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19. Juni 2026

Die drei Apostelfiguren über dem südlichen Seiteneingang

Die drei Apostelfiguren aus Sandstein stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und sind jeweils 80 cm hoch. Dargestellt sind die Apostel (von links) Johannes, Petrus und Jakobus der Ältere. Sie erscheinen mit ihren charakteristischen Attributen: Petrus mit Buch und Schlüssel, Johannes mit einem Kelch als Hinweis auf den Giftanschlag auf ihn und Jakobus mit Pilgerstab sowie der Pilgermuschel als Mantelschließe. Die drei „Säulen der Kirche“ stehen in einem gotischen Giebelfeld mit dreiteiligem Maßwerk und drei Vierpässen als oberem Abschluss. Es sind jene drei Apostel, die Jesus auf den Berg Tabor mitnahm, wo sie ihn in einem völlig neuen, strahlenden Licht sahen. Sie waren es auch, die er vor seiner Kreuzigung bat, ihn in den Garten Gethsemane zu begleiten und mit ihm zu wachen. Doch den flehentlich Betenden, der mit dem Vater rang, erlebten sie nicht, weil sie einschliefen und nicht bei ihm wachten. So rufen sie heute die in die Kirche Eintretenden zur Wachsamkeit für das Wort Jesu und für seine liebende Hingabe in der Eucharistie auf.

Wolfgang Acht


01. Mai 2026

Die Verkündigungsgruppe am Annenaltar

Über den seitlichen Schnitzbildern im Mittelteil des Annenaltars sieht man eine Verkündigungsgruppe: links der jugendliche Engel, rechts Maria, in einem Buch lesend, vor einem Betstuhl. Diese Gruppe gehörte nicht zur ersten Ausstattung, sondern wurde wohl erst im 19. Jh. dort platziert.

Doch man hat einen guten Platz für die Gruppe ausgewählt, wird doch durch sie neben den Bildern aus dem Leben der heiligen Anna und der Heiligen Familie der eigentliche Anfang des Heilsgeschehens, die Menschwerdung Gottes in Jesus von Nazareth, betont. Dafür bittet der Engel im Auftrag Gottes die bescheidene Frau aus Nazareth, den Sohn zu empfangen und zu gebären. Der Engel trägt ein Lilienzepter, um damit die Jungfräulichkeit Marias zu kennzeichnen.

Wie großartig, dass Maria sich bereit erklärte und auf das Ansinnen Gottes sagte: „Ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe, wie du es gesagt hast“ (Lukas 1,38). Maria ist deshalb zu Recht wie eine königliche Frau gekleidet.

Wolfgang Acht


01. April 2026

Das Kreuzfenster und das Rosenkranzgesätz: ''Der von den Toten auferstanden ist''

Das Fenster befindet sich im nördlichen Seitenschiff.

Majestätisch steht der auferstandene Christus in einer strahlenden Mandorla, eine Siegesfahne tragend, vor uns. Vier Soldaten liegen ihm erschrocken zu Füßen.

Unter dem Bild steht in einem Schriftzug: „Scimus Christum resurrexisse de mortuis vere / Tu nobis victor Alleluja Amen“ (sprachlich fehlerhaft): „Wir wissen: Christus ist wahrhaft von den Toten auferstanden. Du bist unser Sieger, Alleluja, Amen.“

Rechts erkennt man die drei Frauen, die am frühen Morgen die Stadt (im Hintergrund) verlassen, um sich auf den Weg zum Grab zu begeben, wo sie durch die Botschaft eines Engels von der Auferstehung des Toten überrascht werden.

Im unteren Teil zeigt sich der typologische Bezug zum Alten Testament (AT): Rechts ist der Prophet Jona zu sehen, der sich geweigert hatte, dem Ruf Gottes zu folgen und Ninive zur Umkehr aufzurufen. Er wurde auf einem Schiff, das in Seenot geriet, als Schuldiger erkannt und von den Seeleuten ins Meer geworfen. Hinter Jona sieht man zwei Segelboote. Ein großer Fisch verschlang ihn, als er ins Wasser fiel, spie ihn aber nach drei Tagen wieder an Land aus, was hier dargestellt ist (vgl. Jona 1,3 – 2,11). Die drei Tage im Fisch werden später zum Hinweis auf Jesu dreitägigen Aufenthalt im Grab. Die Befreiung Jonas wird so zum Symbol dafür, dass Christus nicht im Grab blieb, sondern auferstand.

Links stößt der Erzengel Michael („Wer ist wie Gott?“) auf einen grünen, rotköpfigen Drachen mit vielen zangenartig endenden Armen ein. Gemeint ist, dass Gott in Christus über das Böse gesiegt hat.

Wolfgang Acht


01. März 2026

Das Kreuzfenster und das Rosenkranzgesätz: ''Der für uns gekreuzigt worden ist''

Die fünf Passionsfenster im südlichen und nördlichen Turmraum wurden Anfang der 1930er-Jahre des 20. Jahrhunderts von Heinrich Dieckmann (1890–1963), einem Künstler aus Kempen, entworfen. Sie nehmen Bezug auf die Gesätze des „schmerzhaften“ Rosenkranzes. Heinrich Dieckmann war es ein besonderes Anliegen, diese Fenster für „seine“ Kirche zu schaffen, die er in seiner Kindheit und Jugend regelmäßig zum Gottesdienst besuchte. Unter ihnen ist das Kreuzfenster im nördlichen Turmraum das eindrucksvollste.  Das rote (Triumph-)Kreuz steht aufrecht in der Mitte des Fensters, seine Kreuzarme überspannen die gesamte Bildfläche. Über dem Gekreuzigten ist das Schild „INRI“ (Jesus von Nazareth, König der Juden) angebracht. Er ist lediglich mit einem Lendenschurz bekleidet und blutet aus seinen Wunden. Der leuchtend dargestellte Christus wird hier durch seine Hingabe aus Liebe als „Licht der Welt“ verstanden.  Unter dem Kreuz steht seine trauernde Mutter, dunkel gekleidet und mit einem weißen Nimbus versehen, der auf ihre Reinheit hinweist. Hinter ihr befindet sich eine in Rot gekleidete Frau, eine derjenigen, die Jesus bis nach Golgatha gefolgt sind. Rechts neben dem Kreuz ist Johannes mit jugendlichem Gesicht dargestellt, der auf den Gekreuzigten, das „Lamm Gottes“, hinweist. Unter dem Kreuz kniet Maria von Magdala, die um Jesus trauert. Das rot leuchtende Kreuz wirft sein Licht auf sie, sodass sie sich deutlich von der Dunkelheit des unteren Bildteils abhebt. Ihr wurde viel vergeben; deshalb ist sie Jesus aus Liebe und Dankbarkeit bis zum Kreuz gefolgt. Später wird sie zur „Apostolin der Apostel“, da sie als Erste die Auferstehung des Herrn bezeugt.  Hinter der linken Figurengruppe sind vier Lanzen zu erkennen; die Soldaten selbst werden von den Trauernden überdeckt. Auf der rechten Seite ist ein berittener Hauptmann in grauem Mantel mit erhobener Hand dargestellt, der im Blick auf den Gekreuzigten glaubend spricht: Dieser ist der „Sohn Gottes“ (vgl. Matthäus 27,55).  Im blauen, himmlischen Licht über der Kreuzszene sind drei Engel zu sehen. Wolfgang Acht


01. Februar 2026

Die Darstellung Jesu im Tempel auf der Rückseite des Annenaltars

Dieses Bild ist eines der sieben Ölbilder auf der Rückwand des Annenaltars im oberen Chorraum der Kirche St. Mariae Geburt. Alle diese Darstellungen orientieren sich an der Kindheitsgeschichte nach dem Evangelisten Lukas. Im rechten Bild der mittleren Reihe wird die Weihe des Kindes im Tempel gezeigt. Die Eltern haben – wie es dem jüdischen Brauch entsprach – ihr erstgeborenes Kind im Tempel weihen lassen.

Dort begegnen sie dem prophetischen Simeon, der hoffnungsvoll auf den Messias wartete. Maria, in ein weißes Kleid gehüllt, reicht ihm das Kind. Simeon, wie ein Priester gekleidet und mit einer jüdischen Kappe dargestellt, breitet die Arme aus, um das Kind gleich in Empfang zu nehmen. In dem Moment, als ihm das Kind gereicht wird, erkennt er, dass sich die Verheißung des Heiligen Geistes in diesem Kind erfüllt hat (Lk 2,26). Tief bewegt ruft er aus: „Nun lässt du, Herr, deinen Knecht in Frieden scheiden … denn meine Augen haben das Heil geschaut, das du geschaffen hast, damit alle Völker es sehen: ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und eine Verherrlichung deines Volkes Israel“ (Lk 2,29 ff.).

Josef trägt in einem Korb zwei kleine Tauben, die als Opfergabe für ärmere Familien vorgeschrieben waren. Nicht zufällig sind – durch eine Säule voneinander getrennt – zwei Vierergruppen dargestellt. Dadurch soll zum Ausdruck gebracht werden, dass mit Maria und Josef sowie zwei begleitenden Frauen, von denen eine eine Kerze trägt (eigentlich ein Taufsymbol), der Beginn des neuen Bundes symbolisiert wird. In der rechten Gruppe mit Simeon hingegen wird der alte Bund dargestellt. Dass insgesamt acht Personen gezeigt sind, ist ebenfalls bedeutungsvoll: Es verweist auf den „achten Tag“, den Tag der Auferstehung Jesu.

Wolfgang Acht


01. Januar 2026

Die Michaelsfigur auf dem Kreuzaltar, an der Stirnwand des südlichen Seitenschiffes

An der Spitze des Altars steht eine große, beflügelte Figur des Erzengels Michael. Schon sein Name weist ihn als Gottesknecht aus: „Micha“ ist mit dem Gottesnamen „El“ verbunden und bedeutet „Wer ist wie Gott?“. Michael gilt als Fürst der himmlischen Heerscharen und als Beschützer der Kirche Christi. Er führt den Kampf gegen alle gottfeindlichen Mächte, bezwingt den Drachen als Sinnbild des Bösen und bezeugt, dass allein Gott Ehre und Verehrung gebühren. Bereits früh wird Michael – in Anlehnung an das Buch Genesis (Gen 3) – als Hüter des Tores zum Paradies dargestellt. Nach kirchlicher Tradition kommt ihm zudem die Rolle des „Seelenwägers“ am Tag des Jüngsten Gerichts zu, wie sie in zahlreichen Weltgerichts­darstellungen sichtbar wird. In den Visionen des Prophetenbuches Daniel erscheint Michael außerdem als „Schutzengel Israels“. Zahlreiche Überlieferungen berichten von Erscheinungen des heiligen Michael an verschiedenen Orten. Eine der bekanntesten führt nach Rom, wo im 5. und 6. Jahrhundert eine verheerende Pestepidemie etwa die Hälfte der Bevölkerung das Leben kostete. Der Erzengel soll schließlich auf die Fürsprache von Papst Gregor dem Großen (590–604) auf der Spitze des Mausoleums des Kaisers Hadrian erschienen sein. In der Folge erhielt das ursprünglich römische Grabmal, das im frühen Mittelalter zu einer Festung ausgebaut wurde, den Namen „Engelsburg“. Noch heute krönt eine große Bronzestatue des Erzengels mit gezogenem Schwert das Bauwerk. Im 9. Jahrhundert erklärte Kaiser Karl der Große den heiligen Michael zum Patron seines Reiches. Dieses Patronat wirkt bis in die Gegenwart nach und hat sich unter anderem im Ausdruck „der deutsche Michel“ erhalten.

Wolfgang Acht


01. Dezember 2025

Die Altartafeln Christi in der Taufkapelle

Der Maler des Ölgemäldes dieser brabantischen Arbeit aus der Zeit um 1520/30 ist unbekannt. Vermutet wird, dass das Bild einst zum heute nicht mehr erhaltenen Salvatoraltar gehörte. Die Bildform lässt sich zudem mit der Retabelform des oberen Bereichs des Jakobus-Antonius-Altars im linken Seitenschiff vergleichen.

Im Vordergrund erscheinen zwei Stifterfiguren: links ein Mann in Amtsrobe sowie eine Frau mit zum Gebet gefalteten Händen, die einen roten Rosenkranz hält. Rechts kniet ein jüngerer Weltpriester im weißen Rochett, in den Händen einen Palmzweig. An der Spitze des in Dreiecksform komponierten Bildes kniet Maria vor dem Jesuskind, begleitet von Engeln. Links steht Josef mit einer Kerze; rechts sieht man ein bäuerliches Paar, das auf die Hirten verweist, die der Überlieferung nach als erste zur Krippe kamen.

Im oberen Teil des Gemäldes gliedern zwei Pilaster drei einzelne Szenen. In der Mitte hält ein schwebender Engel ein Wappen über einer Stadtlandschaft. Das Wappen zeigt links ein goldenes Feld mit Andreaskreuz und rechts drei rote Querbalken. Dessen genaue Zuordnung ist ungeklärt; möglicherweise handelt es sich um das Wappen der abgebildeten Stifter. Links ist die Verkündigungsszene dargestellt: Maria sitzt in einem kleinen, tempelartigen Raum auf einem Stuhl. Oben rechts folgt die Darstellung der Beschneidung Christi. Der Tempel dient hier als Symbol für Maria, die den Gottessohn geboren hat und somit selbst zu einer Art „Tempel“ für ihn wird.

Wolfgang Acht


01. November 2025

Die neugotischen Kerzenleuchter vor dem Zelebrationsaltar

Diese neugotischen Kerzenständer wurden in den 1990er Jahren von Propst Reuter beim Restaurator Coivers in Kevelaer erworben. Sie stehen heute neben dem Zelebrationsaltar beziehungsweise auf der unteren Stufe zum Chorraum. Es handelt sich um sechs Messing-Kerzenständer in drei verschiedenen Höhen (88 cm, 95 cm und 110 cm). Die vier größeren Leuchter sind zusätzlich mit einem Kronenkranz versehen.

Die Kerzenständer stehen jeweils auf sechs runden Knäufen, die von dreieckigen Füßen getragen werden. Ihre Gestaltung greift Formen der gotischen Architektur auf, was sich auch in den insgesamt zwanzig aufgetragenen Fenstermotiven widerspiegelt. An den beiden kleinsten Leuchtern befinden sich im mittleren Bereich kleine Heiligenfiguren, die unter gotischen Baldachinen stehen. Dargestellt sind Maria mit zwei Kindern – Jesus und vermutlich Johannes der Täufer. Im Lukasevangelium (Kapitel 1 und 2) werden die Geburten beider bezeugt.

Weitere Figuren zeigen die heilige Helena mit dem Kreuz, das sie der Überlieferung nach im 3. Jahrhundert in Jerusalem gefunden haben soll, sowie die heilige Elisabeth von Thüringen, die ein Brot in der Hand hält – Sinnbild ihrer Barmherzigkeit und der Hilfe, die sie den Armen zukommen ließ.

Wolfgang Acht


01. Oktober 2025

Die Wurzel Jesse im Annenaltar

Im Mittelbild des Schreins des Annenaltars ist Jesse (Isai), der „Mann Gottes“ und Vater Davids, dargestellt. Aus seinem Schoß wächst der Baum, in dessen Ästen die Könige aus dem Hause Davids zu erkennen sind. Auch Josef zählt zum Stamm Davids, und damit gehört schließlich auch Jesus zu dieser Linie – weshalb er den Beinamen „Davidssohn“ trägt. Vor Jesse sind die „großen Propheten“ dargestellt, die nach dem Ersten Testament Jesaja, Jeremia, Baruch, Ezechiel und Daniel umfassen. Welche Figur jeweils welchen Propheten darstellt, lässt sich jedoch nicht eindeutig bestimmen; ebenso sind die Inschriften auf den Spruchbändern nicht mehr zu entziffern. Von zentraler Bedeutung ist allein, dass der kommende Messias, der Sohn Davids, durch die Propheten im Voraus angekündigt worden ist.

Wolfgang Acht


01. September 2025

Die Beweinung Jesu

Dieses Bild ist eine Kopie des Bildes von Anthonis van Dyck, das dieser um 1630 gemalt hat.

Diese Kopie entstand Ende des 18. Jh. Es ist ein beeindruckendes Bild, weil die Szene der Kreuzabnahme und der Aufnahme des toten Christus in den Schoß seiner Mutter mit großer Dramatik dargestellt wurde. Die „schmerzhafte Mutter“, so könnte man sie kennzeichnen, hat ihren Sohn in großer, fast herzzerreißender Traurigkeit, in ihren Schoß aufgenommen. Sie wird von zwei Frauen gestützt, um sie vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Der gestorbene Sohn, der Christus Gottes, liegt tot im ihrem Schoß. Von ihm geht hier keine Kraft mehr aus, er muss nun selbst getragen werden, hatte er doch vorher die Not vieler Menschen mitgetragen und den Jüngern immer wieder eingeschärft, einst selbst ihr Kreuz zu tragen und so in seine Nachfolge einzutreten. Der Gestorbene bedarf hier der Tragfähigkeit der Mutter und der helfenden Frauen. Das Bild lädt den Betrachter dazu ein, die Hingabe Jesus anzunehmen und sich auch zu fragen, wie er heute zum Christusträger werden kann. Denn Jesus hat uns selbst beauftragt, in seine Nachfolge einzutreten, ist er doch zu unsrem Heil gestorben!

Wolfgang Acht


01. August 2025

Große Kreuzgruppe

Diese Kreuzigungsgruppe besteht aus Sandstein, der Sockel aus Basalt. Sie stammt aus dem 19. Jahrhundert und beeindruckt durch ihre Größe: Der Korpus allein misst 180 cm, die beiden Assistenzfiguren jeweils 170 cm. Die Kreuzgruppe trägt eine Inschrift: „haeC CrUX sol…“ – der restliche Text ist leider zerstört. Auf der Rückseite des Sockels findet sich in Frakturschrift die Inschrift:

 „Es kommt die Stunde, in der alle, die in den Gräbern sind, die Stimme des Sohnes Gottes hören werden. Und es werden hervorgehoben, die Gutes getan haben.“

Ursprünglich befand sich die Gruppe als Hochkreuz auf der Nordseite der Kirche, wo sich bis ins 19. Jahrhundert der Friedhof erstreckte. Nach dessen Auflösung wurde sie an die Südseite der Kirche versetzt.

Die zentrale Figur zeigt Christus am Kreuz, mit leicht geneigtem Haupt, Dornenkrone und einem nach rechts gebundenen Lendentuch. Zu seinen Füßen stehen die trauernde Mutter Maria und der Lieblingsjünger Johannes. Beide Figuren tragen faltenreiche Mäntel: Maria mit Kopfschleier blickt mit erhobenen Händen unter ihrem Mantel zu Christus auf; Johannes mit schulterlangem Haar hat die Hände vor der Brust gefaltet und wirkt ebenfalls tief betroffen.

Die Kreuzigungsgruppe dient heute als am Eingang der Kirche und ist auch von der Peterstraße aus durch eine schmale Gasse gut sichtbar.

Wolfgang Acht


01. Juli 2025

Das Thomasfenster hinter dem Orgelprospekt mit Rennaissanceschnitzereien

Wegen des Gedenktages des Thomas von Kempen im Juli soll das „Thomasfenster“ in den Blick genommen werden, das Propst Reuter, der lange leitender Pfarrer war, zum silbernen Priesterjubiläum (1988) geschenkt wurde. Prof. Emil Wachter (1921-2012) entwarf das Fenster und hatte die künstlerische Leitung. Das Fenster befindet sich über der Michaelskapelle hinter dem Renaissance-Orgelprospekt an der Südseite der Kirche.

Die vielen Nuancen in Goldfarbe machen die „göttliche Welt“ sichtbar. Die Antwort des Menschen auf Gottes Entgegenkommen sind die göttlichen Tugenden Glaube (blau), Hoffnung (grün) und Liebe (rot). Im Zentrum sitzt Thomas lesend im blauen Gewand auf einem roten Sitz unter einer Kuppel. Vor ihm sieht man zwei Tauben, die Friedens- und Geisttaube. In seiner Hand hält er sein Werk, die „Nachfolge Christi“. Um seinen Bezug zur Heimatstadt Kempen erkennbar zu machen, sieht man hinter ihm das Kempener Rathaus mit einem Baukran.

Im oberen Maßwerk ist das Lamm Gottes zu sehen, aus der Herzwunde blutend. Sieben Ströme gehen von ihm aus, was an die sieben Sakramente erinnert. Das Lamm trägt ein offenes Buch mit den Worten: „Siehe, ich mache alles neu“ (Off 21,5). Auch die Symbole der vier Evangelisten sind zu erkennen. Neben Lukas ist auch ein Baum zu sehen, wohl Hinweis auf das Gleichnis vom Feigenbaum (Lk 13, 6 ff). Daneben das Symbol des Adlers für Johannes. Man sieht auch das abgeschlagene blutende Haupt von Johannes dem Täufer. Zwei Türme neben Kuppelseiten sollen die Brücke zwischen den Religionen symbolisieren.

Die vier Szenen darunter sind Hinweise auf Jesus Leben und Wirken:

- Jesus (im hellem, zeitgemäßen Anzug), beruft zwei Fischer im Boot (Petrus und Andreas). 

- Jesus ruft einen reichen jungen Mann in die Nachfolge, der ihm aber nicht folgt, sondern sich abwendet. 

- Jesus trägt das schwere Kreuz auf seiner Schulter. 

- Veronika erweist Jesus durch das Schweißtuch einen Liebesdienst. 

An der Basis des Fensters sieht man eine dekorative Struktur, die die oben genutzten Farben aufnimmt.

Wolfgang Acht


01. Juni 2025

Die Trias zentraler Heiliger am Sakramentshaus

Unter dem Ziergiebel des Sakramentshauses, innerhalb dessen die Figur eines gegeißelten Jesus steht, sitzen dem Chorumgang zugewandt Paulus (mit Buch und Schwert), zum Chorraum hin Petrus (mit dem Schlüssel), zum Kirchenschiff hin Maria mit Kind (als gekrönte „Himmelskönigin“). Die Figur Marias ist die einzige noch originale Sandsteinfigur.

Maria ist zentral zum Kirchenschiff angeordnet, ist sie doch die Pfarrpatronin der Kirche. Zudem weist sie durch das Kind auf ihrem Schoß auf den hin, der sein Leben für uns gab und als „Lamm Gottes“ leibhaftig im eucharistischen Brot sich immer neu verschenken will. Petrus ist als der erste Pfarrpatron in Kempen (Patron der St. Petrus Kapelle, die um 1000 n. Chr. gebaut und im 12. Jh. erweitert wurde) dem Chorraum zugewandt. Sein Patronat wurde auf diese Kirche übertragen, die um 1200 errichtet wurde und die in ihrer heutigen Gestaltung Ende des 15. Jh. vollendet wurde. Petrus schaut auf den Chorraum, in dem die zentrale Feier der Christenheit, die Feier von Tod und Auferstehung vollzogen wird. Er war der zentrale Zeuge, der durch Jesus den Auftrag erhalten hatte, seine Brüder und Schwestern zu stärken. Ihm hat Jesus gesagt, dass er ihm und seinen Jüngern die „Schlüssel des Himmelreiches“ anvertrauen will, um die direkte Verbindung zwischen irdischen und überirdischen Leben für die Gemeinschaft der Glaubenden zu übergeben. So wird den Petrusdarstellungen immer als Attribut ein Schlüssel in die Hand gegeben.

Es dürfte kein Zufall sein, dass Paulus, der die Frohe Botschaft in die Welt hinaus getragen hat, hier dem Chorumgang zugewandt eingefügt ist. Denn durch den Chorumgang kamen die Pilger aus dem weiten Umfeld Kempens, die am Gnadenbild im Kirchenschiff vorbeigegangen waren. Er will ihnen gleichsam mitgeben, dass sie, wie er, die Frohe Botschaft in die Welt tragen sollen. Die Pilger konnten auch an der im Chorraum gefeierten Messe indirekt teilnehmen, sind doch die Gitter des Chorgestühls oben offen, so dass man von dort dem Geschehen lauschen konnte.

Wolfgang Acht


01. Mai 2025

Die vier Pfarrpatrone

Die vier Pfarrpatrone der ehemaligen Kempener Tochterkirchen: St. Vitus, dessen ursprünglich jugendlich gestaltete Figur gegen eine nicht eindeutig identifizierbare Figur eines älteren Mannes ersetzt wurde.

Weiterhin St. Godehard (Bischofsgewand und Schriftband, Vorst), St. Nikolaus (mit Mitra, Bischofsstab, Schriftband; Schmalbroich) und St. Cyriakus (mit Diakon-Gewand, Buch und kleines Teufelchen, Hüls), zieren und „schützen“ die Tabernakel-Kammer, in der der Leib Christi in Form der Hostien aufbewahrt wird. Ihre jeweilige Blickrichtung ist vom Ort der Tochterkirche bestimmt. Auf diese Weise sind sie Zeichen der über Jahre gewachsenen Verbindung zwischen den Tochterkirchen, die später zu eigenständigen Pfarren wurden.

