Links stößt der Erzengel Michael („Wer ist wie Gott?“) auf einen grünen, rotköpfigen Drachen mit vielen zangenartig endenden Armen ein. Gemeint ist, dass Gott in Christus über das Böse gesiegt hat.
Wolfgang Acht
19. Juni 2026
Die drei Apostelfiguren über dem südlichen Seiteneingang
Die drei Apostelfiguren aus Sandstein stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und sind jeweils 80 cm hoch. Dargestellt sind die Apostel (von links) Johannes, Petrus und Jakobus der Ältere. Sie erscheinen mit ihren charakteristischen Attributen: Petrus mit Buch und Schlüssel, Johannes mit einem Kelch als Hinweis auf den Giftanschlag auf ihn und Jakobus mit Pilgerstab sowie der Pilgermuschel als Mantelschließe. Die drei „Säulen der Kirche“ stehen in einem gotischen Giebelfeld mit dreiteiligem Maßwerk und drei Vierpässen als oberem Abschluss. Es sind jene drei Apostel, die Jesus auf den Berg Tabor mitnahm, wo sie ihn in einem völlig neuen, strahlenden Licht sahen. Sie waren es auch, die er vor seiner Kreuzigung bat, ihn in den Garten Gethsemane zu begleiten und mit ihm zu wachen. Doch den flehentlich Betenden, der mit dem Vater rang, erlebten sie nicht, weil sie einschliefen und nicht bei ihm wachten. So rufen sie heute die in die Kirche Eintretenden zur Wachsamkeit für das Wort Jesu und für seine liebende Hingabe in der Eucharistie auf.
Wolfgang Acht