Seit 2010 sind die Pfarren St. Godehard in Vorst, die Kapelle von Schmalbroich St. Nikolaus, die Pfarre Tönisvorst St. Cornelius und die Pfarre St. Hubertus zu einer „Gemeinschaft von Gemeinden Kempen-Tönisvorst“ zusammengeschlossen. St. Vitus in Oedt gehörte schon früh zum Pfarrverbund der Gemeinde in Grefrath, heute der Pfarrgemeinschaft St. Benedikt zugeordnet.

Wolfgang Acht


01. April 2025

Die vier Marschälle am Sockel des Sakramentshauses

Diese Figuren sind am Sockel des Sakramentshauses zu finden, das als eine Art „Turmmonstranz“ gestaltet ist. Der Kölner Dombaumeister Conrad von der Hallen hat dieses Werk aus Sandstein in seiner Domwerkstatt erstellt. Es wurde 1461 – 1462 für damals 300 Goldmark für diese Kirche gefertigt. Vier Kempener Bürger reisten nach Köln, um den Werkvertrag zu sichern. Das Sakramentshaus ist 7,20 m hoch und steht auf einem fünfseitigen Sockel. Es gliedert sich in einen Fußteil (Schaft) mit fünfeckigen Pfeilern und tiefen Nischen. In der Mitte befindet sich die Tabernakel-Kammer, darüber eine Giebelkrönung mit einem zweistöckigen Strebewerk an der Spitze. Die eingefügten Figuren dürften von unterschiedlichen Bildhauern geschaffen worden sein.

Die sogenannten „Kölner Marschälle“ am Sockel sind, bis auf Quirinus, Pfarrpatrone der umliegenden Pfarren. Es sind, von links nach rechts: Papst Cornelius (mit Tiara und Schriftband; Pfarrpatron von St. Tönisvorst), Bischof Hubertus (mit Hirsch zu seinen Füßen; Pfarrpatron von St. Hubert), Antonius (mit Pilgerstab; Pfarrpatron von Tönisberg) und Quirinus von Neuss (mit Lanze und Schild mit 9 Punkten; Patron von Neuss).

Die vier "heiligen Marschälle" wurden bis zum Ende des 17. Jahrhunderts besonders in der Gegend von Köln verehrt. Urkundlich wurde ihre Verehrung 1478 erstmals bezeugt, soll aber damals schon lange üblich gewesen sein. Diese Heiligen wurden in persönlichen Noteno angerufen und galten als Ergänzung der songeannten "Vierzehn Nothelfer". Galten sie doch als einflussreiche Hofmarschälle im Himmelreich, die besonders nahe an Gottes Thron stehen.

Wolfgang Acht


01. März 2025

Alte Kommunionbank vor der Marienkapelle im nördlichen Seitenschiff

Diese 75 cm hohe, 452 cm lange und 30 cm tiefe Bank wurde 1881 – 1882 von dem Kempener Bildhauer Francois Perey gefertigt. Der Entwurf stammt von Heinrich Wiethase, einem Kölner Architekten (1881 / 1882), der auch die alte Kanzel der Kirche entworfen hatte, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Heute weist ein Mahnmal an einer der rechten Säulen des Kirchenschiffes auf sie hin.

Diese Kommunionbank stand ursprünglich vor dem Chorraum der Kirche. Sie diente den Gläubigen früher, kniend die Kommunion in Empfang zu nehmen, die ihnen vom Priester in den Mund gelegt wurde. Bei der Umgestaltung des Chorraums 1950 wurde die Kommunionbank als Begrenzung vor die Marienkapelle gestellt.

Wolfgang Acht


01. Februar 2025

Das Thomas-Kapitell

Dieses Kapitell wurde in den 90er Jahren vom Künstler Titus Reinarz gestaltet. Die Thomas-Stiftung-Kiefer hat dieses Werk der Kirche aus Anlass der Großrenovierung geschenkt. Das Thema ist selbstverständlich vom Werk des Thomas von Kempen („Nachfolge Christi“) beeinflusst. Jesus hat durch seinen Tod am Kreuz alle dazu aufgerufen, ihr Kreuz mit ihm zu tragen und ihm nachzufolgen. Deshalb steht das Kreuz in der Mitte. Speer, Kleidung, Würfel und die vier Bücher der „Nachfolge Christi“ erinnern an diese Hingabe Jesu.

Das dargestellte Kuhtor (links) ermahnt zugleich die Kempener, dem Auftrag Jesu zur Nachfolge gerecht zu werden. Dass dieser Auftrag aktuell bleibt, zeigen ein Kartenspiel, ein Auto, eine Fahne und ein Paar, das sich an die Hand nimmt. Sie werden zum Symbol, dass Menschen dem Auftrag Jesu folgen.

Wolfgang Acht


01. Januar 2025

Zwei romanische Konsolen an den Säulen vor dem Chorraum

Die beiden romanischen Konsolen an den vorne gegenüberliegende Pfeilern zeigen zwei Gesichter, bzw. Köpfe. Sie waren ursprünglich Zeichen für die Zuordnung der Gläubigen nach den Geschlechtern: Links der Kopf mit einer Haube und demütig geschlossenen Augen, ein Hinweis für die Seite der Frauen, kamen doch Ehefrauen, wie es früher hieß, mit der Hochzeit „unter die Haube“. Rechts der unbedeckte Kopf, der Hinweis für die Männer.

Nach der großen Renovierung der 90er Jahre, wurden diese Konsolen in der Tradition erzählender Theologie vom Malermeister Günter Krumbach zu biblischen Aussagen umgestaltet. So zeigte nun der linke Kopf mit den verschlossenen Augen und Ohren den „ungläubigen“ Menschen, der sich der frohen Botschaft verschließt, und rechts mit offen Augen und Ohren den für die Botschaft offenen Menschen. Die Deutung wird dadurch verstärkt, dass über dem Kopf links ein Strauß zu sehen ist, der seinen Kopf in den Sand steckt, sowie zwei welkende Zweige, während an der rechten Seite ein aufschwingender Adler und hochwachsende Zweige erkennbar sind.

Wolfgang Acht


01. Dezember 2024

Rosenkranzfenster - Das Rosenkranzgesätz: "Den Du, o Jungfrau, geboren hast."

Das Hauptbild

Über der Szene der Geburt Jesu hält ein Engel das Spruchband: „Gloria in excelsis deo“ (= Ehre sei Gott in der Höhe). Maria, wieder mit blauem Unter- und weißem Obergewand, kniet mit gefalteten, auf das Kind hinweisenden Händen. Josef steht hinter ihr mit Hirtenstab, bekleidet in rotem Mantel und weißen Untergewand. Vor dem Kind, in einer von einem Strahlenkranz umgebenen Krippe, knien drei anbetende Engel.

Links sind drei Hirten zu sehen, einer hat die Hände gefaltet, der andere trägt einen Stab und ein Lamm, der dritte spielt auf einem Blasinstrument.

Im unteren Teil des Fensters sind zu sehen:

Rechts die hl. Helena mit dem Kreuz (sie soll es in Jerusalem gefunden haben) und links Kaiser Konstantin. Beide tragen weiße Gewänder (liturgischer Gewandung wie beim Weihnachtsfest). Helena und Konstantin stehen für die „öffentliche Geburt“ des Christentums, also für die offizielle Anerkennung des Christentums im römischen Weltreich.

Typologischer Bezug zur Geburt Jesu:

Dargestellt ist in der Mitte die Begegnung Mose mit Gott Jahwe am Dornbusch. Neben ihm sind die Schafe zu sehen, die er für seinen Schwiegervater hütete. Mose zieht gerade seine Schuhe aus. Im Spruchband werden die Worte Jahwes zitiert: „solve calceamentum de pedibus tuis.“ Locus“ = „Ziehe deine Schuhe aus, der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden“ (Ex 3, 5).

So wird der Zusammenhang zwischen der „Erstbegegnung“ Gottes mit einem Menschen und der „Gottbegegnung“ in Jesus erkennbar. Gott steigt in Jesus Christus erneut herab, wie er es für das Volk Israel tat, um es aus Ägypten zu befreien. Mit Jesus steigt er erneut „herab“, um durch sein Leben, Sterben und Auferstehung alle Menschen zu befreien. 

Wolfgang Acht


01. November 2024

Drei alte Grabsteine im Chorumgang

Nach altem Brauch wird gerade im November der Toten gedacht.

Am Fest Allerheiligen (1. November) gehen die Gläubigen zum Friedhof, um an den Gräbern ein Gebet zu sprechen und diese segnen zu lassen. Am nächsten Tag, dem sogenannte Allerseelentag, werden im Gottesdienst der Gemeinde die Verstorbenen des vergangenen Jahres namentlich genannt.

Da ist es passend, sich die drei Grabsteine im Chorumgang anzuschauen. Bei der Großrenovierung 1850 wurden alle Familiengräber der Kirche beseitigt und auch diese Grabsteine ausgelagert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sie wieder ins Innere der Kirche geholt. Sie sind an der Fensterwand links (1) und zwei an der Wand hinter dem Annenaltar (2/3) angebracht.

Der Grabstein aus Blaustein von 1651 ist Johanna von Eyll, geb. Gastendonck, 12. 10. 1651 gewidmet. Sie war die Frau des bekannten Bürgers Nievenheim, dessen Haus bis heute am Kinderheimwall, Ecke Oelstraße steht. Der Grabstein ist 195 cm hoch und 90 cm breit. Die Wappen der Familie von Eyll und Gastendonk sind umrahmt von Wappen anderer verwandter oder befreundeter Familien. 

Der Grabstein von 1682 (Blaustein) ist für den Verstorbenen Ägidius Wilmius, der Schultheiß und Richter des Kölner Kurfürsten in der Stadt und im Amt Kempen, gleichzeitig Vogt zu Hüls und Senior des Kempener Stadtrates war. Die Beschriftung ist leider kam zu lesen. Oben ist ein Wappen mit Helmzier und Krone, einem geteiltem Schild, einem Doppelpfeil und zwei Schlüssel angebracht. 

Der dritte Grabstein (Sandstein) erinnert an den am 20. September 1716 verstorbenen Pater Eberhard Nakatenus aus der Gladbacher Benediktinerabtei. Er war 42 Jahre Pfarrer von Kempen. Deshalb ist der Stein geschmückt mit Kelch und Hostie, umrahmt von zwei herabhängenden Blättern. Die Benediktiner aus der Abtei Mönchengladbach waren viele Jahre als Seelsorger im Auftrag des Kurfürsten und Bischofs von Köln in der Pfarre St. Mariae Geburt tätig. 

Vor der Kirche finden sich weitere alte Grabsteine an der Nordseite. Sie erinnern daran, dass es ursprünglich auf dem Kirchplatz einen Friedhof gab. In der Zeit der französischen Besatzung (Anfang 19. Jh.) wurde verboten, Tote innerhalb der Stadt zu beerdigen. Ein neuer Friedhof außerhalb der Stadtmauer wurde eingerichtet (heute der „Alte Friedhof“).

Wolfgang Acht


01. Oktober 2024

Leuchter tragende Engel neben dem Gnadenbild und in der Sakristei

Vier aus Holz geschnitzte Leuchter-Engel, von denen hier zwei gezeigt werden, sind zu erwähnen. Es handelt sich um eine niederrheinische Arbeit von Ende des 15. Jh. Sie tragen schwer wirkende Leuchter mit Zinnenkranz. Sie haben lange, lockige Haare und sind mit Alben und Chormänteln bekleidet. In ihrer Haltung sind sie jeweils als Paare konzipiert.

Zwei von ihnen flankieren das Gnadenbild, die anderen beiden stehen in der Sakristei. Alle vier dürfen ursprünglich dieses Gnadenbild flankiert haben, als es noch an der ersten linken Säule vor dem Chorraum stand. Als die Marienkapelle am nördlichen Kirchenschiff für das Gnadenbild angefügt wurde, bekamen sie ihren neuen Platz.

Wolfgang Acht


01. September 2024

Die Propsteikirche

Über einige Jahre gehörte das Baugerüst zum Bild beim Blick auf die Propsteikirche dazu. Vor fünf Jahren hatte die umfangreiche Sanierung der Fassade des Kempener Denkmals im Herzen der Altstadt begonnen, die in mehreren Abschnitten umgesetzt wurde. Nun sind die Arbeiten mittlerweile erfolgreich abgeschlossen.

Anlass, die Kirche als Gebäude noch einmal in den Blick zu nehmen.

Nach dem Kempener Vikar und Chronisten Johannes Wilmius (1584 – 1655) wurde der Grundstein für die steingemauerte Kirche um das Jahr 1200 gelegt. Die romanische Kirche war eine "kleine" dreischiffige romanische Kirche. Sie war schon ganz passabel, steht doch der Mittelteil und der Turm heute noch imposant im Stadtbild. Im 14. Jh. kam der Chorumgang dazu und Ende 1490 waren auch die beiden Seitenschiffe angebaut, einschließlich der Marienkapelle für das Gnaden- und Wallfahrtsbild. Die Kirche steht im Mittelpunkt der Stadt. Die farbliche Fassung entspricht der romanischen Stilepoche. Generationen haben an dieser Kirche gebaut, sie gepflegt, genutzt und oft renoviert. 

Die Erweiterung konnte aufgrund der gotischen Architektur und deren Grundidee vom aufstrebenden Raum mit großen Fenstern erfolgen. Den zwölf romanischen Säulen des Mittelschiffs wurde der Chorraum mit acht Säulen und ein Chorumgang zwischen 1440 und 1471 hinzugefügt.

Umfangreiche Restaurations – und Sanierungsarbeiten erfuhr die Kirche St. Mariae Geburt dann in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Am 2. März 1945 wurde die Kirche bei einem Bombenangriff kurz vor Kriegsende bis auf den Chorraum schwer beschädigt. Die kostbaren Kunstwerke und Altäre waren ausgelagert bzw. eingehaust worden, sodass sie erhalten blieben.

Die vorletzte grundlegende Sanierung der Kirche erfolgte in den Jahren 1981 – 1993. Im Rahmen dieser Sanierung ist auch der rote Farbanstrich aufgetragen worden.

Dank sei allen gesagt, die sich für die Sanierung eingesetzt und diese unterstützt haben. Denn ohne die große Unterstützung von zahlreichen Freudinnen und Freunden der Propsteikirche wäre diese Maßnahme nicht umsetzbar gewesen.


01. August 2024

Türknauf - Das gebundene Einhorn

Diese eigenartige Figur, die als Türknopf genutzt wird, wurde erst bei der Großrenovierung der Kirche in den 90er Jahren des 20. Jh. erstellt.

Die Türe wurde erst eingebaut, als der äußere Eingang zur Michaelskapelle an der Südseite geschlossen wurde. An der „neuen“ Sakristeitüre befindet sich dieser Knauf mit der Darstellung eines gefesselten Einhorns.

Das Einhorn ist ein Fabelwesen von Pferde- oder Ziegengestalt mit einem geraden Horn auf der Stirnmitte. Es gilt als das edelste aller Fabeltiere und ist das Symbol für das Gute, aber auch Zeichen der Jungfräulichkeit und damit auch für Maria, der Patronin der Kirche. Ebenso symbolisiert es Christus, weisen doch die Fesseln an den Beinen auf den Gekreuzigten, das „Lamm Gottes“ hin.

Schon im Alten Testament wird auf ein wildes Tier verwiesen (Num 23,22, Psalm 22,22). Als der hebräische Text im dritten Jahrhundert ins Griechische übertragen wurde, wurde das Wort Wildtier oder Büffel mit Einhorn übersetzt. Ursache für den Irrtum waren vielleicht babylonische Reliefs und Wandmalereien. Noch bis ins 18. Jahrhundert war die Auffassung verbreitet, Einhörner würden in der Bibel erwähnt.

Deshalb wird das Einhorn auch in der bildenden Kunst vielfach verwendet. Die vermutlich älteste Darstellung findet sich in der christlichen Kunst in einem Stundenbuch (Brevier) aus dem 12. Jahrhundert (Kloster Einsiedeln - Schweiz). Dort zeigt eine Miniaturmalerei eine Verkündigungsszene mit Maria, die in ihrem Schoß das Einhorn beschützt. Das Einhorn-Motiv ist auch in Altarbildern zu finden (z. B. Altar im Erfurter Dom 15. Jh.) oder in der Bildhauerei, z. B. im Einhornbrunnen von Prof. Geibel von 1960 in Darmstadt.

Wolfgang Acht


01. Juli 2024

Sakramentsbild im Turmraum

Auf diesem dunklen Bild sieht man über einer Monstranz zwei schwebende Engel, die ein Schriftband halten mit der Aufschrift: BENEDICTUM SIXT S.S. SACRAMENTUM ALTARIS (= „Gepriesen sei das Allerheiligste Sakrament des Altares“).

Ein weiterer lateinischer Text in der unteren Hälfte gibt Auskunft über Alter, Zweck und Herkunft des Bildes. Es wurde 1630 von Johannes Gelnius aus Kempen, der Generalvikar in Köln und Dechant des Stiftes St. Apostel und Kapitular Vikar war, gestiftet. Es stellt die Bedeutung des eucharistischen Brotes vor Augen, in dem sich Christus leibhaftig verschenken will.

Die Verehrung des eucharistischen Brotes gewann erst seit dem 13. Jh. an Bedeutung. Dazu gab es eigene sogenannte Anbetungsandachten. In vielen großen Kathedralen wird bis heute immer in einer der Kapellen eine Monstranz mit dem eucharistischen Brot zum stillen Gebet aufgestellt.

Wolfgang Acht


01. Juni 2024

Eine Engelkonsole unter der Christophorus-Figur

Diese ausladende Engelkonsole unter der Christophorus-Figur ist eine später hinzugefügte Arbeit, vielleicht aus dem 19. Jh. Sie ist mit einem dicken Vierkanteisen im Fußboden verankert. Auf dem großen, vom einem Engel getragenen Schild, sind die „fünf Wunden“ Jesu am Kreuz angedeutet: die zwei Nagelwunden, die durchbohrten Hände und Füße sowie in der Mitte das durchstochene Herz.

Dem Gottesdienstbesucher wird damit beim Eintritt in die Kirche in einem eindringlichen Bild gezeigt, worum es in der Feier von Tod und Auferstehung Christi geht: Um die erlösende Hingabe Jesu am Kreuz, die das neue Leben ermöglichte.


01. Mai 2024

Das Standkreuz vor dem Antonius-Jakobusaltar an der Stirnwand des nördlichen Seitenschiffes

Auf der Mensa des Jakobus-Antonius-Altars steht ein schweres Messingkreuz aus dem 19. Jh. Es ist ohne Fuß 50 cm hoch, mit Fuß 71cm. Das Kreuz steht auf drei drachenartigen Füßen. Über den Füßen sind zwei Wölbungen, die eine filigran und durchsichtig, die andere mit einem kronenartigen Kranz.

Das Korpus am Kreuz misst 23 cm, die ausgebreiteten Arme ebenso. Es ist ein Dreinagelkreuz, wie es damals im neugotischen Stil üblich war. Die Kreuzarme haben eine rautenförmige Grundierung. Die Kreuzarme sind mit rechteckigen Abschlüssen versehen, die mit filigranen Fäden bestückt sind und in der Mitte einen rotschimmernden Edelstein zeigen.

Bei dem Kreuz dürfte es sich um eine Stiftung handeln.


01. April 2024

Das Ewig-Licht an der Säule vor dem Tabernakel im Chorraum (2)

Passend zu den Kar- und Ostertagen, soll dieses Werk gezeigt werden. Die Ewiglichtampel vor dem Tabernakel ist aus Messing und stammt aus dem 19. Jahrhundert. Ein „ewiges Licht“ gibt es auch in Synagogen vor dem Toraschrein und in allen katholischen Kirchen vor oder beim Tabernakel. Es will auf die Gegenwart Christi im Brot hinweisen, das hier im Tabernakel aufbewahrt wird.

Ein Deutewort des Propheten Jesaja dazu: „Bei Tag wird nicht mehr die Sonne dein Licht sein, und um die Nacht zu erhellen, scheint dir nicht mehr der Mond, sondern der Herr ist dein ewiges Licht, dein Gott dein strahlender Glanz. Deine Sonne geht nicht mehr unter und dein Mond nimmt nicht mehr ab; denn der Herr ist dein ewiges Licht, zu Ende sind deine Tage der Trauer“ (Jes 60, 19-20).

Der Brauch des ewigen Lichts kam im 13. Jahrhundert in Europa auf. Er orientierte sich an einem seit dem 3. Jh. gepflegten Brauch der Ostkirche, ein Licht vor der Ikonostase aufzustellen (der Bildwand vor dem Altarbereich). Lichter ließ man auch an den Gräbern von Märtyrer brennen. In der Grundordnung des Römischen Messbuchs heißt es dazu: „Nach überliefertem Brauch hat beim Tabernakel ständig ein mit Öl oder Wachs genährtes besonderes Licht zu brennen, wodurch die Gegenwart Christi angezeigt und geehrt wird.“

Dieses Kunstwerk ist umrandet von acht Einheiten und wird so indirekt zum Hinweis auf den „achten“ und „ersten Tag der Woche“, dem Tag der Auferstehung Jesu Christi. Wenn am Gründonnerstag nach der Eucharistiefeier die Hostien an einen anderen Ort der Kirche gebracht werden, um an die beginnende Passion zu erinnern, löscht man dieses „Licht“. Erst nach dem feierlichen Gloria der Osternacht wird es neu mit der Flamme der Osterkerze vor dem Tabernakel angezündet.

In den frühen Kirchen gab es zudem den Brauch, ein zusätzliches „ewiges Lichts“ in einer Fensternische des Chorraums aufzustellen, damit dieses Licht, das an die Gegenwart Christi erinnert, auf dem die Kirche umgebenden Friedhof sichtbar wurde. Das Licht des Auferstandenen sollte den Toten, aber auch den Trauernden leuchten und an die Verheißung der Auferstehung erinnern. Die heutigen Grablampen erinnern noch an diesen Brauch.


01. März 2024

Das große Missionskreuz im Turmraum

Dieses Kreuz erinnert an die „Volksmissionen“, die in regelmäßigen Abständen in der Fastenzeit in den Gemeinden von auswärtigen Ordensleuten gehalten wurden. Es waren vor allem Ordenspriester aus dem Predigerorden der Redemptoristen. Sie hielten sogenannte „Christenlehren“, führten Bußandachten mit anschließender Beichte durch und feierten besondere Gottesdienste mit eindringlichen, oft mahnenden Predigten. Durch diese intensive Unterrichtung der Glaubensinhalte sollte eine Glaubenserneuerung der Gemeindemitglieder bewirkt werden. Gleichzeitig sollten sie dazu motivieren werden, sich auf den Weg des Glaubens und auf die Nachfolge Christi zu besinnen. 

Heute gibt es andere Formen in der Advents- und Fastenzeit. Das Kreuz mit dem Gekreuzigten im Turmraum zieht beim Eintritt in die Kirche zuerst den Blick auf den, der der eigentliche Herr ist und durch seinen Tod und seine Auferstehung die Welt erneuert hat.

Die Jahreszahlen der „Missionen“ 1897 / 1907 / 1929 / 1936 und 1951 sind eingraviert. Bis 1960 hing das Kreuz im nördlichen Seitenschiff.


01. Februar 2024

Die heilige Sippe

Dieses Bild der „heiligen Sippe“ befindet sich in der Mitte der unteren Bildreihe des Kreuzaltars. Darüber befindet sich die zentrale Kreuzszene, die den Namen des Altars bestimmt. Alle Figuren tragen feine Kleidung. Dargestellt sind die drei Töchter der heiligen Anna. Der linken sind zwei und der rechten ein Kind zu geordnet und Maria sitzt direkt neben ihrer Mutter mit ihrem Kind Jesus. Folglich müssten vorne sechs Kinder zu sehen sein, doch aus drei Kindern wurden Anfang des 20. Jh. nach einem Diebstahl der mittelern Kindergruppe die Figuren nachgeschnitzt. Daraus wurden jetzt drei musizierende Engel. Das Bild zeigt die „Familie“ um Jesus, in der das siebte (heilige Zahl) Kind ist.

1969 erfolgte ein weiterer Raub von Einzelfiguren aus der linken Gruppe der Beschneidung, aus dieser Darstellung und dem Marienbegräbnis rechts. Der Schnitzer und Restaurator Wilhelm Hable aus Meerbusch erstellte daraufhin 1971 nach schwarz-weißen Fotos exakte und gekonnte Kopien. Bei der Farbgebung orientierte er sich an den anderen Schnitzbildern. Die Kopien sind so gut, dass vielen Betrachtern der Raub nicht auffiel. Im Februar 2016 wurden in Maria Lach diese und andere Figuren aus rheinischen Kirchen anonym im Klostergarten abgestellt. Nach Recherchen des Bundeskriminalamtes und des Denkmalschutzes konnten die Figuren den jeweiligen Kirchen wieder zugeordnet werden. Inzwischen sind nach fachmännischer Restaurierung die kostbaren Originale wieder hier zu sehen.


01. Januar 2024

Bild Johannes des Täufers

Dieses Bild der Taufe Jesu durch den Täufer Johannes wurde 1898 von Gerhard Dünner auf Kupfer gemalt und hängt in der Taufkapelle, in der die Kinder getauft werden. Dort, wo auch schon Thomas von Kempen getauft wurde, kann die Gemeinde nachvollziehen, was Jesus selbst an sich geschehen ließ, als er sich von Johannes dem Täufer im Jordan taufen ließ.

Jesus und der Täufer stehen in einer einsamen Flusslandschaft. Das Bild dürfte eine Anlehnung an ein Gemälde von Andrea del Verocchio und Leonardo da Vinci sein, das in den Offizien von Florenz hängt. Dort wird der Künstler wohl eine Abbildung des Werkes gesehen haben.


01. Dezember 2023

Die Bronze-Glocken im Turm von St. Mariae Geburt

Glocken sind schon seit dem 6. Jahrhundert Teil des Christentums. Irische Mönche trugen kleine Glocken bei sich, mit denen sie auf sich und ihre Glaubens-Verkündigung aufmerksam machten. Später wurden Glocken in Klöstern genutzt, um zu den Gebetszeiten zu rufen. Dann wurde es Brauch, in größeren Kirchen und Kathedralen Glocken aufzuhängen, die zum Kirchgang rufen, aber auch die Tageszeiten regelmäßig angeben sollten.

Im Kirchturm der Propsteikirche gibt es fünf Glocken:

Die älteste ist die Marien-Glocke von 1408 (2.500 kg). Sie trägt eine lateinische Inschrift, übersetzt: „Im Jahre des Herrn 1408 um das Fest der Himmelfahrt der glorreichen seligen Jungfrau Maria bin ich gegossen worden und werde Maria genannt.“ Sie entging der Einschmelzung in den Weltkriegen aufgrund ihres Alters

Die Josefs-Glocke (4.200 kg) aus dem 15. Jh. ist die schwerste Glocke. Sie wurde 1715 wegen eines Sprungs repariert. Ihre lateinische Inschrift lautet übersetzt: „Joseph werde ich genannt. Das Volk rufe ich, die Blitze vertreibe ich.“ In der Glockenwand sind zwei Wappen zu sehen, das des Erzbischofs von Köln und das Stadtwappen von Kempen. Auch diese Glocke entging der Einschmelzung und kam 1947 nach einem „Umweg“ über Hamburg, wohin sie wegen möglicher Einschmelzung gebracht wurde, wieder nach Kempen zurück

Barbaraglocke: (1408 / Umguss 1787 / 800 kg); aufgrund des falschen Grundtones wurde sie schon 1930 dem städtischen Kramer Museum überlassen, wo sie bis 1947 im Innenhof überdacht stand. Als einige Glocken eingeschmolzen wurden, kam sie in den Turm der Kirche zurück

Catharinenglocke (1487): Diese Glocke erfuhr mehrere Umgüsse. Zuletzt wurde sie aufgrund der Disharmonie des Glockenklangs mit dem anderen Geläut 1990 bei Hausen-Mabilon in Saarburg umgegossen. Ihr Gewicht berträgt 1.900 kg. Pfarrer Paul Wallraffen stiftete den letzten Umguss. Diese Glocke wird beim regelmäßigen Angelusläuten am Morgen, am Mittag und Abend geläutet

Die kleine Vesperglocke (1574) hing früher im Vierungstürmchen der Paterskirche bis zur Auflösung des Franziskanerklosters 1974. Sie kam dann auch in den Kirchturm.


01. November 2023

Kriegerdenkmal am Eingang zur Taufkapelle

Dieses große Kunstwerk (H 245 cm, L 305 cm, T 109 cm) des Klever Künstlers Gerd Brüx im Stil des beginnenden 20. Jahrhunderts, ist aus Eichenholz geschnitzt und wurde 1926 in der Kirche aufgestellt. Die Segnung des Denkmals erfolgte durch den aus Hüls stammenden Armeebischof Dr. Heinrich Joppen am 12. Dez. 1926.

Dieses Krieger- und Ehrenmal wurde als Denkmal für die Kempener Soldaten aufgestellt, die im Ersten Weltkrieg gefallenen waren. Auf der zur Kirche hinweisenden Rückwand sind in 16 Feldern deren 259 Namen in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Bild steht in großen Lettern ein Wort aus dem Johannesevangelium: „Es gibt keine größere Freude, als sein Leben für die Freunde zu geben“ (Joh 15, 13).

Jesu Leichnam wird von Maria (links) und Johannes (rechts) beweint. Johannes trägt in seinen Händen Nägel und Dornenkrone. Für die vier trauernden Engel im Hintergrund sollen Kempener Kinder Portrait gestanden haben. Das eindrucksvolle Werk bekundet die Betroffenheit über die Gefallenen des ersten Weltkriegs.


01. Oktober 2023

Fenster der Marienverehrer in der Marienkapelle im nördlichen Seitenschiff

Auch dieses Werk stammt vom Kempener Künstler Heinrich Dieckmann (1890 – 1963). Es ist über dem Gnadenbild Mariens in der eigens gebauten Mariennische zu finden. Zu sehen sind vier Marienverehrer, in deren Nimben die betreffenden Namen zu lesen sind. Unter den Darstellungen finden sich Zitate der Anrufungen aus der „Lauretanische Litanei“, in der Maria im Mittelpunkt steht.

(von links nach rechts):

· Bernhard von Clairvaux: mit einem Wappen zu seinen Füßen, darunter die Anrufung: „Zuflucht der Sünder“; 

· Bernadette von Lourdes: sie zeigt mit der linken Hand auf die Marienstatue, darunter die Anrufung: „Heil der Kranken“;

· Dominikus: mit einem Rosenkranz in der linken Hand, darunter die Anrufung: „Hilfe der Christen“;

· Hermann-Josef von Steinfeld: mit einem Apfel in der linken Hand, darunter die Anrufung: „Mutter der Gnade“. Der Apfel in seiner Hand erinnert an die Legende, dass er als Schüler Maria mit dem Kind in der Kirche „Maria im Kapitol“ einen Apfel geschenkt haben soll, den Maria für ihr Kind angenommen habe.

Über den Dargestellten sieht man im Maßwerk eine blaue Lilie (blau ist die Marienfarbe).


01. August 2023

Das kleine Kempenfenster über dem nördlichen Seitenportal

Dieses ursprünglich als ovales Fenster über der Sakristei der ehemaligen Konvikt - Kapelle des Thomaeum angelegte Fenster konnte nach dem zweiten Weltkrieg in der Kirche in eine rechteckige Bleiverglasung über dem Nordeingang von St. Mariae Geburt eingefügt werden.

Das im Glasbild von Kempen hervorgehobene Burgmotiv weist auf das Thomaeum in der kurkölnischen Burg von 1863 bis 1925 hin. Die auswärtigen Schüler des Gymnasiums wohnten im sogenannten Konvikt, das neben der Kapelle auf dem Donkring-Grundstück stand, wo heute die neue Post ihr Domizil hat.

Das Fenster hat hier in der Propsteikirche einen geeigneten Platz gefunden. Es weist nicht nur den Weg in die Stadt hin, sondern die Stadt wird an diesem Portal zugleich von den eintretenden Gläubigen in die Kirche geholt.


01. Juli 2023

Zelebrationsstuhl

Das große aus Eichenholz geschnitzte Werk (Ende des 15. Jh/ Breite 2,30 cm, Höhe 3,90 cm), ist erstaunlich detailreich ausgeführt. Es wurde von Johannes Gruter im Jahr 1486 geschnitzt, der auch die Chorgestühle der Kirche fertigte.

Es wurde in Auftrag gegeben, um den Wunsch des Kölner Erzbischofs Hermann IV. von Hessen zu entsprechen, bei seinen Besuchen in Kempen einen angemessenen bischöflichen „Zelebrationsstuhl“ vorzufinden. In der Mitte war sein Platz als Hauptzelebrant, rechts und links der Platz des Diakons und Subdiakons (Kleriker niedrigerer Weihestufen), die früher bei Messen neben dem Zelebranten als Assistenten mitwirkten.

Im Baldachinbereich sind fünf qualitativ hochwertige aus Holz geschnitzte männliche Gestalten mit Musikinstrumenten zu sehen, einer wohl König David mit der Harfe. Sie wollen als Musiker gleichsam auf den Lobgesang im Gottesdienst verweisen. Im Sitzbereich sieht man als Wangenfigur links Christus als Salvator (Retter) mit dem Buch des Lebens. Er ist der, der die Mitte des Glaubens darstellt. Rechts steht Petrus ebenfalls mit Buch (Heilige Schrift) und Schlüsseln (sein Attribut). Diesem galt stellvertretend für die Apostel doch Jesu Wort: „Dir werde ich die Schlüssel des Himmelreiches geben“ (Mt 16, 19). Diese etwas einfacher gestalteten Figuren dürften von einem anderen Schnitzer geschaffen und später hinzugefügt worden sein.

Auf der Rückwand des Zelebrationsstuhls (nur vom Chorumgang aus zu sehen), erkennt man rechts das Wappen des Kölner Erzbischofs Hermann IV. von Hessen (geb. 1449, der „Friedsame“ genannt) mit dem hessischen Löwen, in der Mitte das Kreuz mit den „Leidenswerkzeugen Christi“ und links das Stadtwappen von Kempen. Es ist die früheste Darstellung des Wappens.

Die Kempener stifteten ihrem Landesherrn 1486 dieses Schnitzwerk. Dieser spendete daraufhin ein Glasfenster mit der hl. Ursula oberhalb der Sakristei, das nicht mehr vorhanden ist.


01. Juni 2023

Bilder in der Taufkapelle (südlicher Turmraum)

Die Bilder wurden um 1520 in der Werkstatt des Adrian van Overbeck in Antwerpen erstellt (Öl auf Holz). Es ist nicht mehr auszumachen, aus welchem früheren Altar der Kirche diese Bilder in der Taufkapelle stammen.

1.          Johannes der Evangelist: 

Die Insel, auf der Evangelist Johannes kniet und schreibt, ist ein winziges Eiland im von Schiffen befahrenen Meer. Johannes schreibt die Visionen auf, die er auf dieser Insel empfing und fügt sie in die sogenannte „Geheime Offenbarung“ ein, die man ihm zuschreibt. Vor Johannes hält ein junger Adler (Attribut des Evangelisten) ein Schriftband in seinem Schnabel. Über dem Meer ist die visionäre „große Frau“ der Apokalypse (Kap. 12) in einer Mandorla zu sehen. Sie trägt das messianische Kind. Ihr gegenüber tritt der siebenköpfige Drache auf, der im Kampf gegen diese „große Frau“, das Bild für die Kirche, verliert.

2.          Zwei Bilder Johannes des Täufers: 

Auf dem ersten Bild steht Johannes der Täufer als Prediger in einer weiten Landschaft mit einer Baumgruppe. Er stützt sich auf einen Baumstumpf und spricht vor einer Gruppe von Frauen mit ihren Kindern und Männern. „Bereitet dem Herrn die Wege“, so war seine Botschaft, die auch heute noch gilt.

Das zweite Bild zeigt die Enthauptung des Täufers, die auf Wunsch der Salome, der Tochter des Herodes, vorgenommen wurde. Salome soll so gut getanzt haben, dass ihr Vater Herodes ihr jeden Wunsch erfüllen wollte. Die Mutter verleitete sie dazu, das Haupt des Johannes zu fordern, hatte er doch gegen ihre Hochzeit mit Herodes öffentlich Kritik geübt. Der König hielt sich an sein Versprechen und gab die Enthauptung frei. Deshalb steht im Zentrum die gut gekleidete Salome mit dem Henker, der ihr auf einer Schale den Kopf des Täufers präsentiert. Im Hintergrund ist die Festtafel zu sehen, von der das Geschehen ausging.


01. Mai 2023

Kempener Fenster im nördlichen Turmraum

In diesem Beitrag steht die Bildgestaltung eines Kirchenfensters des Kempener Künstlers Heinrich Dieckmann in der Propsteikirche im Fokus. Dieckmann hat das im Jahr 1937 entworfen. Aufgrund des Motivs wird das Fenster allgemein als das „Kempener Fenster“ bezeichnet. In dem Fenster wird Maria, als die Pfarrpatronin der Kirche und der Stadt Kempen, als Schutzmantelmadonna dargestellt. Sie bietet nicht nur notleidende Menschen unter ihren Mantel Schutz, sondern auch der unten skizzierten Stadt.

Vor ihrem hell leuchtenden gelben Kleid, das sie als Himmelskönigin kennzeichnet, ist eine große Lilie als Symbol ihrer Jungfräulichkeit zu erkennen. Über Maria stehen zwei Engel in roten Gewändern, die ein Tuch hinter ihr ausbreiten. Darüber geht von einem Stern ein Strahl auf sie aus. Sie wird zum „Himmelsstern“, wie es in der alten „Lauretanischen Litanei“ heißt.

Unter ihrem Schutzmantel sind eine junge Mutter mit ihrem Kind, zwei Männer mit betend und flehend erhobenen Armen und ein junges Paar zu erkennen. Auf der anderen Seite sieht man vier junge Männer und eine kniende Frau. Die Frau hält ihre Hände gekreuzt über der Brust. Zu Füßen Mariens sind ein Halbmond und ein Stern zu sehen. So wird sie zum Bild der „Großen Frau“ aus der Geheimen Offenbarung (Kap. 12,1). Sie überwindet mit der Kraft Christi das Böse und zertritt mit ihrem Fuß die Schlange, das Bild des Bösen (s. Genesis 3). Der Halbmond und der Stern finden sich auch im Kempener Stadtwappen.

Auf dem über der Stadt Kempen gespannten Spruchband steht: „O MARIA, REGINA COELI PATRONA SIS URBIS TUAE KEMPENSIS“, d. h. „O Maria, Königin des Himmels, sei Schutzpatronin deiner Stadt Kempen“.


01. April 2023

Jesus bei Maria und Martha - von Heinrich Dieckmann

Das im nördlichen Turmraum hängende Bild vom Kempener Künstler Heinrich Dieckmann (1890-1963) wurde um 1927 mit Öl auf Leinwand gemalt (Größe 118,5 x 143,5 cm). Es ist eines der vielen Bilder des Künstlers in der Propsteikirche Mariae Geburt in Kempen.

Das Bild zeigt die Begegnung Jesu mit Maria und Martha, wie sie uns im Lukasevangelium im 10. Kapitel erzählt wird. Doch diese Begegnung wird hier nicht historistisch, sondern zeitnah als Erlebnis in der Gegenwart dargestellt, was auch durch die zeitgenössische Arbeitskleidung der 20er Jahre deutlich wird. Jesus, hier ein bartloser junger Mann, trägt einen einfachen Arbeitskittel. Die kurzen Haare der beiden jungen Frauen Maria und Martha signalisieren, dass es sich um Menschen aus dem Industriezeitalter handelt.

Maria hat sich mit Jesus an den Tisch gesetzt und hört ihm zu. Martha bringt eine Schüssel mit Äpfeln um dem Gast etwas anzubieten. Sie scheint aus einem Obergemach zu kommen, was die Treppenstufen hinter ihr andeuten. Sie beklagt sich, dass ihr Maria nicht beisteht, sondern sich hörend, scheinbar inaktiv, Jesus zuwendet. Jesus weist mit einer fast abwehrenden Hand den Vorwurf zurück und sagt zu Martha, zugleich mit dem Finger auf Maria zeigend: „Martha, du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur eins ist notwendig. Maria hat das Bessere gewählt, das soll ihr nicht genommen werden“ (Lk 10, 38 – 42).

Eine ruhige und eindrucksvolle Szene hat Heinrich Dieckmann dargestellt und regt durch die Aktualisierung dazu an, sich selbst mit Maria zu identifizieren und nach dem Wesentlichen im eigenen Leben zu fragen und zu suchen.


01. März 2023

Kreuzigungsfenster - von Heinrich Dieckmann

Die Rosenkranzfenster des schmerzhaften Rosenkranzes in den beiden Turmkapellen in der linken Turmkapelle wurden von Prof. Heinrich Dieckmann, einem Kempener, der in Trier lebte und arbeitete, von 1934 – 1937 geschaffen. Sie unterscheiden sich von den neugotischen Fenstern dadurch, dass die Gläser nicht einzeln bemalt sind, sondern in Flächen strukturiert farbig gestaltet werden. Eindrucksvoll ist dabei die Farbsymbolik, die hier nicht im Einzelnen beleuchtet werden kann.

Im Folgenden wird das Westfenster, das eine Kreuzigung darstellt, näher beschrieben:

Das rote Kreuz, ein Triumphkreuz, steht aufrecht in der Mitte und überspannt die ganze Fensterfläche. Darüber schweben im blauen Licht drei Engel. Der Körper des Gekreuzigten strahlt trotz des qualvollen Todes hell auf, ist er doch durch seine Hingabe aus Liebe das „Licht der Welt“ geworden. Unter dem Kreuz steht links, dunkel gekleidet, die Mutter mit weißem Heiligenschein (Symbol der Reinheit) und rechts der Lieblingsjünger mit jugendlichem Gesicht. Er zeigt auf den Gekreuzigten. Diese Geste erinnert an das Schriftwort: „Dieser Jünger ist es, der all das bezeugt und der es aufgeschrieben hat; und wir wissen, dass sein Zeugnis wahr ist“ (Joh 21, 24). Unter dem Kreuz kniet Maria von Magdala mit einem rosanen Gewand (Rosa ist die Farbe der Sünde). Maria von Magdala wird als Sünderin dargestellt, die aber von Jesus Versöhnung erfuhr.

Die Lanzen gehören zu den wachhabenden Soldaten, die hier aber von der Trauergruppe verdrängt werden. Rechts sieht man den berittenen Hauptmann mit erhobener Hand, der gesagt haben soll: „Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn“ (Mk 15,39).


01. Februar 2023

Der Marienleuchter

Dieser Leuchter ist vermutlich das Werk des Kölner Meisters Johann Spee (1508) und gehört in den Kreis bedeutender noch erhaltener Marienleuchter, wie sie zum Beispiel auch in Emmerich, Kalkar oder Erkelenz zu finden sind. Das Werk wird von der Zahl acht bestimmt. So gibt es über dem schmiedeeisernen Gespränge vier Einheiten; acht Kerzen tragende Engel, vier Doppelfiguren und zwei unterschiedlich hohe Madonnen, darüber zwei Engel, die eine Krone tragen, zwei Geisttauben und zwei Gottvaterfiguren im Strahlenkranz.

Die Zahl acht bezieht sich auf die Auferstehung Christi am „ersten Tag“ der Woche, dem Tag nach dem Sabbat. Die Schrift spricht deshalb vom achten Tag.

Maria wird in der Glaubensgeschichte zum Zeichen des erlösten Menschen, an dem sich die Verheißung Christi beispielhaft zeigt und dadurch alle Menschen durch die Erlösung Christi zum ewigen Leben berufen sind. Die Doppelmadonna erinnert an das Bild der „großen Frau“ in der Apokalypse (Kap. 12). Sie ist umgeben von einem Strahlenkranz (acht spitze und acht geschwungene), ist sie doch die von der Sonne Umstrahlte und von Gott Begnadete. Sie steht hier auf einer Mondsichel und wird so zum Symbol für die Kirche Christi, die aus dessen Kraft dem Bösen standhalten kann und im Glauben an ihn Rettung findet.

An der Basis des Leuchters sieht man ein Dämonengesicht. Es stellt Luzifer (= „Lichtträger“) dar, den Engel des Bösen. Maria zertritt als die „große Frau“ diesem Satan den Kopf (Gen 3, 15). Luzifer, der selbst das Licht sein wollte, muss hier zur Strafe den Kerzenkrank des Leuchters im Mund tragen. Es ist ein Bild dafür, dass das Böse endgültig besiegt ist. Im 1. Johannesbrief heißt es dazu: „Alles, was von Gott stammt, besiegt die Welt. Und das ist der Sieg, der die Welt besiegt hat: unser Glaube“ (1 Joh 5,4).

Dass der Leuchter genau in der Mitte der Längsachse der Kirche hängt, zeigt, welche Bedeutung das mit ihm verbundene Verheißungsbild für die hier versammelte Gemeinde beim Vollzug des Gottesdienstes hat. Symbolisiert er doch die Erfüllung der kommenden Verheißung, die in der Feier von Tod und Auferstehung Christi, neu bewusstwerden soll. 

Gerne öffnen Sie den angefügten YouTube – Link, der zu dem Bild noch einen hervorragenden marianischen Gesang eines englischen Chores bietet.

https://www.youtube.com/watch?v=SREfVwpQi1I&feature=youtu.be


01. Januar 2023

Großstadtmadonna - von Heinrich Dieckmann

„Großstadtmadonna“ (von Heinrich Dieckmann + 1963) Zum „Hochfest der Gottesmutter Maria“, das am 1. Januar eines jeden Jahres gefeiert wird, ist ein Bild des Kempener Künstlers Heinrich Dieckmann (1890 – 1963) im Blick. Es soll damit zugleich auf sein 60. Todesjahr hingewiesen werden. Er hat das Bild 1926 in Berlin in einer Mischtechnik auf eine Hartfaserplatte gemalt. Es nimmt im Hintergrund das Leben der modernen Großstadt, den Lärm und die vielen Reklameschriften auf. Er wollte aufmerksam machen auf die Madonna mit ihrem Kind und zugleich auch auf die in der Stadt oft nicht wahrgenommen bedrückten Menschen. Dieser stützt schwermütig seinen Kopf mit Händen, als wolle er sich mit geschlossenen Augen gegen die visuellen Reizüberflutung schützen. Das Bild im roten Grundton wirkt wie eine Vorskizze zum eigentlichen Bild, sind doch die Gesichtszüge der Madonna und des Kindes nur angedeutet. Sie hat das Kind in den rechten Arm genommen und hält ihre linke Hand wie zum Schutz über das Kind. Sie bestimmt deutlich das Bild und wirkt wie eine ruhend stehende Säule inmitten pulsierenden Lebens. Das Bild regt zu einem besinnlichen Verweilen ein. Es hängt neben anderen Werken von Heinrich Dieckmann im nördlichen Turmraum.


01. Dezember 2022

Geburt Christi - Kohlezeichnung von Heinrinch Dieckmann

Diese Kohlezeichnung wurde von Heinrich Dieckmann 1921 gemalt. 2005 wurde das Bild der Gemeinde Mariae Geburt geschenkt.

Wolfgang Acht

Ein starkes Licht geht von dem Stern oben links aus, der von einem schwebenden Engel getragen wird und dessen starkes Licht Maria zur leuchtenden Gestalt werden lässt. So bestimmt Maria das ganze Bild diagonal. Neben Maria kniet Josef mit ganz verkrampften Händen, als wäre es für ihn noch schwer, diesem Kind die Anbetung zu zollen. Neben Maria, die das Kind in ihren Armen hält und mit der linken Hand den Kopf zärtlich streichelt, kniet ein Engel.

Das Kind selbst scheint aufmerksam auf den Stern zu schauen. Zwei Hirten mit Hirtenstab stehen hinter Josef und sind lediglich mit ihren hellen Gesichtern zu erkennen. Sie hatten Engel auf die Geburt dieses messianischen Kindes hingewiesen. Rechts neben Maria steht eine junge Frau, oder ein Engel mit auf der Brust gekreuzten Händen, die auch vom Licht erhellt wird und ganz auf das Kind konzentriert ist.

Der große Kopf im unteren linken Teil des Bildes mit dichtem Bart und der erhobenen Hand, der nicht auf die leuchtende Maria mit ihrem Kind schaut, könnte der Seher Jesaja sein, der dieses Ereignis verheißend beschrieb: „Die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären. Sie wird ihm den Namen Immanuel geben“ (Jes 7, 14).

Das Geschehen spielt sich unter einem Spitzbogen ab. Im Hintergrund erkennt man rechts eine Stadt, wohl Bethlehem, in der Maria, Josef und das Kind keine Herberge finden konnten.


01. November 2022

Die Kirchenväter im Chorgestühl

Auf den Hoch- und Pultwangen im rechten Teil des Chorgestühls sind die vier Kirchenväter dargestellt. Sie haben entscheidend zur Lehre und Selbstverständnis des Christentums beigetragen, weswegen sie den Ehrentitel „Kirchenväter“ erhielten. Die griechisch - orthodoxe Kirche benennt ihrerseits als die vier Kirchenväter Johannes Chrysostomos, Basilius von Caesarea, Gregor von Nazianz und Athanasius von Alexandria. Die römisch - lateinische Kirche benennt dazu Papst Gregor den Großen, Hieronymus, den Kardinal und die Bischöfe Augustinus von Hippo sowie Ambrosius von Mailand. Sie haben die Heilige Schrift theologisch kommentiert und auf die jeweilige Lebenswelt hin aktualisiert.

Oben an den rechten Wangen sieht man Hieronymus (4. Jh.) mit Kardinalshut und Hirtenstab und einem Schmucktuch. Die rechte Hand berührt die Pfote eines Löwen, weil er einer Legende nach einem Dorn aus der Pfote eines Löwen gezogen haben soll, sodass dieser für ihn zum treuen Gefährten wurde. Hieronymus hat die hebräisch und griechisch verfasste Schrift ins Lateinische übersetzt.

Ihm gegenüber steht Gregor (6. Jh.) als Papst mit Tiara bekrönt und einem Hirtenstab mit Knauf. Der Stab ist zusätzlich mit einem feinen Tuch umgeben, wie es früher zur Pontifikalausstattung gehörte. Gregor galt als einflussreicher Mann, der die kirchliche Armenpflege sicherte und ein Erneuerer der Liturgie und Kirchenmusik war.

Besonders bekannt ist der. „Gregorianischer Choral“, den die Kirchenmusik bis heute kennt. Er hat aber auch die Missionierung Europas vorangetrieben.

Unten an den Pultwangen sieht man Ambrosius (4. Jh.) mit Mitra, war er doch ein bedeutender Bischof von Mailand. Das Buch in seiner Hand erweist ihn als einen profunden Ausleger der Schrift.

Sein Schüler Augustinus (4. Jh.) ist ihm gegenüber auf der anderen Seite dargestellt. Er wurde sein später Bischof in Hippo (Nordafrika). Auch er trägt eine Mitra und den Hirtenstab mit einem Schmucktuch. Das Buch weist ihn als Autor vieler bedeutender theologischer Schriften aus. Seine Theologie ist wirkt bis heute nach. Das Herz in der rechten Hand weist auf seinen leidenschaftlichen Einsatz für die Christusbotschaft und die junge Kirche hin.

Wolfgang Acht


01. Oktober 2022

Rosenkranzfenster im linken Seitenschiff: "Der dich o Jungfrau in den Himmel aufgenommen hat"

Im folgenden Beitrag wird eines der Rosenkranzfenster dargestellt und interpretiert.. Es thematisiert das Rosenkranzgesätz: „Der dich, o Jungfrau, in den Himmel aufgenommen hat“

Das Hauptbild

Maria steht im roten Strahlenkranz, im Gegensatz zum gelben Strahlenkranz des auferstandenen Christus. Sie wird von vier Engeln in den Himmel geleitet. Links bläst ein Engel die Flöte, rechts spielt einer eine Laute, darunter knien zwei betende Engel mit liturgischen Stolen. Drei puttenartige Engelköpfe bilden ein Dreieck, das Zeichen für das Vollkommene.

Unter der in den Himmel aufgenommenen Maria knien und stehen acht staunende Apostel. Rechts Petrus, kniend mit offenem Buch. Ein Apostel an der linken Seite ist nur durch einen angedeuteten Nimbus zu erkennen. Über Petrus sind zwei betende, zum Himmel aufschauende Apostel dargestellt. Vor einem Sarkophag kniet in der Mitte der Lieblingsjünger Johannes. Aus dem Sarkophag wachsen Rosen und eine Lilie, was auf die Legende verweist, dass aus dem leeren, offenen Grab Blütenduft aufstieg. Die deutende Inschrift lautet: „Assumpta est Maria in coelum gaudent angeli“ > Maria ist in den Himmel aufgenommen. Die Engel freuen sich.

Unterer Teil des Fensters, der typologischer Bezug zum Ersten Bund

Esther tritt mit demütig auf der Brust verschränkten Händen vor den König Ahasver, der sein Zepter als Zeichen für die Anerkennung und Gnade auf sie richtet. Man sieht zwei Begleiter, einer wohl Mordechai, der Onkel von Esther, der andere ritterlich gekleidet mit einem Stab. Der Schriftzug lautet: „Cumque vidisset Esther reginam stantem“ (Esther 5.2), d. h. als der König die Königin Esther vor sich stehen sah, fand sie Gnade vor seinen Augen. Das vollständige Schriftwort des Schriftzitates lautet: „Als der König die Königin Esther im Hof stehen sah, fand sie Gnade vor seinen Augen. Sie trat näher und berührte die Spitze des Zepters.“ Esther wird so zum Typos und Vorbild für Maria, die ebenfalls Gnade vor Gott fand und um Gnade für die Beter bittet. Der Engel sagte ihr bei der Verkündigung: „Maria, du bist voll der Gnaden“.

Wolfgang Acht


01. September 2022

Kreuztragender Jesus

Das Fest der Erhöhung des heiligen Kreuzes wird im Kirchenjahr der römisch-katholischen Kirche und der orthodoxen Kirchen am 14. September gefeiert wird.

In der Thomaskapelle – daher für viele unbekannt – befindet sich das Standbild des „Kreuztragenden Jesus“. An dieser Stelle ist es das älteste Kunstwerk. Es handelt sich um eine niederrheinische Arbeit aus dem 15. Jahrhundert. Im 19. Jahrhundert wurde der beschädigte untere Teil des Kunstwerks unglücklich restauriert und ist daher etwas zu klein. 1959 wurde die Bemalung entfernt.

Jesus trägt eine Dornenkrone und das Kreuz. Er hat beide Hände an die Kreuzbalken gelegt (wobei die rechte Hand eigentlich verdreht ist). Jesus ist bekleidet mit einem mit wenigen Falten gestalteten und einem dicken Strick gegürteten Rock. Hände, Füße und Gesicht sind eher grob gearbeitet. Die Figur ist von geringerer Qualität. Vielleicht entstammt sie einem der Altäre, die bis 1850 in der Kirche standen, aber bei der damaligen großen Renovierung der Kirche abgebaut wurden.

Von den bis dahin 17 aufgestellten Altären sind außer der drei kostbarsten Antwerpener Altäre keine mehr erhalten.

Wolfgang Acht


01. August 2022

Der Figurenschmuck das Chorgestühls

Das spätgotische, künstlerisch wertvolle Chorgestühl aus Eiche, wurde von Johannes Gruter aus Wesel gefertigt und 1493 im Chorraum aufgestellt. Dieses Chorgestühl war wegen der Vielzahl an Altarvikale und Priester notweding. Letztere waren an der benachbarten Lateinschule, der heutigen „Burse“, als Lehrer tätig. An den linken Wangen des Gestühls sind die sogenannten „rheinischen Marschälle“ zu sehen, die sich seit dem 15. Jh. in der Kirchenprovinz Köln großer Beliebtheit erfreuten. So sind an den Hochwangen Cornelius und Hubertus, an den Pultwangen Quirinus und Antonius der Mönchsvater zu erkennen.

Cornelius:

Cornelius (Papst im 3. Jh.), der Pfarrpatron von Tönisvorst, ist mit Papst-Tiara und einem Horn ausgestattet. Sein Name kommt von „cornu“, das Horn. Den Hirtenstab nimmt er mit einem umwickelten Tuch auf. So war es in der Kirche lange üblich, damit die kostbaren Stäbe nicht geschädigt wurden. Zugleich signalisierte es die Bedeutung des Papst- und Bischofsamtes.

Hubertus:

Gegenüber steht Hubertus, der erste Bischof von Maastricht (8. Jh.), der Pfarrpatron von St. Hubert. Er trägt Pontifikalkleidung und hält den Hirtenstab, von dem leider die Spitze abgebrochen ist. Ebenso hält er ein Buch. Zu Füßen steht sein Attribut, der Hirsch- In dessen Geweih soll Hubertus bei einer Jagd ein Kreuz gesehen haben , was ihn dann zum Glauben führte.

Antonius:

An den Pultwangen ist Antonius der Wüstenvater (2. Jh.) abgebildet. Er ist der Pfarrpatron von Tönisberg. Er ist mit Mönchskutte und einer Art Barett auf dem Kopf dargestellt. Ein Buch hält er in der rechten Hand, zudem eine Art Kette in der linken. Das Schwein zu seinen Füßen weist auf ein Privileg des nach ihm benannten späteren Antoniter-Orden hin, der wegen seiner Hospitzarbeit auch innerhalb der Stadt Schweine halten durfte, um die Kranken ernähren zu können.

Quirinus:

Gegenüber steht Quirinus, der Legende nach ein römischer Tribun (2. Jh.), der in Rom das Martyrium erlitt. Er ist der Patron von Neuss. Quirinus trägt einen ritterlichen Plattenharnisch, einen Mantel und in der linken Hand ein Schild mit den üblichen neun Kugeln. Diese befinden sich nach heute auf dem Neusser Stadtwappen. In der rechten Hand hält er ein Sieges-Banner.

Weil Kempen zur kölnischen Kirchenprovinz gehörte, durften dessen „Marschälle“ in diesem Gestühl nicht fehlen. Diese „Marschälle“ sind auch am Sockel des Sakramentshauses zu sehen.


01. Juli 2022

Die drei Kapitelle

Als diese Kapitelle bei der Renovierung 1992 von Titus Reinarz gestaltet wurde, war der politisch ausgerufene „Konziliare Prozess“ der 70er Jahre der Impuls zur Bildgestaltung. Durch die Kapitelle Verantwortung eines Jeden für den Erhalt der Welt neu bewusst gemacht werden. Dies entspricht durchaus der Botschaft des Evangeliums. Die Kapitelle stellen also eine Art bleibendes „Ausrufezeichen“ für die Gemeinde dar, dass immer wieder die Verantwortung des einzelnen deutlich macht.

Die Bildgestaltung im Einzelnen:

Gerechtigkeit:

Es sind Köpfe von Menschen zu sehen, die auf die Aufgabe hinweisen, die Waage der Gerechtigkeit im Gleichgewicht zu halten. Die Ansammlung von Geld und Raketen stellt die Gefahr der drohenden Zerstörung dar. Weltweit müssen sich die Menschen um Gerechtigkeit bemühen. Nur so kann der Frieden gesichert werden. Der Schmetterling ist Zeichen dafür.

Frieden:

Eine blaue Taube mit einem Ölzweig wird zum Boten des Lebens für die Stadt. Ein zweiter Ölzweig schmückt das Rathaus und das Von-Nievenheim-Haus in Kempen. Ein Radfahrer ist zu sehen, ist doch das Fahrrad ist am Niederrhein universelles Fortbewegungsmittel. In diesem Kontext symbolisiert es die Wichtigkeit dessen, die Botschaft des Friedens zu den Menschen zu bringen. 

Bewahrung der Schöpfung:

Früchte der menschlichen Arbeit erinnern an den langen Weg vom Samenkorn bis zur reifen Frucht. Zudem symbolisieren die Rosen die Schönheit der Schöpfung und unterstreichen die so die Wichtigkeit, diese Schöpfung zu bewahren.


01. Juni 2022

Fresko der wichtigen Heiligen des Franziskanerordens

Dieses Fresko des 15. Jahrhunderts wurde vom Franziskaner Johannes Brugmann ( 1473) gestiftet, der aus Kempen stammte und hier ganz rechts abgebildet ist. Dargestellt sind die bedeutenden franziskanischen Heiligen: Franziskus, Klara, Bonaventura, Elisabeth von Thüringen, Antonius von Padua und Bernhardin von Siena.

Die Heiligen werden mit ihren jeweiligen Attributen gezeigt: Franziskus mit der hl. Schrift und dem Kreuz sowie mit Stigmata an Händen, Füßen und an der Seite. Damit ist er als großer Verehrer des Kreuzes Christi erkennbar. Die heilige Clara, die von Franziskus in seine Gemeinschaft aufgenommen wurde, gründet in seinem Namen den weiblichen Zweig des Ordens. Sie trägt ein Buch und auch eine Monstranz. Sie soll einer Legende nach den sarazenischen Belagerern vor Assisi erfolgreich mit einer Monstranz entgegen gegangen sein und so die Stadt vor der Zerstörung und der Plünderung durch die Feinde bewahrt haben.

Neben ihr steht der heilige Bonaventura. Er war der dritte Ordensobere des Franziskanerordens und gilt auch als ein bedeutender Kirchenlehrer. Manche wollen hier eher eine Darstellung Ludwig von Toulouse sehen. Selbstverständlich darf Elisabeth von Thüringen auf einem solchen Bild nicht fehlen. Sie wird mit einem Armen gezeigt, den sie gerade bekleidet, hat sie sich doch für Schwache und Arme engagiert. Es folgt Antonius von Padua, auch er mit einem Buch, der heiligen Schrift, soll doch Papst Innozenz III. nach einer Begegnung mit ihm und Franziskus gesagt haben, dass er eine „lebendige Bibel“ und Franziskus sein „Bischof“ sei. Es folgt nun die Darstellung des heiligen Bernhard von Siena, hier mit einem offenem Buch und einer Monstranz, mit den Buchstaben IHS, den Anfangsbuchstaben des griechischen Namens Jesus. Auf der linken Seite des Buches steht: „Ich habe ihnen deinen Namen geoffenbart“ (Joh 17, 6, auf der rechten Seite: „Completum est hoc opus anno 1493“, womit das Entstehungsjahr des Werkes angeben ist. Die Jahreszahl könnte sich aber auch auf die Vollendung des Chorumgangs beziehen, weil „opus“ ein Bauwerk und nicht ein Bild meint. Die Franziskaner selbst gründeten erst 1624 eine Niederlassung in Kempen.

Wolfgang Acht


01. Mai 2022

Marienbild im nördlichen Turmraum

Dieses Tafelbild wurde von Wilhelm Kallen wahrscheinlich 1920 geschaffen. Es zeigt Maria, Jesus und Johannes den Täufer. Der Maler hat sich wohl am Bild „Die Schöne Gärtnerin“ des großen Malers Raffael orientiert, da dessen Bild bis in Details kopiert wurde.

Maria, vor einer weiten Landschaft, wendet sich ihrem Kind zu. Sie hält dessen linke Hand und hat den rechten Arm auf dessen Rücken gelegt. Rechts vor ihnen, erkennbar am Kreuzstab und Fellumhang, kniet Johannes der Täufer als Kind. Damit deutet das Bild eindeutig darauf hin, dass Johannes zum Wegbereiter für den Messias wurde. Dass er hier vor dem Jesuskind kniet, bezeugt seinen großen Respekt vor dem kommenden Messias Christus. Später wird er von ihm bezeugen: „Jener muss wachsen, ich aber geringer werden“ (Joh 3, 30).

Dieses Motiv ist im Mittelalter sehr beliebt und wurde von vielen bedeutenden Malern ins Bild gesetzt.

Wolfgang Acht


01. April 2022

Vortragskreuz am Zelebrationsaltar

Das Alter des Kreuzes ist nicht bekannt, allerdings dürfte es im 18. Jahrhundert entstanden sein. Das Kreuz hat einen hölzernen Kern, der mit Silberblech beschlagen und getriebenen Medaillons verziert ist.

Die Vorderseite:

Der Längsbalken des Kreuzes ist 62 cm, der Querbalken 32,5 cm lang. An der Unterseite des Kreuzes befindet sich ein runder Knauf mit einem Durchmesser von 8cm. Der Korpus selber ist 15cm lang, seine Arme spannen 14 cm auf. Der wohl später angefertigte Kreuzstab ist 170 cm lang. Über dem Querbalken ist die Kreuztafel auf einer Art Blattwerk mit dem Kennzeichen INRI eingefügt. Die Kreuzbalken enden in mit kleinen Kugeln verzierten Dreipassenden. Diese Art der Fertigung ist sehr typisch für das kölner Bistum und damit auch passend für St. Marien, gehörte doch die Pfarre ursprünglich dem Kölner Bistum an.

Angebracht an den Kreuzenden, zeigen Medaillons Bilder des leidenden Jesus:

  • Oben befindet sich Jesus mit Geißel, Rute und Stab und Dornenkrone. Er trägt einen Strahlennimbus. 
  • Unten trägt Jesus das Kreuz.
  • Rechts ist Jesus an die Geißelsäule gebunden dargestellt.
  • Links ist er (hier ebenfalls mit Strahlenkranznimbus) als der Spottkönig mit einem Mantel bekleidet zu sehen. Er trägt einen Stab, der wie ein Zepter wirken sollte. 

Die Medaillons zeigen die Leidensstationen vor der Kreuzigung und so das furchtbare Leid, das man Jesus antat.

Rückseite:

In der Mitte des Längs- und Querbalkens war eine Reliquienkapsel eingelassen, die verloren gegangen ist. Möglicherweise enthielt sie eine Kreuzreliquie, um diesem Kreuz eine berührbare Nähe zum Gekreuzigten zu verleihen. Die Medaillons selbst zeigen die vier Evangelisten und ihre Attribute:

  • Oben: Markus mit dem Löwen. 
  • Unten: Lukas mit dem Stier.
  • Links: Johannes mit dem Adler.
  • Rechts: Matthäus mit dem Engel. 

Die Evangelisten tragen ein Buch, eine Schreibfeder in der Hand und vor sich ein Tintengefäß, was sie als Autoren der Evangelien markiert. Beim Evangelisten Matthäus scheint der Engel (sein Attribut) das Tintengefäß zu halten. Die Evangelisten sind die Zeugen des Lebens, Wirkens, Leidens und des Todes Jesu. Sie sind mit ihren Evangelien dem Auftrag Jesu gefolgt, alles weiterzugeben, was er ihnen auftrug und was sein Leben ausmachte.

Wolfgang Acht


01. März 2022

Pieta im Chorumgang

Dieses hölzerne Vesperbild schmückte ursprünglich ein heute nicht mehr existierendes Heiligenhäuschen in Unterweiden, einem Ortsteil von Kempen. Es dürfte um 1700 entstanden sein und wurde 1981 in mühevoller Kleinarbeit restauriert. Man entfernte spätere Übermalungen und brachte so das Bild in den alten Zustand, wodurch die Oberfläche jetzt gefleckt wirkt.

Maria hat ihren Kopf zur linken Seite geneigt und schaut so ihren toten Sohn, der auf ihrem rechten Knie liegt, nicht an. Ebenso ist der Blick auch nicht auf den Betrachter bzw. Beter gerichtet. Ihre rechte Hand hält sie fast flehend in die Höhe und die linke zeigt mit dem Zeigefinger auf den Betrachter. So gewinnt man den Eindruck, als wolle sie den Betrachter bitten, ihren Schmerz zu teilen und als würde Sie den Leichnam ihres Sohnes mit der Bitte um ein Mittragen anbieten. Der kraftvolle Leichnam des Sohnes liegt auf dem rechten Knie Mariens. Sein Kopf ist zur Seite gesenkt. 

Das Bild entspricht der Tradition der Vesperbilder. Es soll den Schmerz der Gottesmutter über den Tod ihres Sohnes ausdrücken und den Betrachter dazu einladen, den Schmerz der Mutter zu teilen. Auch ist es ein Trostbild, weil der Beter hoffen darf, dass Maria seinen Schmerz und seine Not solidarisch mitträgt. 

Wolfgang Acht


01. Februar 2022

Reliquiennische

Das Wort Reliquie leitet sich vom lateinischen Wort „reliquiae“, auf Deutsch „Überrest“ oder „Überbleipsel“ ab. Der Leichnam gilt dabei als Primärreliquie. Andere Reliquien sind zum Beispiel Kleidungstücke oder Gebrauchsgegenstände, sogenannte Sekundärreliquien. Reliquien sind Teil der Heiligenverehrung und werden oft wie Edelsteine wahrgenommen. Sie sollen den Menschen die Berührung mit den Heiligen ermöglichen. Dieser Heilige ist häufig ein ganz konkrter Mensch, den in seinem Leben eine besondere Nähe zu Jesus Christus auszeichnete.

Ursprünglich befanden sich die Primärreliquien von Heiligen in Sarkophagen unter den Altären. So wurde der Zusammenhang zwischen der Hingabe Christi und ihrer Lebenshingabe bewusst gemacht. Die Tradition sah das so vor, denn bei der Kirchweihe wurde eine Reliquie des jeweiligen Patrons der Kirche in die Mensa des Altars eingefügt, im sogenannten Altarstein. Das hier gezeigte kunstvoll geschmiedete Gitter wurde 1991 wiedergefunden, anschließend vom kevelaerer Goldschmied Herbert Cürvers restauriert und zuletzt an seinem ursprünglichen Platz angebracht. Es schützt die kleinen Reliquienkapseln, die auf rotem Samt befestigt sind. 

Wolfgang Acht


01. Januar 2022

Anbetung der Könige

Diese eindrucksvolle Szene befindet sich auf dem Retabel der Rückseite des Annenaltars und ist eines der sieben wertvollen Ölbilder, die vielleicht einmal das zentrale Altarbild des Hochaltars waren. Bei der Umstellung des Annenaltars vom nördlichen Turmraum in den Hochchor (1850) wurde das Retabel zur Rückseite. Diese Bildreihe dürfte älter als die Vorderseite des Annenaltars (1514) sein.

Zu sehen sind drei Weise oder Könige. Sie symbolisieren die damals bekannten Kontinente Europa, Afrika und Asien. So soll deutlich werden, dass alle Welt dem Messias-Kind huldigt. 

Die Begegnung findet hier in der Darstellung in einer einfachen Hütte statt. Maria hat das Kind auf dem Schoß und wird gleichsam zum Thron für das messianische Kind. Josef stützt sich auf einen Wanderstock, ein Symbol für die Wanderschaft, die die Familie nach Bethlehem wegen der Volkszählung und danach bei der Flucht nach Ägypten machen musste. Diese ist auf dem oberen Bild des Retabels dargestellt. Im Hintergrund beobachtet ein Mann die Szene durch das Fenster.

Die Könige sind vornehm gekleidet und tragen aufwendige Kopfbedeckungen. Sie reichen dem Kind ihre Geschenke in kostbaren Gefäßen. Es sind symbolische Zeichen. So steht Gold für Europa und das königliche Kind, Weihrauch für Asien und das göttliche Kind, Myrrhe für Afrika als Zeichen für dessen spätere Passion. 

Im Mittelalter erhalten die Könige zudem persische Namen: Kaspar (Schatzmeister), Melchior (Gottesschutz) und Balthasar (Lichtkönig). Dann stehen sie für die drei Generationen: den Greis, den Mann mittleren und den jüngeren Alters. 

Ein Stern hatte den Weisen im Morgenland einen König angekündigt. Das Matthäusevangelium zitiert ein Schriftwort: „Ein Stern geht in Jakob auf, und ein Zepter erhebt sich in Israel“ (Num 24,17). Es soll bezeugen, dass die Geburt Jesu als die Erfüllung dieser Verheißung verstanden werden kann. 

Wolfgang Acht


01. Dezember 2021

Geburtsszene im Kreuzaltar an der Stirnwand des südlichen Seitenschiffes

Die Szene ist auf dem Kreuzaltar, einer brabantische Arbeit aus Antwerpen (1540 / Eiche), zu sehen. Hier das zur Advents- und Weihnachtszeit passende Bild, die Geburt Jesu, das sich links in der unteren Bildreihe des Altars befindet. Zu sehen sind anbetende Hirten und vor dem Kind ein kniender Engel, dessen Flügel leider abhanden gekommen sind. Die Darstellung des Kindes in der Mitte wirkt, als wäre später eingefügt worde, da die Basis gegenüber der Basen der anderen Figutren heller ist. Hinter dem Kind sind Ochs und Esel zu erkennen. Rechts kniet Josef mit einer Kerze vor dem Kind.

Seitlich sind kleine Schnitzarbeiten mit den Darstellungen der „Verkündigung“ und „Heimsuchung“ zu sehen. Beide sind inhaltlich mit dem Geschehen verbunden. So war es doch ein Engel Maria, der bat, dass sie ein Kind, den Messias Gottes, empfangen solle. Sie ist von diesem Auftrag so betroffen, dass sie daraufhin ihre Base Elisabeth besucht, die ihr Mut macht und sie als Mutter des Herrn preist. 

Darunter ist die Szene der Beschneidung Jesu im Tempel zu sehen. Ein Priester oder Bischof nimmt die Beschneidung (mit einer Brille) vor, begleitet von fünf Männern und fünf Frauen, von denen eine dem Priester das Kind reicht und ihm beisteht. 

Wolfgang Acht


01. November 2021

Das Konventfenster mit Albertus Magnus in der Thomaskapelle

Dieses Fenster wurde 1916 von Hein Derix geschaffen (Höhe 216 cm, Breite 102 cm). Es zeigt den hl. Albertus Magnus und befand sich in der Konvents Kapelle des Thomaeum, die aber abgerissen wurde. Das Chronogramm weist auf die Stiftung des Fensters zu Ehren des Religionslehrers Prof. Dr. Gerhard Terwelp (am Thomeum) im Jahr 1916 hin. Die Standfigur zeigt Albertus in seiner dominikanischen Ordenstracht. Als Attribute sind ihm ein Buch und eine Schreibfeder beigegeben, die ihn damit als Gelehrten auszeichneten.

Albertus wurde um 1200 in Lauingen (Bayern) als Sohn eines schwäbischen Ritters geboren. Er studierte ab 1223 in Padua und trat dort in den Dominikanerorden ein. Später war er Lehrer an mehreren Ordensschulen, so in Paris und Köln. Dort gründete er 1248 eine Schule, die zum Mittelpunkt geistiger und geistlicher Gelehrsamkeit wurde. Dort wurde er Lehrer des berühmten Theologen Thomas von Aquin. Auf Bitten von Papst Alexander IV. wurde er 1260 Bischof von Regensburg, deshalb hält zu seinen Füßen eine Putte Mitra und Hirtenstab. Schon nach sechs Jahren bat er um die Entpflichtung von diesem Amt, um weiter in Köln als Mönch und Gelehrter tätig sein zu können. Er nahm aber noch Weihen vor. So konsekrierte er noch kurz vor seinem Tod 1280 den Hochaltar in der Basilika von Mönchengladbach. 

Ende 1280 starb er in Köln und wurde in der Klosterkirche St. Andreas beerdigt, wo man heute noch den steinernen Sarkophag in der Krypta sieht. Erstaunlicherweise wurde er aber erst 1931 von Pius XI. heiliggesprochen und zum Kirchenlehrer erklärt.


01. Oktober 2021

Die drei Orgeln der Propsteikirche

Die Propsteikirche hat drei Orgeln. Schon Ende des 15. Jh. soll es eine Orgel über der Michaelskapelle gegeben haben, später gab es dann noch ein kleines Instrument in der Annenkapelle im nördlichen Turmraum. Diese hier gezeigte Renaissance-Orgel wurde 1541 mit 19 Registern eingebaut. Bei der Großrenovierung im 19. Jh. entfernte man die Orgel, die Elemente gingen dabei leider verloren. Lediglich der Prospekt und die Frontbilder blieben erhalten. Der Prospekt ist heute über der Michaelskapelle zu sehen.

Im Einzelnen sieht man das Brustbild eines Mannes mit militärischem Gewand; in der Mittelkonsole drei Pferdköpfe mit Brüsten, eine Frau mit Spitzenhäubchen, eine mit Blütenhaube, einen bärtiger Mann mit Helm und einen mit Kohlblättern. Möglicherweise sind es Portraits von Fürsten, die sich besonders um die Kirchenreform bemüht haben. So findet sich ein Portrait des Habsburgers Karl V. mit dem typisch offenen Mund. 

Hier zu sehen ist die Sonreck-Orgel aus dem Jahr 1875. Die Orgel, deren Prospekt über der Sakristei steht, umfasst 50 Register, ist allerdings nicht mehr spielbar. 

Die Hauptorgel vor dem Turmbereich im Westen, die Albiez-Orgel, befindet sich seit dem 22. September 1979 vor dem Turmraum im Westen und umfasst 44 Register, durch die sie besonders auf französische Orgelmusik ausgerichtet ist. Immer wieder reizt diese große Orgel bekannte Organisten aus dem In- und Ausland, Konzerte zu geben.


01. September 2021

Das Thomasbild im nördlichen Turmraum

Thomas wurde um 1380 in Kempen als Thomas Hemerken geboren und starb am 25. Juli 1471 im Kloster Agnetenberg. Er ist als der Autor der „Nachfolge Christi bekannt, dem Werk, das weltweit bis heute geschätzt wird.

Dieses Thomasbild hat ein Kempener Maler, Helmut Langfeld, gemalt. Er erstellte es für einen Wettbewerb „Kempener-Künstler-Christliche Kunst“. Im Jahr 2000 schenkte er dieses Bild der Propsteikirche, wo es im nördlichen Turmraum Platz fand. Thomas von Kempen steht im Mittelpunkt. Er sitzt in einer weißen Kutte eines Augustiner-Chorherrn an einem Schreibpult und seine Füße ruhen auf einem Fußhocker. Das dürfte wohl die Grundstellung schreibender Mönche in den Skriptorien der Klöster gewesen sein. Sie fertigten dort kostbare Abschriften der Heiligen Schrift an, die heute noch Bewunderung auslösen. Auf dem Pult steht ein Tintenfass mit weiteren Federn, damit der Schreiber nach Abnutzung der Schreibfeder weitere zur Verfügung hat. Auf dem Pult liegen eine Schriftrolle und ein Buch, das wohl auf heilige Schriften verweist, die er für sein Werk nutzte und meditierte.

Mit dem Bild wollte der Künstler hier mehr ausdrücken. Ein kreuzarmiger Baum bestimmt die Szene mit großen Wurzeln, die sogar über den Schoß des Schreibers hin hochwachsen. Er weist mit dem eindeutig erkennbaren Kreuz auf den „Lebensbaum“ Christus hin. Der wird gespeist aus einem Mund, wohl ein Hinweis auf Jesse, den Vater Davids, aus dessen Stamm der Messias hervorgegangen ist. Eine andere Quelle speist sich aus einem Krug, der auf das Wort Jesu zur Frau am Jakobbrunnen hinweist: „Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben, wird niemals mehr Durst haben“ (Joh 4, 13b). Vier weiße Blüten und vier orange Früchte am Lebensbaum weisen auf die vier Kapitel der „Nachfolge Christi“ hin. Sie ist bis heute für viele eine Quelle persönlicher Meditation. Die Kirche links dürfte St. Mariae Geburt in Kempen, seine Heimatkirche darstellen. Sie ist nach dem Vorbild des ältesten Stadtsiegels gezeichnet. Rechst dürfte an die Klosterkirche in Agnetenberg gedacht sein, im dem Thomas 72 Jahre lebte. Der Mönch vor dem Kloster soll wohl auf seinen Bruder hinweisen, der dort Prior war.

Wolfgang Acht


01. August 2021

Das Pfingstfenster

„Pfingstfenster“

(erstes Fenster im rechten Chorumgang)

Das hier gezeigte Fenster ist eines der sieben Fenster im Chorumgang der Kirche. Diese Fenster wurden auf Anregung des Stadtbaumeisters Karl Koch von 1958 als Ersatz für die alte und inzwischen brüchige Grisailleverglasung vom Ulmer Künstler Wilhelm Geyer entworfen und von der Firma Wilhelm Derix im Herbst 1967 ausgeführt. Sie thematisieren den Weg der Nachfolge Christi durch die heiligen Zeugen der Kirchengeschichte.

Dieses siebte und letzte Fenster der Themenreihe, wird zu Recht das „Geist- oder Pfingstfenster“ genannt. Im oberen Maßwerk sieht man eine Taube, die auf den Geist Gottes verweist. Die 24 Gestalten darunter symbolisieren die heilige Gemeinde, also die Jünger Christi aller Zeiten. Übliche Attribute wie bei den Heiligen sind nicht nötig, bringt doch jede/r sein Charisma als Attribut ein. Deshalb sieht man über den Köpfen helle, blaue Kopfbedeckungen, erinnernd an das Wort des Epheserbriefes: „Vor allem greift zum Schild des Glaubens! Mit ihm könnt ihr alle feurigen Geschosse des Bösen auslöschen. Nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, das ist das Wort Gottes“ (Eph 6, 16 – 17).

Wolfgang Acht


01. Juli 2021

Das Thomasdenkmal

Das Thomasdenkmal (südlicher Kirchvorplatz)

Passend zum Gedenktag des Thomas am 25. Juli soll in diesem Monat das Thomasdenkmal auf dem Kirchplatz vorgestellt werden.

Um das Andenken an Thomas von Kempen lebendig zu halten, bildete sich 1836 auf Anregung des Schuldirektors des Thomaeums ein eigener Verein zur Errichtung eines Thomasdenkmals in der Stadt. König Friederich Wilhelm III. erteilte ein Jahr später dazu die Genehmigung. Die Spendengelder flossen nicht so wie erwartet, deshalb gründete man 1898 eine „Thomasstiftung“. Man hatte inzwischen 10000 Mark gesammelt, sodass man dem Aachener Bildhauer Lambert Piedboeuf den Auftrag zur Erstellung des Denkmals gab, welches im Juli 1901 eingeweiht werden konnte. Zur Einweihung und Enthüllung war sogar der Bischof von Münster, Hermann Dingelstad, gekommen. Das Denkmal wurde auf dem Kirchplatz in der Nähe des Geburtshauses von Thomas errichtet.

Der zweistöckige Sockel ist aus Fichtelgebirgsgranit und die Sitzfigur aus Bronze. An der Vorderseite des Sockels ist eine bronzene Tafel mit folgender Inschrift angebracht: „THOMAS von KEMPEN“. Darüber sieht man das Stadtwappen der Stadt. Seitlich steht: „Dem großen Sohne Kempen“

Thomas wird hier sitzend im Ordensgewand und einem Gelehrtenumhang dargestellt. Auf dem Kopf trägt er eine Kappe. Seine rechte Hand stützt sich auf die Sitzbank. Mit der linken Hand hält er dem Betracher sein Werk „Die Nachfolge Christi“ entgegen.

Einige markante Verse aus diesem Werk sind zusätzlich zu den Seiten des Postaments zu lesen.

Wolfgang Acht


01. Juni 2021

Ölgemälde Thomas von Kempen

Passend zum Gedenktag des Thomas im Juli soll hier ein Bild von Thomas gezeigt werden. Es ist nur bei einer Kirchenführung zu sehen, wenn diese auch die Thomaskapelle über der Sakristei mit einbezieht.

Es ist ein Ölbild auf Leinwand und wurde 1629 von Franz Kessler erstellt. Es misst 250 x 150 cm.

Es trägt eine Inschrift: „V. Thomas A Kempis Canonicus Regularis obyt Ao 1471 25 July“. Dieses Datum ist sein Todestag vor genau 550 Jahren.

Thomas von Kempen ist kniend vor einem Altar mit einem Marienbild dargestellt. Im Hintergrund sieht man eine dreischiffige Hallenkirche mit runden Säulen.

Im Chor der Kirche erkennt man eine große Kreuzgruppe. Besonders diese darf als Hinweis des Künstlers gewertet werden, dass Thomas Verehrung des Kreuzes sehr wichtig war, was durch die Tatsache belegt ist, dass er mehrere Kapitel in der Nachfolge Christi diesem Tema widmete.

Wolfgang Acht


01. Mai 2021

Nachfolge Christi - Fenster im Chorumgang

Wieder soll Thomas von Kempen im Blickpunkt stehen, dabei soll ein Fenster im Chorumgang der Kirche angeschaut werden, das in der Reihe von sieben Chorfenstern, die 1967 / 68 von Prof. Wilhelm Geyer entworfen wurden, steht.

Die Fenster sollten thematisch das Werk des großen Kempener Sohns Thomas von Kempen, die „Die Nachfolge Christi“ in den Blick nehmen. Die Imitatio Christi ist neben der Bibel das meist verbreitete und bis heute gelesene Werk der Weltliteratur. Deshalb zeigen die Fenster die Zeugen der Nachfolge Christi von der frühen Kirche bis in das 20. Jh. hinein.

In dem hier gezeigten Fenster ist auch Thomas mit aufgenommen. Er reiht sich ein bei denen, die besonders für die Kölner Kirchenprovinz Bedeutung erlangten. So sieht man im oberen Bereich des Fensters in abstrakter Form Victor von Xanten, Gereon, der Patron einer bedeutenden romanischen Kirche in Köln ist, Severin, einen frühen Bischof von Köln, dem weniger bekannten Suitbertus, dem Gründer des Klosters in Kaiserswerth, Bonifatius, den man auch als „Apostel der Deutschen“ bezeichnet, Ludger, einen Bischof von Münster im oberen Bereich.

Im unteren Bereich finden sich Bruno, der Gründer des Kartäuser-Ordens, Nobert von Xanten, zu dem früher auch Wallfahrten von Kempen aus stattfanden, sowie schließlich Thomas von Kempen, hier mit Blatt und Schreibfeder ausgestattet, um ihn als Autor der wichtigen Schrift zu kennzeichnen.

Wahrhaftig eine großartige Reihe von Zeugen, die den Kirchen- und Gottesdienstbesucher auf ihre Weise auf seinen eigenen Auftrag zur Nachfolge Christi hinwiesen und ihn dazu motivieren. 

Wolfgang Acht


01. April 2021

Thomasfenster

 

In diesem Jahr jährt sich der 550 Todestag von Thomas von Kempen. Das ist Anlass genug, sich in diesem Jahr stark von diesem Jubiläum bestimmen zu lassen und nach Kunstwerken und Bilder zu sehen, die sich mit seiner Person und der Nachfolge Christi beschäftigen.

Das „Thomasfenster“ wurde Propst Dr Josef Reuter (*1936), der lange leitender Pfarrer war, zum silbernen Priesterjubiläum (1988) geschenkt.

Prof. Emil Wachter (1921-2012) entwarf das Fenster und hatte die künstlerische Leitung. Es befindet sich über der Michaelskapelle hinter der Renaissance-Orgel an der Südseite der Kirche. Viele Nuancen in Goldfarbe machen die „göttliche Welt“ sichtbar. Die Antwort des Menschen auf Gottes Entgegenkommen sind die göttlichen Tugenden Glaube (blau), Hoffnung (grün) und Liebe (rot). Im Zentrum sitzt Thomas lesend im blauen Gewand auf einem roten Sitz unter einer Kuppel. Vor ihm sieht man zwei Tauben, die Friedens- und Geisttaube. In seiner Hand hält er sein Werk, die „Nachfolge Christi“. Um seinen Bezug zur Heimatstadt Kempen erkennbar zu machen, sieht man hinter ihm das Kempener Rathaus mit einem Baukran.

Im oberen Maßwerk ist das Lamm Gottes zu sehen, aus der Herzwunde blutend. Sieben Ströme gehen davon aus, an die sieben Sakramente erinnernd. Das Lamm trägt ein offenes Buch mit den Worten: „Siehe, ich mache alles neu“ (Off 21,5).

Auch die Symbole der vier Evangelisten sind zu erkennen. Neben dem des Lukas ist ein Baum zu sehen, wohl Hinweis auf das Gleichnis vom Feigenbaum (Lk 13, 6 ff). Neben dem Symbol des Adlers für Johannes. Auch erkennt man an das abgeschlagene, blutende Haupt von Johannes dem Täufer. Zwei Türme neben Kuppelseiten wollen die die Brücke zwischen den Religionen symbolisieren.

Die vier Szenen darunter sind Hinweise auf Jesus Leben und Wirken:

  • Jesus (im hellen Anzug – also in unsere Zeit versetzt) beruft zwei Fischer im Boot (Petrus und Andreas);
  • Jesus ruft einen reichen jungen Mann, der ihm aber nicht folgt, sondern sich abwendet;
  • Jesus trägt das schwere Kreuz auf seiner Schulter;
  • Veronika erweist Jesus durch das Schweißtuch einen Liebesdienst; An der Basis des Fensters sieht man eine dekorative Struktur, die die oben genutzten Farben aufnimmt. 

Wolfgang Acht


01. März 2021

Figur des heiligen Josef im Chorumgang

Diese Joseffigur im Chorumgang wurde in den 60er Jahren des 20. Jh. von Propst Lux (1901-1963) aus dem Kunsthandel erworben. Sie stammt aus der Barockzeit und ist entsprechend dynamisch gestaltet, wie man an dem Faltenwurf des Gewandes sieht. Josef trägt auf dem linken Arm das Jesuskind und in der rechten Hand hält er eine Lilie. Sie weist auf seine Reinheit oder Keuschheit hin, gilt er doch nicht als der Vater Jesus, sondern der Pflegevater. Die Lilie wurde aber erst nach Ankauf der Figur hinzugefügt, weil in dieser Zeit dieses Motiv für die Betrachter als wichtig erschien.

Zum Ankauf der Figur des heiligen Josefs hatte sich Propst Lux entschlossen, weil es noch keine eigene Josefdarstellung in der Kirche gab, außer in den Schnitzaltären, innerhalb der Geburtsszenen und im Bild der „Heiligen Sippe“. Josef gilt als Schutzpatron der Kirche, hat er sich doch bereit erklärt, seine junge Verlobte, Maria, anzunehmen, obwohl sie geheimnisvoll schwanger wurde.

Je mehr der Blick in der Kirchengeschichte Maria, dem sogenannten „Urbild“ der Kirche, galt, gewann auch Josef für die Verehrung an Bedeutung. Weil er zu Maria stand und fürsorglich um Jesus bemüht war, wurde er bald auch zum Schutzpatron dieser von seinem Sohn gegründete Kirche. So verwundert es nicht, dass er gleichsam wie Christophorus zum Christusträger wird. Die Gläubigen haben sich diesem fürsorgenden Schutzpatron immer gerne genähert, um ihn für sich um seinen Schutz zu bitten.

Am 08. Dezember 1870 – also vor 150 Jahren - wurde der heilige Josef von Papst Pius IX. zum Schutzpatron der katholischen Kirche erklärt. Papst Franziskus hat am gleichen Jahrestag mit dem Apostolischen Schreiben „Patris corde“ ein Jahr des heiligen Josef ausgerufen. 

Wolfgang Acht


01. Februar 2021

Fest der Darstellung des Herrn - Mondsichelmadonna

Diese Mondsichelmadonna wurde Ende des 18. Jh. erstellt. Propst Lux (*1901 1963) schaffte sie an. Die Figur der Mondsichelmadonna orientiert sich an der Offenbarung des Johannes, der in einer kosmischen Vision davon spricht, dass ein Drache die „große Frau“, die Kirche, verfolgt. Sie ist deshalb mit Sternen und der Sonne bekleidet und steht auf dem Mond. So wird das letzte apokalyptische Gefecht zwischen dem weltlich Bösen mit der von Gott geschenkten Verheißung, die sich in Maria erfüllte, dargestellt: „Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt. Sie war schwanger und schrie vor Schmerz in ihren Geburtswehen. Ein anderes Zeichen erschien am Himmel: ein Drache, groß und feuerrot, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern und mit sieben Diademen auf seinen Köpfen. Sein Schwanz fegte ein Drittel der Sterne vom Himmel und warf sie auf die Erde herab. Der Drache stand vor der Frau, die gebären sollte; er wollte ihr Kind verschlingen, sobald es geboren war. Und sie gebar ein Kind, einen Sohn, der über alle Völker mit eisernem Zepter herrschen wird. Und ihr Kind wurde zu Gott und zu seinem Thron entrückt“ (Offb, 12,1–5). Das Motiv wurde so beliebt, dass ältere Madonnen nachträglich mit Strahlenkranz und Mondsichel versehen wurden. Im 16. Jahrhundert kam zur Mondsichel noch die Schlange als Symbol des Bösen dazu (vgl. Gen 3, 15). Zum Fest „Mariä Lichtmess“ am 2. Februar ist es hier passend gewählt. Das Fest, auch „Reinigung Mariens“ genannt, weist auf die jüdische Praxis hin, nach 40 Tage den Erstgebornen dem Tempel zu weihen. Heute heißt das Fest: „Darstellung des Herrn“. An diesem Fest ist es Brauch, eine Lichterprozession durchzuführen und Kerzen zu segnen, Sind sie doch Zeichen für Christus, dem Licht der Welt (vgl. Joh 1,9 und 8, 12). 

Wolfgang Acht


01. Januar 2021

Anbetung und Verehrung des Kindes durch die drei Weisen

Diese eindrucksvolle Szene befindet sich auf dem Retabel der Rückseite des Annenaltars und ist eines der sieben Ölbilder. Diese Rückwand war vielleicht einmal das zentrale Altarbild des Hochchores. Bei der Umstellung des Annenaltars vom nördlichen Turmraum in den Hochchor (1850) wurden die Bilder dann zur Rückseite. Die Bildreihe ist eventuell älter als die Vorderseite des Annenaltars (1514).

Es sind drei Weisen oder Könige zu sehen, die symbolisch die bekannten Kontinente Europa, Afrika und Asien repräsentieren. Es soll deutlich werden, dass alle Welt dem Messias-Kind huldigen will. Die Begegnung findet in einer einfachen Hütte statt. Dabei hat Maria das Kind auf dem Schoß und wird dadurch gleichsam zum Thron für das Kind.

Josef stützt sich auf einen Wanderstock, ein Zeichen für die Wanderschaft, die die Familie nach Bethlehem machen musste und die sich bald auf der Flucht nach Ägypten fortsetzen wird (siehe Bild oben). Im Hintergrund beobachtet ein Mann die Szene durch das Fenster.

Die Könige sind mit aufwendigen Kopfbedeckungen vornehm gekleidet. Sie überreichen dem Kind ihre Geschenke in kostbaren Gefäßen. Dabei steht Gold für Europa und das königliche Kind, Weihrauch für Asien und das göttliche Kind, Myrrhe für Afrika und als Zeichen für die spätere Passion.

Im Mittelalter erhalten die Könige symbolisch persische Namen: Kaspar (Schatzmeister), Melchior (Gottesschutz) und Balthasar (Lichtkönig). Manche sehen in den Königen drei Generationen: den Greis, den Mann mittleren Alters und den jungen Mann.

Ein Stern hatte den Weisen im Morgenland einen König angekündigt. Das Matthäusevangelium zitiert als Schriftbeweis: „Ein Stern geht in Jakob auf, und ein Zepter erhebt sich in Israel“ (Num 24,17). Die Geburt Jesu wird damit als Erfüllung dieser Verheißung verstanden.

Wolfgang Acht


01. Dezember 2020

Die heilige Barbara im Chorumgang

Diese Figur aus dem 18. Jh. wurde für eine Kirche in Bayern erworben. Sie hält das für sie kennzeichnende Attribut, den Turm. Ansonsten ist sie in ein einfaches Kleid gehüllt. Den Mantel hat sie lose um die Hüften gewunden.

Der Legende nach lebte die Tochter des reichen griechischen Kaufmanns Dioskoros in Nikomedia, dem heutigen Izmir, in der Türkei. Im Jahr 306 starb sie den Märtyrertod. Viele Erzählungen ranken sich um Barbara: So soll sie von ihrem heidnischen Vater in einen Turm eingeschlossen worden sein, weil er auf seine bildschöne junge Tochter eifersüchtig war und eine Heirat verhindern wollte. Während der Vater auf Reisen war, ließ Barbara sich dennoch heimlich taufen. Der Vater führte sie daraufhin dem Stadthalter zu, der die Christen verfolgte und deshalb auch das Todesurteil sprach.

Wie Katharina und Margareta gehört Barbara zu den sogenannten „drei heiligen Madeln“, die besonders im Mittelalter verehrt wurden und zu den 14 Nothelfern gezählt wurden. Bei diesen handelt es sich um vierzehn Heilige aus dem zweiten bis vierten Jahrhundert. Es sind drei weibliche und elf männliche Heilige, von denen bis auf den hl. Ägidius alle als Märtyrer starben. In der katholischen Kirche werden sie als Schutzpatrone angerufen, in der evangelischen Kirche gelten sie als Vorbilder im Glauben.

Um die Person der heiligen Barbara entwickelte sich ein reiches Brauchtum, zum Beispiel das Schneiden der Barbara-Zweige an ihrem Gedenktag (4. Dezember), denn an Weihnachten die Zweige erblühen sollen. Weiterhin wurde sie die Patronin der Bergleute, die beim Einstieg in den Stollen das „Barbara-Licht“ anzünden. 

Barbara ist eine der populärsten Heiligen. In vielen Kalendern ist der 4. Dezember als Namensfest der heiligen Barbara besonders ausgewiesen. Gärtnereien und Blumengeschäfte profitieren vom Brauchtum des Barbaratags. Allerdings ist die historische Existenz der Heiligen relativ unsicher. Was Legende oder was als real anzusehen ist, lässt sich kaum trennen. Historisch ist nur die Verehrung Barbaras als Märtyrerin nachweisbar.

Wolfgang Acht


01. November 2020

Märtyrerin im Chorumgang

Die hier gezeigte Figur aus Lindenholz steht hinter dem Annenaltar links im Chorumgang der Kirche. Sie stammt aus dem 18. Jh. und gehörte vielleicht einmal zum (Katharina)Altar, der bis Mitte des 19. Jh. an der Stirnwand des nördlichen Seitenschiffes stand, wo heute der Jakobus-Antonius-Altar steht. 1959 wurde die Figur restauriert und von späteren Übermalungen befreit. Stilistisch erinnert sie an die Altarfigur der heiligen Katharina in der Paterskirche.

Sie trägt ein wie ein Brustpanzer wirkendes geschnürtes Mieder über ihrem Kleid. Um die Schultern ist ein weißer Mantel mit breiter Hermelinborte gelegt. So wirkt die Figur raumgreifend und bewegt.

Ob es sich um die hl. Katharina handeln könnte, ist nicht sicher, weil bei ihr die eindeutigen Attribute (Rad und Schwert) nicht vorkommen, im Gegensatz zu einem Palmzweig, den sie in ihrer Hand hält, der sie als Märtyrerin kennzeichnet. Die Figur wird in Kempen dennoch als Katharina bezeichnet und vereehrt.

Wolfgang Acht


01. Oktober 2020

Bruno von Köln

Das Fensterdetail wurde für Oktober gewählt, weil es Bruno, den Ordensgründer der Kartäuser, zeigt, dessen Gedenktag die Kirche am 11. Oktober feiert.

Man hat sein Bild in die Reihe von Glaubenszeugen eingefügt. Des weiteren sind dort Gereon, Victor von Xanten, Severin, Bonifatius, Ludger, Norbert, vertreten, bei welchen es sich um heilige Glaubenszeugen, die besonders im Rheinland verehrt werden, handelt. Natürlich findet sich in diesem Fenster auch das Bild des Thomas von Kempen. Auch einige Zeugen des 20. Jh., die dem Nationalsozialismus widerstanden haben und dafür den Tod fanden, z. B. Erich Klausener, Alfred Delp, aber auch Clemens August Kardinal von Galen, den man wegen seiner Predigten gegen die Euthanasie den „Löwen von Münster“ nannte, sind dort vertreten. Er starb im März 1946, kurz nach der Erhebung zum Kardinal. Kardinal Clemens August von Galen wurde am 9. Oktober 2005 im Petersdom selig gesprochen.

Der heilige Bruno wurde um 1030 in Köln geboren und übernahm 1057 die Domschule in Reims/ Frankreich, wo er auch studiert hatte. Über 20 Jahre unterrichtete er und verhalf der Schule zu großem Ansehen. 1083 legte er seine Ämter nieder und verließ Reims, nachdem er die Wahl zum Bischof von Reims abgelehnt hatte. Bischof Hugo von Grenoble, ein früherer Schüler von ihm, schenkte ihm im Norden von Grenoble ein Gelände namens Cartusia, wohin er sich mit Gefährten zurückzog und dort die große Kartause gründete. Zuerst gab es nur eine Kapelle, die mit Einzelzellen umgeben war. Papst Urban II. (1088-1099) holte Bruno als Berater nach Rom, wo er zwei Jahre blieb. Am 6. Oktober 1101 starb er. Der Gedenktag von Heiligen wird vom Todestag bestimmt, weil die Gläubigen überzeugt sind, dass mit dem Tod die Vollendung des Menschen durch die Auferstehung erfolgt.

Wolfgang Acht


01. September 2020

Die Engelfiguren neben dem Gnadenbild

Die Kirche feiert jedes Jahr am 29. September das Fest der Erzengel Michael, Gabriel und Rafael. Nur drei Tage später, am 2 Oktober ist dann das Schutzengelfest.

In den Präfationen der Messe heißt es: „Darum preisen wir dich mit allen Chören der Engel und singen vereint mit ihnen das Lob deiner Herrlichkeit“. In der Schrift finden sich viele Beispiele für die Engel als Boten Gottes. Engel sind keine selbständigen, mit eigener Macht ausgestatteten Wesen, sondern handeln immer im Auftrag Gottes, sind also Ausdruck seines Wirkens. Deshalb sind auch ihre Namen auf Gott bezogenen, was die letzte Silbe der Namen zeigt: „El“ ein alttestamentlicher Gottesname. Deshalb also Gabri-El „Macht Gottes“, Rafa-El „Gott heilt“, Micha-El „Wer ist wie Gott?“ In den Kirchen, besonders aus der Barockzeit, finden sich viele Engeldarstellungen.

Rechts und links neben dem Kempener Wallfahrtsbild der thronenden Madonna ist ein Leuchterengelpaar aus dem 15. Jh. zu sehen (ein weiteres steht in der Sakristei der Kirche). Sie tragen achteckige Leuchter mit einem Zinnenkranz, der als Tropfschale dient. Sie haben langes, lockiges Haar und sind mit Alben und Chormänteln bekleidet. Hier sind sie dem Gnadenbild zugeordnet und betonen damit die Bedeutung des marianischen Gnadenbildes. Bei den früheren Prozessionen mit dem Gnadenbild durch die Stadt wurden auch sie mitgetragen. 

Wolfgang Acht


01. August 2020

Die Marienverehrer in der Marienkapelle

Im August denkt die Kirche an zwei bedeutende Ordengründer, an Dominikus und Bernhard von Clairvaux.

Dominikus hat einen Rosenkranz in der Hand, weil man ihn als Schöpfer des Rosenkranzgebetes ansieht. Zu Füßen Bernhard von Clairvaux ist ein Wappen zu sehen.

Beide Heilige waren große Verehrer Mariens. Sie haben großartige Texte zur Stellung Mariens im Heilsplan geschrieben.

Mit ihnen sind Bernadette von Lourdes und Hermann-Josef von Steinfeld dargestellt. Mit der linken Hand weist Bernadette auf das unter ihr stehende Gnadenbild hin. Hermann-Josef, in Köln geboren und später in Steinfeld als Ordensmann lebend, hat einen Apfel in der linken Hand. Als Kind soll er bei seinen regelmäßigen kurzen Besuchen in der Kirche Maria im Kapitol einmal Maria einen Apfel für das Kind angeboten haben.

Diese, so heißt es, nahm ihn an. Bis heute ist es deshalb Brauch, an der alten Marienstatue einen frischen Apfel abzulegen.

Unter den Heiligen sind Anrufungen aus der lauretanischen Litanei mit Anrufungen an die Gottesmutter zu lesen. Sie entstand im Mittelalter und ist erstmals 1531 im italienischen Wallfahrtsort Loreto belegt.

Die hier wiedergegebenen Anrufungen unter den Darstellungen lauten: Bei Bernhard „Zuflucht der Sünder“, bei Bernadette „Heil der Kranken“, bei Dominikus „Hilfe der Christen“ und bei Hermann-Josef „Mutter der Gnade“.

Dieses Fenster wurde 1937 von Prof. Heinrich Dieckmann, selbst ein Kempener, entworfen. 

Wolfgang Acht


01. Juli 2020

Joachim und Anna auf der Rückseite des Annenaltars

Das untere Bild auf der Rückseite des Annenaltars stellt die „heilige Sippe“ dar.

In der Mitte sitzt die heilige Anna vor ihren drei Männern Joachim, Kleophas und Salomas. Neben ihr sieht man Maria mit dem Jesuskind, begleitet von Josef aus dem Stamm Davids.   Maria ist mit einem blauen Purpurgewand und einem weißen Schleier bekleidet, der sie als Jungfrau kennzeichnet. Anna trägt ebenfalls ein kostbares Gewand. Auf ihrem Schoß liegt ein geschlossenes Buch, ein Hinweis dafür, dass sie Maria in die heilige Schrift einwies. So lernte Maria die Heilsgeschichte Gottes verstehen. Dem Jesuskind reicht Anna einen roten Granatapfel, Symbol der Liebe und des Blutes, damit also von Leben und Tod. Hier klingt schon das kommende Leid an, dass Jesu bevorsteht.      

Im Mittelpunkt steht also Jesus, der Sohn Gottes, der in eine menschliche Familie hineingeboren wurde. Der Schöpfer der Welt macht sich in ihm klein für uns und wird Mensch unter den Menschen.      

Links und rechts sind die beiden weiteren Töchter Annas mit ihren Männern Alphäus und Zebedäus mit deren vier bzw. zwei Kindern zu sehen: Jakobus der Jüngere, Joseph genannt Justus, Simon und Judas Thaddäus (links) sowie Jakobus der Ältere und Johannes (rechts). Zwei Kinder links tragen Mönchsgewänder, was sie als spätere Jesusjünger deutet. Ein Kind interessiert sich für das aufgeschlagene Buch im Schoß der Mutter, das andere hat eine Keule in der Hand, wohl Judas Thaddäus, was auf seinen späteren Martyrertod hinweist. Ein Kind im rechten Teil des Bildes ist nackt. Es dürfte Jakobus der Ältere gemeint sein, der als erster der Apostel unter Herodes den Märtyrertod erlitt. Das andere mit Mönchskutte, wohl Johannes der Evangelist, trägt einen Giftkelch. Der verweist auf den später fehlgeschlagenen Versuch, ihn zu vergiften. Beide Töchter der Anna haben einen gelben Apfel in der Hand und tragen kostbare Gewänder.      

An Joachim und Anna wird im Jahreskalender der Kirche am 26. Juli des Jahres gedacht.      

1514 wurde an diesem Festtag der Annenaltar in der nördlichen Turmkapelle aufgestellt, der 1850 nach der großen Renovierung in den Chorraum der Kirche gesetzt wurde.          

Wolfgang Acht        

 


01. Juni 2020

Petrusfigur aus dem 15. Jahrhundert

Diese aus Eiche um 1480 geschnitzte Petrusfigur (innen ausgehöhlt; Höhe 125 cm, Breite 61 cm), ist eine nicht so künstlerisch wertvolle Arbeit. Es handelt sich um eine niederländische und maasländische Arbeit.

Diese Figur stand ursprünglich im Peterstor der Stadtmauer in Richtung der Kapelle St. Peter, das älteste Gotteshaus des Umkreises. Nach Abriss des Peterstores wurde die Figur in der Kirche aufgestellt.  

Petrus trägt einen Schlüssel in der rechten Hand, was auf ein Wort Jesus an Petrus zurückführt: „Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein“ (Mt 16, 19). Mit der linken Hand blättert er in einem Buch, das ihn als Verkünder der Frohbotschaft kennzeichnet.

Er ist in einen Chormantel gehüllt und trägt die Stola in Kreuzform. Er ist mit einer Tiara gekrönt, das Privileg des Papstes bis ins 20. Jh. Sie weist mit drei Kronreifen auf die dreifache Vollmacht des Papstes: die Binde- und Lösegewalt sowie die Lehr- und Leitungsvollmacht für die Gesamtkirche.  

Das Fest des Apostels Petrus feiert die Kirche immer am 29. Juni des Jahres, wie es Papst Hadrian I. (772 – 795) festgelegt hatte. Er verband das Fest mit dem Gedenken an den heiligen Paulus, da beide nach alter Tradition als „Apostelfürsten“ gelten.  


01. Mai 2020

Heiliger Josef mit Kind im Chorumgang

Propst Lux (1901-1963) erwarb diese Figur 1960 im Kunsthandel.      

Die barocke Holzfigur ist 122 cm hoch. Die Lilie wurde später hinzugefügt. Propst Lux wollte dem heiligen Josef in der Kirche auch seinen Platz zuweisen, hat er doch Maria mit Jesus auf Geheiß des Engels angenommen und beide begleitet. Deshalb trägt er nicht nur den Sohn als Kind auf dem Arm, sondern auch eine Lilie als Zeichen seiner Bereitschaft, die Jungfräulichkeit der Mutter zu wahren.      

Josef wird nur im Zusammenhang der Kindheitsgeschichte bei Matthäus und Lukas benannt. Bei Markus wird er nur indirekt erwähnt, als Jesus der Sohn des Zimmermanns genannt wird. Das Matthäusevangelium benennt ihn - wie Glaubenszeugen des Ersten Testaments - als „Gerechten“.      

Weil er dem Stamm David zugehörig war, musste er auch zur Volkszählung nach Bethlehem, in die Stadt Davids gehen, aus der der Messias hervorgehen würde, wie es im Buch Micha heißt: „Du, Bethlehem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten von Juda; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel“ (Micha 5, 1. 3). In Bethlehem erfolgte dann der Verheißung gemäß die Geburt des Gotteskindes am Rand der Stadt. Zur Segnung des Kindes im Tempel begleitet Josef Maria. Als Herodes ankündigt, jede Erstgeburt in Bethlehem töten zu lassen, um den angekündigten König als Konkurrenten zu töten, flieht Josef mit den Beiden nach Ägypten. Nach dem Tod des Herodes kehren sie zurück nach Nazareth.      

Erst spätere Legenden schmücken vielfältig das Leben Josefs aus.  

Wolfgang Acht        

 


01. April 2020

Pieta im Chorumgang

Das hölzerne Vesperbild / Pieta dürfte im 17. Jh. entstanden sein, zeigt es doch barocke Züge. Es wurde 1981 in mühsamer Kleinarbeit von Schmutz und von später aufgelegten Farbgebungen befreit. Daher sieht es  etwas unfertig aus. Doch nach Auffassung des Denkmalschutzes sollte die ursprüngliche Fassung bewahrt bleiben.

Das Bildnis stand früher in einem heute nicht mehr existierenden Heiligenhäuschen in Unterweiden.

Die leidende Mutter trägt ihren toten Sohn, der die furchtbare Kreuzigung erlebt hat. Ihr Gesicht wirkt fast starr vor Schmerz. Dennoch stellt sie sich der Trauer um ihren Sohn und nimmt ihn behutsam in ihre Arme und auf ihren Schoß. Wie furchtbar hat sich doch das Wort Simeons bei der Weihe des Sohnes im Tempel erfüllt: „Dieser (dein Sohn) ist dazu bestimmt, dass in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird. Dadurch sollen die Gedanken vieler Menschen offenbar werden. Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen“ (Lk 2, 34 f).  

Viele können vor diesem Bild ihre Not artikulieren und darum bitten, Maria möge die Kraft geben, Schmerz und Trauer zu tragen.  

Wolfgang Acht        


01. März 2020

Zwei romanische Konsolen

Die beiden Sockelfiguren dürften ursprünglich Hinweis dafür gewesen sein, dass in den linken Bänken die Frauen und in den rechten die Männer ihren Platz hatten.

Ist doch der linke Kopf mit einer Haube versehen, was darauf hinweist, dass ein Mädchen bei der Eheschließung „unter die Haube“ gekommen ist. Rechts findet sich keine Kopfbedeckung, weil die Männer im Gottesdienst keine Kopfbedeckung tragen sollen.

1992 wurde bei der großen Renovierung den Köpfen eine neue Deutung zugeordnet. Propst Dr. Josef Reuter gab eine neue Interpretation vor, die der Maler Günter Krumbach umsetzte.

Die linke Figur zeigt nun einen „Ungläubigen“ und die rechte den „Gläubigen“. Der „Ungläubige“ verschließt Augen und Ohren für die frohe Botschaft, der „Gläubige“ öffnet dagegen die Augen und Ohren. Deshalb sind den Köpfen links ein Strauß mit dem Kopf im Sand und welke Zweige und rechts ein aufstrebenden Adler und Sprösslinge zugeordnet.

So werden die Bilder zur Mahnung in Bezug auf die Haltung zu Glaube und Gottesdienst. Der Glaube kommt vom Hören, während die Verschlossenheit ins Dunkle führt.  

Wolfgang Acht        


01. Februar 2020

Der Schneider von Kempen - Eine Säulenkonsole im rechten Chorumgang

Auf der rechten Seite des Chorumgangs überrascht, eine Sitzfigur an einer der Säulenkonsolen. Sie vermittelt den Eindruck, als trüge sie diese Säule.

Es ist zur Entstehungszeit des Chorumgangs nicht ungewöhnlich, dass der Baumeister oder ein leitender Steinmetz sich selbst darstellt um zu zeigen, dass er das Bauwerk gestaltetet hat.  

Die Figur im Schneidersitz erinnert an eine Legende, die von einem armen Kempener wissen will, dass dieser, weil er kein Geld für den Bau der Kirche spenden konnte, bereit war, stattdessen nach seinem Dienst in der Werkstatt, jede Nacht Bausteine auf die Gerüste schleppte, damit am nächsten Tag weitergebaut werden konnte.

So wird das Bild des Baumeisters zum Bild der ehrenamtlichen Dienste, ohne die eine Gemeinde solche Projekte nicht meistern könnte.  Hätte es diese engagierten Menschen nicht über all die Jahrhunderte gegeben, stünde das hier gezeigte „Schmuckstück“, die Kirche, gewiss nicht mehr so da. Das Bild wird zu einem kleinen „Heiligenbild“ und zum Denkmal für das „Ehrenamt“.

Möge es weiter diese engagierten Menschen in der Gemeinde geben.  

Wolfgang Acht        


01. Januar 2020

Romanisches Taufbecken

Im südlichen Turmraum steht eines der ältesten sakralen Kunstwerke der Kirche, der Taufstein aus dem 12. / 13. Jahrhundert.

Das romanisch, maasländische Werk hat eine Höhe von 101 cm und eine Breite von 113 cm. Der obere Beckenteil des Taufsteins ist älter. Er hat auf fünf Säulen und einem Mittelfuß gestanden haben, worauf die runden Kapitellansätze darunter schließen lassen. Der Taufstein ist aus Namurer Blaustein (Ardennen).

Nach der Fertigstellung des nördlichen Seitenschiffes ist er wohl in die heutige Taufkapelle gesetzt worden.

Möglicherweise ist an diesem Taufstein schon Thomas von Kempen getauft worden. Die Taufe ist das erste Sakrament.

Durch die Taufe wird man nicht einfach das Mitglied einer Institution, sondern gehört zur Gemeinschaft der Gläubigen, die von Gott selbst gewollt sind und zu der er steht. Die Taufe „heiligt“, weil sie ein Geschenk Gottes an sein „Ebenbild“, der Mensch ist. Eigentlich sollte jeder Christ den Tauftag als zweiten Geburtstag feiern.  

Wolfgang Acht       


01. Dezember 2019

Verkündigungsbild auf der Rückwand des Annenaltars

Zur Advents- und Weihnachtszeit lohnt sich ein Blick auf die Rückwand des Annenaltars im Hochchor, die leider nur vom Chorumgang oder direkt hinter dem Altar zu sehen ist.

Hier zeigen wir von den sieben Bildern nur die Verkündigungsszene. Maria kniet auf einer Betbank in einem gut ausgestatteten Wohnraum und wird von einem Engel mit wallendem Gewand aufgesucht. Der verkündet ihr, dass Gott sie auserwählt hat, durch Gottes Geist ein besonderes Kind empfangen zu können, den „Sohn des  Höchsten“ (Lk 1, 32).

Der himmlische Bote ist durch den offenen Torbogen gekommen, durch den eine Landschaft mit einem Turm erkennbar ist, vielleicht ein Hinweis auf eine Anrufung der „Lauretanischen Litanei“, in der Maria als „Turm Davids“ bezeichnet wird.  Ihre Jungfräulichkeit wird durch die Vase mit den Lilien symbolisiert, sind doch Lilien ein Zeichen für Unberührtheit. Das Buch auf dem Betstuhl weist Maria als Schriftleserin aus, denn in den heiligen Schriften finden sich viele verheißende Aussagen über den kommenden Messias.

Die Körperhaltung Mariens lässt ihre Überraschung erkennen. Die Botschaft des Engels irritiert sie, so dass sie fragt: „Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?“ (Lk 1, 34). Der Engel antwortet: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten“ (Lk 1, 35). Als Zeichen für das Wirken des Geistes, ist über Maria eine schwebende Taube (Symbol des Heiligen Geistes) zu sehen. Maria, so lesen wir es in der Schrift, sagt zu ihrer Berufung ein deutliches Ja: „Ich bin die Magd des Herrn; mit mir geschehe, wie du es gesagt hast“ (Lk 1, 38).

Der Raum wird von fünf Säulen bestimmt. Nach Spekulationen der Pythagoräer ist die fünf ein Zeichen für Vermählung.  Der schriftkundige Betrachter assoziiert den Zusammenhang zum Gleichnis der fünf klugen und törichten Jungfrauen, die ihrerseits auf den Bräutigam warten (Mt 25, 1 – 13).

 

Wolfgang Acht        


01. November 2019

Gedenktafel an der Stelle der alten Kanzel

Jeweils am 9. November wird in Deutschland an die fürchterliche Pogromnacht 1938 erinnert. Dazu passt die zur Erinnerung an die Zerstörung im 2. Weltkrieg (2. März 1945) angebrachte Gedenktafel.

Sie ist gestaltet mit kleinen Figuren aus der neugotischen Wiethase-Kanzel, die bei der Bombardierung der Kirche zerstört wurde. Erstellt wurde die Tafel 2010 vom Architekten Thomas Dewey (Viersen-Dülken), die Idee hatte Propst Dr. Thomas Eicker.  

Die zerstörte Kanzel wurde nach einem Entwurf Heinrich Wiethase 1858 angefertigt. 60 Jahre nach der Zerstörung wurden sechs kleine Figuren zurück gegeben, die ein Kempener  nach dem Krieg mit nach Australien genommen hatte.

Die Figuren sind auf drei Ebenen gesetzt. Oben links sieht man Mose und rechts den Evangelisten Johannes. Auf der Kanzel waren sie am Sockel aufgestellt. Dazwischen ein Hörender, der bezeugt, dass er die Botschaft der Schrift aufnehmen will. Unten sitzt eine Teufelsgestalt. 

Die Schriftzitate in hebräischen Buchstaben in der Mitte, beinhalten die Weisung Mose an das Volk, die Gebote zu beherzigen: “Höre, Israel, die Gesetze und Rechtsnormen, die ich euch heute vortrage. Ihr sollt sie lernen, auf sie achten und sie halten“ (Dtn. 5,1) Ein Zitat  also aus dem Ersten Testament

Das griechische Zitat stammt aus dem Johannesevangelium: „“Das ist mein Gebot: Liebt einander, wie ich euch geliebt habe“  (Joh 15,12). Diese Stelle stammt also aus dem Zweiten Testament.

Im Hintergrund sieht man das leicht verschwommen Bild der ehemaligen neugotischen Kanzel.      

Wolfgang Acht 

 


01. Oktober 2019

Fresko der wichtigen Heiligen des Franziskanerordens

Das Fresko stellt die wichtigsten Heiligen des Franziskusordens dar. Es beginnt links mit dem heiligen Franziskus, dessen Fest am 4. Oktober gefeiert wird. Er ist mit dem Kreuz dargestellt, war er doch ein tiefer Verehrer des Gekreuzigten. Deshalb ist er auch mit den Christuswunden an Händen und Füßen und an der Brust dargestellt. Er soll diese durch Christus selbst auf dem Berg Verna erhalten haben.  

Neben ihm ist die Heilige Clara von Assisi zu sehen. Schon in jungen Jahren hat sie sich von Franziskus in den Orden aufnehmen lassen und später den weiblichen Zweig des Ordens im Auftrag des Franziskus begründet. Sie lebte mit den Schwestern das Armutsideal, das Jesus von seinen Jüngern gefordert hatte. Das Kloster lag außerhalb der Stadtmauer (San Damiano mit dem Kreuz, das zu Franziskus gesprochen haben soll). Sie trägt auch eine Monstranz, soll sie doch mit dieser bewirkt haben, dass fremde Truppen die Stadt nicht eroberten und geplünderten.  

Neben ihr steht mit bischöflichen Attributen Bonaventura. Er wurde mit 35 Jahren zum siebten Nachfolger des Franziskus in der Ordensleitung, bis er mit 52 Jahren zum Bischof und Kardinal von Albano wurde und auch in Rom großen Einfluss genoss. Er bekleidete dieses Amt allerdings nur ein Jahr bevor er mit 53 Jahren starb. Er war ein bedeutender Theologe und Kirchenlehrer. Bis heute bestimmt er noch die theologische Diskussion. Das Buch trägt er wegen der vielen Schriften, die er verfasst hat.  

Im Fresko darf die heilige Elisabeth von Thüringen nicht fehlen. Sie wird bei der Bekleidung eines Armen gezeigt, hat sie doch schon als Markgräfin auf der Burg Wartburg Sorge getragen für die Armen und bei einer drohenden Hungersnot die Vorräte der Burghöfe verteilen lassen. Nach dem Tod ihres Mannes bei einem Feldzug wurde sie von der Wartburg vertrieben und siedelte nach Marburg über, wo sie als Mitglied des dritten Ordens des heiligen Franziskus ein Hospiz gründete, wo sie selbst mitarbeitete, bis sie erschöpft vom Fasten und der harten Arbeit schon mit 24 Jahre starb. Ihr Grab und ein kostbarer Schrein befinden sich in der wunderschönen gotischen Hallenkirche Marburgs.  

Auch Antonius von Padua bleibt ein beliebter Heiliger. Auch er hat alles gegeben, so dass er schon mit 36 Jahren starb. Unermüdlich setzte er sich für die Nachfolge Christi ein, die er selbst glaubwürdig lebte. Deshalb ist er mit der heiligen Schrift gezeigt. Papst Innozenz III. soll ihn eine „lebendige Bibel“ genannt haben.  

Ganz rechts steht Bernhard von Siena mit offenem Buch und einer Monstranz mit den Buchstaben IHS (Anfangsbuchstaben des griechischen Namens Jesus). Auch er lebte für die Nachfolge Jesu, was die Monstranz zeigt. In der linken Hand hält er ein offenes Buch, in dem man liest: „Ich habe ihnen deinen Namen geoffenbart!“ und rechts ein Bildhinweis: ‚Completum est hoc opus anno 1453 (vollendet ist dieses Werk im Jahre 1453), was auf die Entstehung des Freskos verweist, aber ebenso ein Hinweis auf die Vollendung des Chorumgangs sein kann.

Vor Bernhard kniet der Stifter des Bildes, Johannes Brugmann, der selbst ein Kempener war. Er war Zeitgenosse des Thomas von Kempen. Später wurde er Prior der Kölner Franziskanerprovinz. Er stifte dieses Fresko seiner Heimat- und Taufkirche.    

 

Wolfgang Acht      


01. September 2019

Michaelsfigur an der Spitze des Kreuzaltars

An der Spitze dieses Altars im südlichen Seitenschiff, eine brabantische Arbeit vor 1525 - wohl auch aus Antwerpen - befindet sich die Figur des heiligen Michael. Er wird als Drachentöter und damit als Kämpfer gezeigt gegen alle , die Gott nicht die Ehre und Verehrung zuteil werden lassen, die ihm gebührt. Manchmal wird deshalb der Altar auch Michaelisaltar genannt. Eingebürgert hat sich jedoch inzwischen  die Bezeichnung Kreuzaltar aufgrund des Zentralbildes im Mittelschreins.

Michael, dessen Namen Programm ist: „Wer ist wie Gott?“ Das "El" in seinem Namen weist ihn als einen Gottesboten auf, ist doch "El" ein alter Gottesname. Der Erzengel wurde zum Kultbild, weil er als der Hüter der Gerechtigkeit, Beschützer der Kirche Christi, Fürst der Seelen, Vertrauter Gottes gilt, der die Weisungen Gottes an die Menschen weitergibt und sie immer an Gott, den Einzigen und Größten erinnert.

Er wurde auch zum Anlass für Legenden. So soll er Hirten auf dem Monte Sant’Angelo in Apulien erschienen sein, so dass sich seine Verehrung im Abendland ausbreitete. Man findet eine Darstellung des kämpfenden Engels auf der Engelsburg. Er soll die Pestkatastrophe in der Stadt eingedämmt und beendet haben.

Die Kirche gedenkt seiner, zusammen mit den Erzengeln Raphael (Raphael = „Gott heilt“) und Gabriel (Gabriel = „Die Macht Gottes“) beim Engelfest am 29. September. Das Datum verbindet sich mit der Weihe der Michaelskirche in Rom, die Papst Leo I. im 5. Jh. vorgenommen hat. Er verband damit die Bitte, der Erzengel möge Schutz für die Kirche sein in allen Wirren der Zeit.    

Wolfgang Acht     


01. Juli 2019

Antonius - Jakobus - Altar Rückseite

Von der Gemäldetafel auf der Rückwand des Altars befindet sich der untere Teil in der Taufkapelle der Kirche, der obere im Sakralmuseum in Kempen. Den linken und rechten Flügel der Rückwand kann man nur in der Advents- und Fastenzeit sehen, weil dann die Seitenflügel den Mittelschrein des Altars bedecken.  

Die Bildthemen sind ebenso wie die der Vorderseite einer alten Antonius- Legende entnommen. Sie zeigen rechts die Bekehrung des Zauberers Hermogens und links die Berufungsgeschichte des Antonius sowie seinen Besuch bei dem eremitischen Gefährten Paulus von Theben.  

Der obere Mittelteil im Sakralmuseum zeigt Bilder der sogenannten Patraslegende. Ein Vater pilgert mit seinem Sohn nach Santiago. Der soll in einer Herberge einen Silberbecher gestohlen haben, dem ihm jedoch die Tochter des Hauses, die Interesse an ihm hatte, in den Rucksack gesteckt hatte. Er wurde zum Tod verurteilt und an einen Galgen gehangen. Tief traurig geht der Vater weiter. Als er auf dem Rückweg wieder in Patras ist, findet er seinen Sohn am Galgen noch lebend vor. Die Fürsprache beim Heiligen Jakobus hatte ihn gerettet. Noch heute befindet sich deshalb an der dortigen Kirche ein Hühnerstall mit Hahn und Hennen über dem seitlichen Eingang. Bei Gottesdiensten kommt es vor, dass ein Hahnenschrei oder das Gegacker der Hühner stört.  

Die unteren drei Bilder des Mittelteils zeigen drei Szenen von Antonius. Links sieht man Antonius, der seinen Freund Paulus von Theben tot auffindet. Im Hintergrund graben Löwen schon das Grab. In der Mitte sieht man, wie Antonius durch den Teufel, eine nackte Schönheit mit einer Schlange zu ihren Füßen versucht wird. Die Eule symbolisiert das Licht, das die dunkle Nacht der Versuchung erhellt. Rechts wird Antonius von Jesus Christus besucht, der ihn für seine Lebenshaltung segnet.  

Wolfgang Acht 


01. Juni 2019

Antonius - Jakobus - Altar

Beim Antonius – Jakobus - Altar handelt es sich um ein Produkt mehrerer Meister. Es ist eine brabantische Arbeit aus Antwerpen (um 1540).

Der Altar steht an der Stirnwand des nördlichen Seitenschiffes. Er zeigt in acht geschnitzten Szenen unter reich gestalteten Baldachinen und auf den Altarflügeln in acht Bildern Ölgemälde, die sich auf die „legenda auria“ beziehen.

Seine Schreinhöhe misst 365 cm mit einer Breite von 305 cm mit einem kurvig geschweiften Abschluss. 12 Bilder sind dem heiligen Jakobus und 10 Bilder dem heiligen Antonius gewidmet, zwei weitere zudem dem heiligen Lambertus, dem ersten Bischof von Maastricht.

Die Predella, ebenfalls mit Bildern aus dem Leben des heiligen Lambertus, befindet sich in der Taufkapelle der Kirche. Ersetzt wurde diese durch eine neugotische Predella mit Tabernakel und Holzpodien für die Kerzen (19. Jh.).

Der Jakobus - Bildzyklus  findet sich auf der linken Seite des Altars, der des Antonius rechts. An dieser Stelle  ginge es zu weit, alle Bilder zu beschreiben. Jakobus wurde zu einer wichtigen Gestalt im Mittelalter. Die Wallfahrt an sein Grab in Santiago de Compostela ist aktueller denn je und bis heute beliebt und gefragt. Jakobus war einer der ersten Jünger, die Jesus berief. Er gehört zum Kreis der zwölf Apostel, die Jesus berief, um seine Botschaft in die Welt zu tragen. Er war Leiter der ersten Jerusalemer Gemeinde und wurde 44 nach Christus im Auftrag des Königs Herodes getötet. Die Legende will wissen, dass er eine Missionsreise nach Spanien gemacht hat, deshalb verwundert es nicht, dass seine Freunde ihn nach Spanien brachten und dort beerdigten. Die Bilder des Altars gehen darauf ein.

Antonius, dem der rechte Teil des Altars gewidmet ist, wurde um 251 zu Kome in Mittel - Ägypten als Sohn reicher Eltern geboren. Als er diese früh verlor, suchte er Trost zu finden. Er ging in eine Kirche und hörte  die Worte der Schrift: „Wenn du vollkommen sein willst, dann verkaufe alles, was du hast und gib der Erlös an die Armen, dann folge mir“ (Mt 19, 16 ff). Das war der entscheidende Impuls für sein weiteres Leben.  An der Spitze des Altars findet man eine große Darstellung (in der Barockzeit gegen eine ältere ausgetauscht) von ihm. Als Beigabe trägt er ein Kreuz in T-Form (Antoniuskreuz bzw. ägyptisches Kreuz) mit Glöckchen. Denn die Mitglieder des späteren Antoniterorden läuten das Glöckchen am Stab, um für die von ihnen betreuten  notleidenden und kranken Menschen zu sammeln. Das Schwein zu seinen Füßen weist ebenfalls auf das Privileg des Ordens hin, für den Entgelt ihres Krankendienstes, Schweine frei in der Stadt umherlaufen ließen, damit diese von den Stadtbewohnern gefüttert wurden, bis sie geschlachtet werden konnten. Der Erlös ging an das Kloster, in dem die Kranken gepflegt und Arme betreut wurden.

Wolfgang Acht       


01. Mai 2019

Marienfenster von Heinrich Dieckmann

Dieses wohl eindrucksvollste Fenster hat Heinrich Dieckmann im Jahr 1937 entworfen. Es wird auch das „Kempener Fenster“ genannt und befindet sich im nördlichen Turmraum. Dieckmann stellt die Pfarrpatronin der Kirche als Schutzmantelmadonna dar. Interessant ist die Bildgestaltung. Das Bild des Fensters ist nicht auf das Glas gezeichnet ist, vielmehr werden die farblichen Glasstücke mit den Bleirändern zum Bild.

Maria mit dem Kind ist in der Mitte zu sehen. Vor ihrem hell leuchtenden gelben Kleid ist eine große Lilie als Symbol der Jungfräulichkeit zu sehen. Über ihr sieht man zwei Engel in roten Gewändern, die ein Tuch über sie ausbreiten. Über allem strahlt ein Stern auf. Maria wird bezeugt als „Himmelstern“.

Unter ihrem Schutzmantel sind links eine Mutter mit Kind, zwei betende Männer mit erhobenen Armen und ein junges Paar zu erkennen. Die Frau hält ihre Hände gekreuzt über der Brust. Rechts sieht man vier junge Männer und eine kniende Frau. Zu ihren Füßen sind ein Halbmond und ein Stern erkennbar. Das ist sowohl ein Hinweis auf die „große Frau“ wie Maria als Bild für die Kirche in er Offenbarung gekennzeichnet wird;. Es weist aber auch auf das Kempener Stadtwappen hin. Deshalb sieht man im unteren Bildteil eine Stadtskizze. Auf dem Spruchband über ihr ist zu lesen: „o maria, regina coeli, patrona sis urbis tuae kempensis“ – „Maria, Königin des Himmels, sei Schutzpatronin deiner Stadt Kempen“. Die Gemeindemitglieder schätzen das Bild sehr und zeigen es gerne den Besuchern, freuen sie sich doch, dass Maria ihre Stadt beschützt.

Wolfgang Acht


01. April 2019

Passionsfenster von Heinrich Dieckmann

Dieses Passionsfenster befindet sich im rechten, d.h. im  südlichen Turmraum. Es wurde von dem Kempener Künstler Heinrich Dieckmann entworfen (geb. im März 1890, gestorben im April 1963). Er wuchs in einem stark religiös, katholisch engagierten Elternhaus auf und war regelmäßiger Gottesdienstbesucher in der Propsteikirche.

Er gilt als Maler und Vertreter des Expressionismus in Deutschland. Er schuf vor allem sakrale Werke und gilt als Mitbegründer der modernen, sakralen Kunst. Dabei zog er Monumental-, Glas- und Wandmalerei sowie Mosaikkunst vor. Sein Gesamtwerk zählt über 1500 Werke.

Das hier gezeigte Fenster entstand in den 30er Jahren des 20. Jh. und gehört dem Zyklus der Gesätze des schmerzreichen Rosenkranzes an: „Der für uns gekreuzigt worden ist.“  

Das rote (Triumph-)Kreuz steht aufrecht in der Mitte. Die Kreuzarme überspannen das ganze Fenster. Über dem Gekreuzigten ist das Schild „INRI“ (Jesus von Nazareth, König der Juden) angebracht. Der leidende Christus wird durch seine Hingabe zum Licht der Welt.   Unter dem Kreuz steht die trauernde Mutter (dunkel gekleidet) mit weißem Nimbus (die Reinheit ausdrückend). Hinter ihr eine weitere Frau; diese ist in Rot gekleidet und begleitet Maria, heißt es doch in der Schrift, dass Frauen die Kreuzigung erlebt haben. Rechts neben dem Kreuz steht Johannes mit jugendlichem Gesicht, der auf den Gekreuzigten hinweist. Unter dem Kreuz kniet Maria von Magdala, die um Jesus trauert.  Das rot leuchtende Kreuz wirft das Licht auf sie, so dass sie sich von Dunkelheit des unteren Bildteils absetzt. Es soll deutlich werden, dass sie Vergebung erfuhr. Sie ist beispielhaft für uns eine durch das Kreuz Erlöste.  Hinter der Gruppe sind Lanzen zu erkennen. Die Soldaten selbst sind nicht zu sehen. Sie werden von den Trauernden verdeckt.  Ein Berittener trägt einen grauen Mantel, wohl ein Hinweis, dass er noch nicht zum Glauben gekommen ist. Im blauen, himmlischen Licht über dem Kreuz sind drei Engel zu sehen. Sie sind Hinweis auf das Kommende, auf die Auferstehung und die Himmelfahrt des Gekreuzigten.

Wolfgang Acht     


01. März 2019

Vesperbild - Pieta

Dieses Vesperbild stand ursprünglich in der ältesten Kirche des Umfeldes von Kempen, der Kapelle St. Peter.

Es wurde 1385 im „weichen Stil“ gefertigt. Leider ist es nur fragmentarisch erhalten. Es dürfte auf dem Schoß Mariens, die hier dargestellt ist, ursprünglich der Leichnam Jesu geruht haben. Das lässt sich aus dem ungewöhnlich langen Oberkörper der Figur schließen. Das ist aber nicht gesichert, zumal das liebliche, mädchenhafte Gesicht Mariens keine Trauer zeigt. Auch die Handhaltung müsste anders sein, sie wurde jedoch bei einer Renovierung früherer Jahre verändert.

Diese Unsicherheit führte zur mehrdeutigen Benennung der Figur als „Marienklage“. Eine Pieta ist seit dem frühen 14. Jahrhundert üblich und soll zu einer stärkeren Hinwendung zum Leiden Christi und zum Schmerz der Mutter führen. Es tröstet vor allem jene, die selbst großen Schmerz erleiden, sehen sie doch in dieser Schmerzensmutter eine Mitleidende.

Maria trägt ein faltenreiches Gewand, wie es im Mittelalter von reicheren Frauen getragen wurde. Schließlich ist sie für die Gläubigen die „Mutter Gottes“, die Mutter des Messias Jesus Christus. Ein großer Schleier umhüllt ihren Kopf, so wie es im Mittelalter üblich war und lange bis in die Neuzeit hinein von Frauen in den Kirchen getragen wurde, um so Ehrfurcht vor Gott und Christus zu bekunden.

Wolfgang Acht       


01. Februar 2019

Die Darstellung des Herrn im Tempel (Annenaltar)

  Die unteren Felder des Altarschreins vom Annenaltar, der zugleich der Hochaltar der Kirche ist, zeigen

  • die Geburt Jesu,
  • die Anbetung der Könige und
  • die Darstellung Jesu im Tempel.

Dem Betrachter soll gezeigt werden, dass Gott in Jesus sich „menschlich“ zuwendet. Er wird arm geboren, aber von denen entdeckt, die ihn als Stern des göttlichen Lichtes wahrnehmen.

In der dritten Szene, der Darstellung des Herrn im Tempel, wird nun am göttlichen Kind das vollzogen, was gläubigen Juden eine Verpflichtung ist. Die Erstgeburt wird im Tempel, bzw. in der Synagoge geweiht und damit Gott, dessen Gegenwart im Tempel geglaubt wird.  

Das Bild stellt die biblische Erzählung der Weihe Jesu dar. Die Weihe oder auch Darstellung genannt, findet in einem eher schmucklosen Raum statt. Vier Männer und Frauen sind zu sehen und damit acht Personen. Soll hier schon das Auferstehungsmotiv anklingen? Jesu ist am achten, bzw. ersten Tag der Woche, wie es die Schrift bezeugt, auferstanden. Wer dem Tempel geweiht ist, gehört zum Volk Gottes an und hat damit Anteil an der Verheißung und der Erfüllung. Das kleine Gefäß vorne in der Mitte will wohl an die Taufe erinnern, erinnert doch diese Szene der Weihe als Teilhabe an Gottes Heil an die Taufe.  

Im Vordergrund steht Josef mit der zur Weihe vorgeschriebenen Opfergabe von zwei kleinen Tauben (leider ist diese verloren). Maria hält ihr Kind dem priesterlich gekleideten  Simeon hin, der es mit verhüllten Händen annimmt, ein Zeichen für die königliche Würde des Kindes. Der Gottessohn, das zeigt des Bild, will nicht außerhalb des Gottesvolkes und seiner Tradition stehen will, sondern einer von uns sein! Rechts steht ein gut gekleideter Mann mit mürrischem Gesicht. Er versteht nicht, was hier geschieht. Ist er ein Hinweis für die, deren Glaube an den Messias Gottes in Jesus Christus verloren gegangen ist? Die Männer und Frauen, die die Szene rahmen machen klar, dass dieser Akt kein privater Vorgang ist, sondern Zeugnis für die Eingliederung in das größere Ganze des Gottesvolkes.

Wolfgang Acht        


01. Januar 2019

Unsere Propsteikirche St. Mariae Geburt

Ist sie nicht ein Schmuckstück, diese Kempener Kirche St. Mariae Geburt?

Um 1200 wurde sie begonnen, im 14. Jh. kam der Chorumgang dazu und Ende 1490 waren auch die beiden Seitenschiffe angebaut, einschließlich der Marienkapelle für das Gnaden- und Wallfahrtsbild.

Sieben gotische Fenster erhellen das Kirchenschiff. Sie zeigen die Gesätze des Rosenkranzes, die man natürlich nur von innen sehen kann. Sieben ist Kennzahl des Heiligen. So soll auch diese Kirche als heiliger Ort bezeugt werden.

Im Chorbereich sind wieder sieben Fenster, die Heilige der Kirchengeschichte bis in die Neuzeit zeigen und auch Hinweise auf den alten und neuen Bund geben.  

Die Kirche steht im Mittelpunkt der Stadt. Die farbliche Fassung entspricht der romanischen Stilepoche. Generationen haben an dieser Kirche gebaut, sie gepflegt, genutzt und oft renoviert. Hätte es dieses Engagement der Gemeinde nicht gegeben, wäre sie gewiss in einem schlechten Zustand.  

Jetzt ist erneut ein Engagement gefragt, steht doch nach der Großrenovierung der 90er Jahre, eine weitere Renovierung der Außenhaut an, da Putz und Farbe dieser Renovierung inzwischen marode sind und abblättern.

Heute ist man in der Denkmalpflege weiter und kann andere Materialien nutzen. Die Renovierung wird einige Zeit in Anspruch nehmen. 

Werden auch Sie mit einer Spende mithelfen, die Finanzierung zu sichern? Denn etwa ein Drittel der Kosten muss die Gemeinde selbst aufbringen!

Wir rechnen mit Ihnen und Ihrer großzügigen Hilfe, damit das Juwel der Stadt Kempen wieder im neuen Glanz erstrahlt.  

Wolfgang Acht    


01. Dezember 2018

Mutter der immerwährenden Hilfe

Im  Chorumgang hinter dem Hauptaltar; Bild Ende 19. Jh.   

Das Bild zeigt die Gottesmutter im schmucken blauen Gewand. Ein Stern kennzeichnet ihr Haupt und kennzeichnet sie als „Morgenstern“ (aus der Lauretanischen Litanei) und Himmelskönigin; deshalb auch der goldene, himmlische Hintergrund. Sie trägt das Jesuskind, das ebenfalls wie ein Königskind gekleidet ist. Es hält sich mit beiden Händen an der Hand der Mutter fest, sieht es doch über sich die Engel mit den Leidenswerkzeugen. Es erschrickt so, dass ihm die Sandale vom rechten Fuß fällt.

Die Geschichte des Bildes von der „immerwährenden Hilfe“, dessen Original im byzantinischen Museum Athens aufbewahrt wird, ist abenteuerlich. Das Bild soll im 16. Jh. von einem Kaufmann auf Kreta entwendet worden sein. Nach schwerer Seereise landete der Kaufmann mit dem Bild in Rom. Schwer erkrankt, bat er einen Freund, das Bild in eine Kirche zu bringen. Es wurde schließlich in der Kirche St. Matthäus, in der Nähe von Maria Maggiore aufgestellt, wo es 300 Jahre verehrt wurde. Die Kirche wurde von Augustineremiten betreut. 1798 wurden allerdings das Kloster und die Kirche zerstört, so dass man in ein nahe gelegenes Kloster umzog. Anfang des 19. Jh. wurde es schließlich in einer klösterlichen Hauskapelle aufgestellt und kam fast in Vergessenheit. Im Januar 1855 erbaten die Redemptoristen, dessen Orden von Alfons von Liguori gegründet wurde, von Papst Pius IX. das Bild für ihre Klosterkirche zu Ehren des „Allerheiligsten Erlösers“. Pius IX. gewährte es ihnen und bat den Orden, das Gandenbild "die Jungfrau von der Immerwährenden Hilfe" überall bekannt zu machen.

Das Bild findet sich in unzähligen Kirchen des Rheinlandes, so auch seit des 19. Jh. in der Propsteikirche St. Mariae Geburt. Auch hier wird es von vielen Menschen aufgesucht, die dort beten sowie Blumen und Kerzen spenden.

Wolfgang Acht     


01. November 2018

Christophorus

Im Kirchenschiff unten links aufgestellt, eine Holzfigur um 1450;. Konsole mit Engel, ein Wappen tragend mit fünf Wunden Jesu, wohl jüngeren Datums.      

Der Monat November ist vom Totengedenken bestimmt, denkt man an das Fest Allerheiligen oder Allerseelen und an den Totensonntag, der in der Katholischen Kirche aber Christ-König-Sonntag heißt und der letzte Sonntag des Kirchenjahres ist.  

Christophorus wird seit dem 15. Jh. als einer der 14 Nothelfer angesehen. Die Betrachtung seines Bildes am Morgen galt als Schutz des Lebens bis zum Abend. Deshalb wird sein Bild vorwiegend im Eingangsbereich der Kirchen, ebenso an Toren, Türmen und Häusern angebracht. Er wurde auch angerufen vor gefahrvollen Unternehmungen oder Reisen. Von daher gilt er auch als Schutzpatron für Pilger, Reisende und Kraftfahrer. Vielfach findet man heute noch in vielen Autos, ja sogar auf Fahrradklingeln ein Bild von ihm.  

Wie kommt es zu diesem Brauch? Diese Darstellung gründet auf einer Legende. Sie berichtet, dass Christophorus nur dem dienen wollte, der keinem untertan ist. Viele Dienste hatte er angenommen, aber immer bemerkt, dass es noch einen gab, der größer zu sein schien als sein Herr.   Diesem Größeren wollte er allein dienen. Weil er den wahren Herrscher noch nicht gefunden hatte, begab er sich an eine Flussfurt und trug die Menschen über den Strom. Eines Tages bat ihn ein Kind, es hinüber zu tragen. Als er in den Fluss trat, wurde das Kind so schwer, dass er fragte, wen es denn trüge? Dieses sagte daraufhin: „Ich bin es, den du suchst.“ Da wurde ihm klar, endlich den gefunden zu haben, dem er sich ganz zur Verfügung stellen wollte. Nicht umsonst heißt er deshalb: Christophorus – Christusträger.  

Hier ist Christophorus als Riese in doppelter Lebensgröße dargestellt. Er durchwatet einen Fluss, was der Sockel zeigt. In den Wellen sieht man Schlangenköpfe und menschliche Figuren (es können auch sogenannte „Sirenen“ sein), die von den Wellen mitgerissen werden.  Am Gürtel trägt Christophorus eine Tasche (wohl Pilgertasche) mit Fisch und Brot und ein Messer. Bekleidet ist er mit einem offenen Rock. Das Christuskind selbst hebt die rechte Hand zum Segen und hält links die Weltkugel mit dem Kreuz.

Der Beter fühlt sich zum Christusträger, mehr aber noch zum Christuskind mit seinem Gebetsanliegen hingezogen.     

Wolfgang Acht       


01. September 2018

Lambertuspredella

Am 17. September gedenkt die Kirche des ersten Maastrichter Bischofs Lambertus (635 – 705). Er, der das Opfer einer Blutrache wurde, war ein hoch geschätzter Mann und wurde vor allem in Belgien, aber auch am Niederrhein verehrt, so dass es im Antonius-Jakobus-Altar (Anfang des 16. Jh.) zwei große Schnitzbilder gibt, die ihm gewidmet sind.

Die Predella (so nennt man einen kunstvoll bemalten oder geschnitzten Unterbau eines [gotischen] Altars) enthält fünf Ölbilder auf Holz, die Szenen aus dem Leben dieses Bischofs zeigen.

Dieses Werk befindet sich heute in der Taufkapelle der Kirche. Es wurde dorthin gebracht, als es im 19. Jh. die Vorschrift gab, in jeden Altar einen Tabernakel und Kerzenbänke einzubauen, so dass dieses wertvolle Werk unter den großen Schnitzbildern des Altars entfernt wurde.

Folgende Bilder sind zu erkennen: Links tritt ein Bischof an den gedeckten Tisch eines vornehmen Mannes, dessen Gesicht an Kaiser Maximilian erinnert. In der Mitte wird die Ermordung des hl. Lambertus an einem Altar dargestellt. Rechts sieht man eine Kampfszene.

Darunter  sind zwei Tafeln mit Bildern, die auf die Legende des hl. Lambertus zurückzuführen sind. Ein Bischof mit Gefolge wird von Mönchen an der Klosterpforte begrüßt. Daneben ist eine Innenraumszene zu sehen, die den Bischof inmitten von schs Männern zeigt. Die Bedeutung ist im Einzelnen nicht mehr zu erschließen.

Es ist erstaunlich, wie frisch die Farben aufgrund einer Renovierung oder Konservierung noch leuchten.       

Wolfgang Acht        


01. August 2018

Chorgestühl

Dieses spätgotische, künstlerisch hervorragende Chorgestühl aus Eiche, wurde von Johannes Gruter aus Wesel erstellt und 1493 im Chorraum aufgestellt. Weil neben der Kirche die Lateinschule stand, die heutige Burse, und dort auch viele Priester als Lehrer tätig waren sowie noch andere Vikare für die jeweiligen Altäre, von denen es 16 gab, war es erforderlich, für das  gemeinsame Gebet und die Gottesdienste, den anwesenden Priestern eine geeignete - oder sollte man  sagen angemessene  - Sitzgelegenheit zur Verfügung zu stellen. Um die Priester im Chorgebet von den umlaufenden Pilgern im Chorumgang zu trennen, gleichzeitig aber den luftigen Chorumgang und dessen Lichtfülle nicht abzuschirmen, ist ein durchbrochenes Maßwerk über dem Gestühl erstellt worden, das auch die Vertikale betont.   Heute nehmen dort der Zelebrant, die Messdiener, die Kommunionhelfer und Lektoren beim Gottesdienst Platz. So ändern sich die Zeiten.  

Aber diese „Sitzgelegenheiten“ sind nicht nur künstlerisch, sondern auch humorvoll und hintergründig gestaltet. Sind in den oberen Wangen rechts die vier lateinischen Kirchenväter und links die vier „Rheinischen Marschälle“ dargestellt, so finden sich auf den Abschlusswangen vorne acht Engelfiguren, die das Wappen der Stadt Kempen sowie die Leidenswerkzeuge Christi zeigen.   Reich gestaltet sind vor allem die Armstützen des Gestühls, die Bauern, Mönche und Tiere zeigen. Diese sind aber in verschiedenen humorvollen Posen gestaltet. Die Figuren (Drölerien genannt, französisch dróle = lustig) sind teilweise in derber Form zu sehen, so dass sie eventuell für die Chorherren sogar anstößig gewirkt haben könnten.

Die sogenannten „Miserikordien“, die als Stützsitze fungierten und den Betern bei langem Chorgebeten zur Entlastung dienten, erinnern an bekannte Sprichwörter und stellen eine augenzwinkernde Kritik an der Lebensführung und Frömmigkeit der Geistlichen dar.   Da finden sich: eine Frau, die im Kamin ein Feuer entfacht, wohl ein Hinweis, bei Hineinblasen vorsichtig zu sein, ein Bauer mit Dreschflegel, der auf Eier losschlägt, was wohl eine Satire auf das „Eierdreschen“ entlehnt ist, ein Fuchs, der mit einem Kranich den Teller teilt, was dem Kranich aber nichts mehr übrig lässt, aber eben auch ein Fuchs und Kranich, wo die Speise in einem Krug steckt, so dass nur der Kranich fressen kann und vieles mehr. Es lohnt sich, in Ruhe diese Bilder bei einem Besuch der Kirche zeigen zu lassen. Es würde hier den Rahmen sprengen, sie alle zu benennen.     

Wolfgang Acht   


01. Juli 2018

Anna Selbdritt

Rechts hinten in der Kirche; eine niederrheinische oder maasländische Arbeit aus Holz, von Peter van Wesel 1492.  

Die Bezeichnung „Anna Selbdritt“ kommt vom mitteldeutschen Wort „selb“ = „zu“, also Anna zu dritt (auch ein Bild für drei Generationen).

Beliebt war die Darstellung, weil sie den Frauen, die sehnsüchtig ein Kind erwarteten, mit Anna eine Fürsprecherin zeigte, die ebenso auf ihr Kind – Maria – wartete und es schließlich noch empfing, obwohl sie als unfruchtbar galt.

Dieses Kunstwerk zeigt die Mutter Anna sowie ihre Tochter, die gekrönte Gottesmutter. Beide sind auf „Augenhöhe“ dargestellt, die gemeinsam das liegende Jesuskind auf ihren Armen tragen. Das Kind ruht fast schwebend über ihren Armen und Händen, eine Mischung von Verbundenheit und Unhabhängigkeit. Es trägt sich gleichsam selbst.

Das nur mit Windeln bekleidete Kind hält in seiner linken Hand eine Traube als Symbol für das bevorstehende Leid. Die Trauben werden in die Kelter zertreten und zeigen symbolisch, dass Jesus sich ganz am Kreuz hingibt. Am Ende fließen nur noch Blut und Wasser aus seiner Seitenwunde (vgl. Joh 19, 34).

Maria, die Mutter, kann die Traube nicht sehen. bekommt sie vom Kind doch lediglich eine Beere gezeigt.

Anna wirkt erhaben und ist groß dargestellt, Maria ist kleiner und jünger dargestellt. Beide Frauen sind miteinander verwoben, was hier zusätzlich durch den gleichen Kleiderstoff zum Ausdruck kommt (s. Blattmuster). Anna trägt einen Kopfschleier, wie es für eine verheiratete, jüdische Frau üblich und vorgeschrieben war, während Maria keinen Kopfschleier trägt, ist sie doch nur „verlobt“ und gilt als „jungfräulich“, also unverheiratet.

Das Kind spannt die Arme weit aus, was für das Tragen der Traube und Rebe nicht erforderlich wäre. Es weist mit den Armen auf die Kreuzhaltung und auf die zu erwartende Passion hin. Die Blicke der drei dargestellten Personen scheinen in die Ferne gerichtet.

Die Kerzen, die von vielen, besonders aber von Frauen, vor diesem Bild angezündet werden, verbinden sich mit dem himmelgerichteten Blicken von Anna und Maria und bringen das fürbittende Gebet der Gläubigen zum Ausdruck.

Das Fest der heiligen Anna feiert die Kirche am 27. Juli.

Wolfgang Acht  


01. Juni 2018

Antependium am ehemaligen Hochaltar

Die Bilder sind auf Kupferplatten gemalt und zieren das Antipendium des Altars. Sie wurden 1909 von K. Peschges erstellt.      

Die drei Bilder sollen aufzeigen, was an diesem Altar vollzogen wird.  

Das linke Bild zeigt das Opfer Abrahams und Melchisedeks, also sozusagen die erste heilige Messfeier, die in der Schrift erwähnt wird (Genesis 14), ein Ursymbol des Opfers, das sich im Abendmahl wiederfindet. Links kniet ein Mann mit Weinkrug, ein anderer trägt einen Korb mit Brot. In der Mitte sieht man Melchisedek mit erhobenem Kelch, den er zugleich segnet. Vor ihm steht ein Altar mit Brot, vor dem Abraham in Rüstung und Mantel kniet. Rechts sieht man einen Mann mit Lanze, davor einen mit Schwert und Rüstung, kamen sie doch von einem erfolgreichen Kriegszug zurück und dankten jetzt dem Herrn.  

Das Mittelbild weist auf das Passahmahl der Israeliten vor dem Auszug aus Ägypten hin. Der Herr selbst hatte es ihnen aufgetragen. Sie sollten es in Eile essen und sich bereits als Pilger bekleiden, stand doch der Weg aus Ägypten in das gelobte Land an. So sehen wir zwei Männer mit Pilgerhut und Stäben am Tisch. Zwei Frauen sind mit dabei, von denen eine die Matzen für das Mahl schneidet, während die andere einen Pilgerstab trägt. In der Mitte schlachtet der Hausvater mit Pilgerhut das Lamm zum Mahl. Am Passahfest wird zur Erinnerung an dieses Mahl und an die Befreiung aus Ägypten jedes Jahr dieses Mahles gedacht. Auch Jesu feiert es von seinem Leiden mit den Jüngern und deutet es neu auf sich hin. In der heiligen Messe vollziehen wir also ebenso die Erinnerung an diese Mahlgemeinschaft Jesu mit seinen Jüngern. Er hat ihnen aufgetragen, es immer wieder zu seinem Gedächtnis zu feiern, was wir in der Eucharistiefeier nachvollziehen, die eben an diesem Altar gefeiert wird bzw. früher dort gefeiert wurde, während sich dieses Geschehen jetzt am Zelebrationsaltar in der Nähe der Gemeinde vollzieht.  

Das rechte Bild zeigt Abraham, der seinen Sohn Isaak opfern will, hatte der Herr ihn doch gebeten, ihm das Liebste zu opfern. Das Liebste war eben für ihn der Sohn. Doch der Herr stellt, nachdem er den Gehorsam Abrahams erkennt, einen Widder als Ersatz-Opfertier  durch einen Engel zur Verfügung. Hier auf dem Altar wird aber kein Ersatzopfer zur Verfügung gestellt, sondern Christus wird selbst zum hingebenden Opfer für alle.

 

Wolfgang Acht        


01. Mai 2018

Marienleuchter

Kölner Meister Johann Spee (1508); eine Doppelmadonna (1,30 m  hoch); das Werk gehört in den Kreis bedeutender noch vorhandener Marienleuchter (z. B. Emmerich, Kalkar und Erkelenz)      

Der Leuchter ist von der Symbolzahl acht bestimmt. Es ist die Symbolzahl der Auferstehung. Heißt es doch, dass Christus am ersten Tag der Woche, dem achten Tag, von den Toten erstanden ist.   Zu sehen sind jeweils vier Bilder doppelseitig: die Madonna, die Engel mit der Krone, die sie über Maria halten, die Heilieg Geist in Gestalt der Taube und darüber Gottvater im Strahlenkranz. Umgeben sind diese Figuren mit acht von Engeln getragenen Kerzenleuchtern. Vier Knäufe sind an der Tragstange bis zum Gewölbe zu sehen.  

Die Doppel-Madonna ist unterschiedlich gestaltet. Sie ist umgeben von einem Strahlenkranz mit acht spitzen und geschwungenen Strahlen. Sie steht auf einer Mondsichel (Hinweis auf die „große Frau“ der Apokalypse, 12. Kap.).

Unter der Madonna sind stilisierten Wolken zu erkennen. Von unten sieht man eine Teufelsmaske, aus der die acht Leuchter hervorgehen. Es soll symbolisch aufgezeigt werden, dass Luzifer (lat.: Lichtträger, im christlichen Sprachgebrauch später gleichbedeutend mit Teufel) besiegt wurde und nun selbst das Licht des neuen Lebens (die acht Lichtarme) tragen muss. Die erkennbaren Arkanthusblätter, Hinweis auf die Silberdistel, die als Paradiesblume  galt, weisen ebenfalls auf das verheißende Paradies hin.  

Dass der Leuchter genau in der Mitte der Längsachse der Kirche hängt, bringt zum Ausdruck, dass der, der die sakramentalen Vollzüge der Kirche mitfeiert, in diesem Leuchter erkennen darf, dass ihm die Vollendung verheißen ist. Wird doch in Maria erkennbar, dass sie die erste Vollendete sein darf und damit zum Urbild unserer himmlischen Vollendung wird.  


01. Februar 2018

Lambertuspredella in der Taufkapelle

Im September gedenkt die Kirche des ersten Maastrichter Bischofs Lambertus (635 – 705). Er, der das Opfer einer Blutrache wurde, war ein hoch geschätzter Mann und wurde vor allem in Belgien, aber auch am Niederrhein verehrt, so dass es im Antonius-Jakobus-Altar (Anfang des 16. Jh.) zwei große Schnitzbilder gibt, die ihm gewidmet sind. Die Predella für diesen Altar enthält fünf Ölbildern auf Holz, die Szenen aus dem Leben dieses Bischofs zeigen. Dieses Werk befindet sich heute in der Taufkapelle der Kirche. Es wurde dorthin gebracht, als es im 19. Jh. die Vorschrift gab, in jeden Altar einen Tabernakel und Kerzenbänke einzubauen, so dass dieses wertvolle Werk unter den großen Schnitzbildern des Altars entfernt wurde. Folgende Bilder sind zu erkennen: Links tritt ein Bischof an den gedeckten Tisch eines vornehmen Mannes, dessen Gesicht an Kaiser Maximilian erinnert. In der Mitte wird die Ermordung des hl. Lambertus an einem Altar dargestellt. Rechts sieht man eine Kampfszene. Darunter  sind zwei Tafeln mit Bildern, die auf die Legende des hl. Lambertus zurückzuführen sind. Ein Bischof mit Gefolge wird von Mönchen an der Klosterpforte begrüßt. Daneben ist eine Innenraumszene zu sehen, die den Bischof inmitten von sehr Männern zeigt. Die Bedeutung ist im Einzelnen nicht mehr zu erschließen. Es ist erstaunlich, wie frisch die Farben aufgrund einer Renovierung oder Konservierung noch leuchten.  Wolfgang Acht    


01. Januar 2018

Antoniusaltar

Der heilige Antonius wird hier mit Mönchshabit dargestellt. Als Beigabe trägt dieser ein Kreuz in T-Form (Antoniuskreuz bzw. ägyptisches Kreuz) mit Glöckchen. Es weist darauf hin, das es den Antonitern erlaubt war, Almosen für die von ihnen betreuten, notleidenden und kranken Menschen zu sammeln. Sie machten sich mit einem Glöckchen bemerkbar.

Neben der Figur steht ein Schwein zur Erinnerung an das Privileg der Antoniter, als Entgelt für ihre Krankendienste, Schweine auch innerhalb ihres Klostergeländes halten zu dürfen.  

Aber nicht Antonius selbst, sondern ein Edelmann stiftete im Mittelalter die religiöse Genossenschaft der Antonius-Brüder zur Pflege von Pest- und Schwerkranken. Der Edelmann hatte auf die Fürsprache des hl. Antonius erlebt, dass sein Sohn geheilt wurde. Durch diesen Orden erlangte Antonius dann auch seine Beliebtheit bei den Menschen.  

Wer war dieser Antonius, der auch Mönchsvater genannt wurde?   Geboren wurde er um 251 n. Chr. in Mittel-Ägypten als Sohn reicher Eltern, die er früh verlor. Um Trost zu finden, ging er in die Kirche und hörte dort  die Worte der Schrift: „Wenn du vollkommen sein willst, dann verkaufe alles, was du hast und gib der Erlös an die Armen, dann folge mir“ (Mt 19, 16 ff).  Das bewegte ihn, Abschied von Zuhause zu nehmen und in die lybische Wüste als Eremit in Einsamkeit zu leben. 20 Jahre blieb er dort. Viele suchten ihn auf, um Rat und Beistand zu finden. Später kehrte er aber nach Alexandrien zurück, um die verfolgten Christen zu ermutigen und zu trösten. Doch es zog ihn wieder in die Wüste und seine Schüler folgten ihm. So wurde er zum „Vater“ der Mönche und Einsiedler. Er beriet sogar Kaiser Konstantin. Antonius, der „Wüstenvater“ soll 105 Jahre alt geworden sein. Er wird als „Stern der Wüste“ bezeichnet.  Sein Grab wird in Arles, Südfrankreich, verehrt. In der Kirche wird sein Gedenktag am 17. Januar gefeiert.   Von „Versuchungen“ soll er geplagt gewesen sein. Viele mittelalterlichen Bilder - auch im hiesigen Altar zu sehe - zeigen das in dramatischer Form. Doch der Herr selbst soll ihm beigestanden haben. So zeigt es auch das rechte Bild, in dem Jesus ihm begegnet. Ein weiter Einsiedler, Paulus von Theben, soll mit ihm in der Wüste gelebt haben. Sie sind sich dort oft begegnet. Antonius findet Paulus tot auf, wie man es auf dem linken Bild sieht.    

Wolfgang Acht     

 


01. Dezember 2017

Hausaltar

Dieses kleine Kunstwerk ist um 1460 – 1480 entstanden. Das Schreingehäuse ist aus dem 19. Jahrhundert.

Der Flügelaltar wird sowohl dem Meister der Tiburtinischen Sibylle zugeschrieben als auch dem Meister von Aventin oder der Mechelner Schule. Der zweiflügelige Hausaltar in Form eines spätgotischen Retabel ist kunsthistorisch noch wenig erforscht.

Die Malereien auf Eichenholz zeigen im Mittelteil eine Anna „Selbdritt“ in einer seltenen Zuordnung der Personen. Das Jesuskind steht erhöht auf einem Kissen der Sitzbank zwischen Maria und Anna.

Auf dem linken Innenflügel ist die Geburt Jesu, auf dem rechten die Beschneidung dargestellt. In beiden Darstellungen finden sich Landschaftsdetails.

Schließt man beide Flügel, sieht man links den legendären Tempelgangs Mariens vor einer idealisierten Landschaft rechts. Begleitet wird sie von Anna und Joachim sowie zwei Frauen und einem Mann. Maria steigt 15 Stufen zum Tempel hinauf. Sie weisen auf die „Stufenlieder“ bei Aufgang zum Tempel, bzw. auf den „Stufenweg der Vollkommenheit“ hin (früher als „Gradualpsalmen“ noch im Chorgebet üblich). Maria wird von einem Priester im Bischofsornat empfangen. Das bischöfliche Ornat will wohl den Hohenpriester kennzeichnen, der selbst die Weihe des Mädchens im Tempel vornimmt. Maria selbst ist am Fenster mit einem Buch in der Hand zu sehen, ein Hinweis auf ihre Schrifttreue. Unterhalb der Turmtreppe ist der Teufel in Gestalt eines Äffchens an eine Kette gelegt, daneben steht ein Hund. Es wird symbolisch gezeigt, dass durch die Geburt Jesu, des Erlösers, zu der Maria erwählt wird, das Böse endgültig besiegt wird.

Wolfgang Acht


01. November 2017

Annenaltar - Das Weltgericht

Wenn in der Advents- und Fastenzeit die Altarflügel vor den Mittelteil des Altars geklappt werden, wird  das Bild vom „Weltgericht“ bzw. „Jüngsten Gericht“ sichtbar. Besonders im 12. Jh. wird es in plastischen Szenen über den Portalen der gotischen Kathedralen sowie Fresken innerhalb der Kirchen bestimmend. Das weltweit bekannteste ist das „Jüngste Gericht“ an der Stirnwand der Sixtinischen Kapelle, das Michelangelo 1541 vollendete.
Die Thematik ist nicht einer mittelalterlich furchteinflößenden Verkündigungspraxis geschuldet, sondern greift den Gerichtsgedanken der Schrift auf. Schon bei den Propheten findet sich dieser, dann in der Predigt Johannes des Täufers sowie bei Jesus. Beide rufen zur Umkehr auf und machen deutlich, dass Gott einst Rechenschaft von jedem verlangen wird. In den Gleichnissen vom „Unkraut im Weizen“ (Mt13, 24ff) oder vom „Weltgericht“ (Mt 25, 14 ff) wird das erkennbar. Es dürfte nicht verwundern, dass sich diese Bildthematik in der christlichen Kunst immer mehr durchsetzt.

Auf den rückwärtigen Altarflügeln des Annenaltar ist zu sehen:
    Oben in der Mitte der wiederkehrende Christus und Weltenrichter auf dem Thron, umgeben von Engel, die die „Leidenswerkzeuge“ der Passion tragen. Dem Thronenden ist links eine Lilie (Symbol für den Maßstab) und rechts ein Schwert (Symbol der Vollmacht zugeordnet.  Er weist mit seiner rechten, erhobenen Hand auf die hin, die zu den Auserwählten gehören dürfen  und mit der linken nach unten zu den Verworfenen.
    Neben ihm sind links und rechts die „Aufrechten“ / „Gerechten“ (Heilige und Apostel) zu sehen.
    Darunter rufen Engel mit Trompeten links die Toten vor den Thron und rechts werden die  „Verworfenen“ unterhalb einer brennenden Stadt von dämonischen Wesen in die Verdammnis geführt. 

In der Advents- und Fastenzeit soll durch dieses Bild der Umkehrgedanke betont und herausgefordert werden. Es bleiben bei der Schließung des Altars dennoch die Bilder von der Geburt Jesu, der Anbetung der Könige und der Weihe Jesu im Tempel sichtbar.
Durch die Menschwerdung Jesus werden wir zur Beziehung mit Gott ermutigt, aber auch herausgefordert. Wir sollen mit unserem Leben Konsequenzen aus dem Entgegenkommen Gottes ziehen und, übertragen gesprochen, wie er Mensch zu werden.


01. Oktober 2017

Die Albiez Orgel

Wenn in unseren Kirchen eine Orgel erklingt, dann erhebt sie die Herzen der Gläubigen auf wunderbare Weise. Mal majestätisch Gottes Größe lobend, mal leise flehend das Gebet der Menschen unterstützend, mal in frohem Klang, weil es Feste des Lebens zu feiern gilt, mal in melancholischen Tönen, weil die Trauer uns das Sprechen versagt. Mit der Vielzahl ihrer Register und Pfeifen wird die Orgel zu einem Vorbild für alles menschliche Zusammenleben. Durch den strömenden Wind werden die einzelnen Pfeifen lebendig und ergeben jenen unverwechselbaren Klang des Instruments, das ganz unbescheiden die „Königin der Instrumente“ genannt wird. Vielleicht kommt die Bezeichnung auch daher, dass sie durch ihr Spiel in der Feier der Gottesdienste die Gemüter der Menschen ganz nah mit der Ewigkeit Gottes, mit seinem Himmel, in Berührung bringt. In der Kempener Propsteikirche ist eine 500-jährige Geschichte von Orgeln bezeugt. Davon zeugt das erhaltene und restaurierte zweitälteste Orgelgehäuse der Renaissancezeit in Deutschland und eine klingende Orgel, die Albiez Orgel, die über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt ist und sehr geschätzt wird. Die finanzielle Grundlage für dieses noch sehr junge Kunstwerk in der Propsteikirche legte Propst Johannes Hüskes, Pfarrer in Kempen von 1963 – 1973. In seinem Testament hinterließ er rund 300.000 DM für eine neue Orgel. Der Orgelbau- Verein besorgte die restlichen 200.000 DM. Die Disposition erstellten Viktor Scholz aus Mönchengladbach und Walter Damm aus Kempen in Verbindung mit dem Orgelbaumeister Winfried Albiez aus Lindau am Bodensee. Die Intonation, die Krönung des Orgelbaus, entscheidet über Erfolg und Misserfolg aller übrigen Arbeiten. Jede einzelne Pfeife wird nach Tonansatz, Klangfarbe und – stärke auf den Raum abgestimmt, entsprechend dem Klangbild, das der Erbauer schon bei der Gesamtplanung zugrunde gelegt hat. Das 44 Register zählende Kunstwerk ist in besonderer Weise auf französische Orgelmusik ausgerichtet. Organisten von Weltruhm rühmen dieses Werk. Die Orgel wurde am 22.September 1979 eingeweiht.

 

Propst Dr. Thomas Eicker

Heinz Wilhelm Wolters

Die Schönheit einer Orgel kann man am besten beurteilen, wenn man ihren Klang auch hört. Der Kempener Kantor und Organist Christian Gössel spielt eine Imrovisation über eine Melodie, die im Gotteslob unterlegt ist mit dem Text  "Maria Mutter unseres Herrn".

Daher empfehlen wir Ihnen das nebenstehende Video!


01. September 2017

Der Annenaltar - Jesus der Davidssohn

Im Buch Jesaja heißt es: „Aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht“ (Jes 11, 1).  

Dieses Wort wird im Bild unter der „heiligen Sippe“ dargestellt. Es ist dort  Jesse, der Vater Davids zu sehen. In ihm ist der Ursprung des Davidsstammes biblisch bezeugt. Gilt doch David im Ersten Testament als die messianische Gestalt und als Urbild des verheißenen Messias.  

Man erkennt den schlafenden Stammvater Jesse (Isai = „Mann Gottes“) unter dem Baldachin eines kostbaren Beduinenzeltes. Aus seinem Schoß wächst die „Wurzel Jesse“ hervor, die zu einem Baum wird, in dessen Zweigen die zwölf Könige aus dem Stamm Davids hervorgehen. Diese „Stammväter“ umranken das mittlere Bild des Annenaltars. Im linken Rankenwerk ist König David mit der Harfe zu erkennen.   Die Spitze dieses Rankenwerkes zeigt die „Lebensfrucht“ des Davidstammes, das Christuskind auf dem Schoß Mariens. Maria reicht ihm eine Traube als Symbol für das bevorstehende Leiden. Wie die Traube in der Kelter zertreten wird, um den kostbaren Saft freizugeben, so wird Jesus am Kreuz mit seinem Blut allen Menschen die heilende Kraft der Erlösung schenken.  

Wolfgang Acht 


01. August 2017

Der Annenaltar - die heilige Sippe

Das Zentralbild des Annenaltars stellt die „Heilige Sippe“ dar. In der Mitte der Gruppe erkennt man Maria und Anna mit dem Jesuskind. Dahinter und daneben stehen die drei Männer Annas (zwei links einer rechts). Josef steht rechts neben Maria. Maria trägt das Kind, das sich Anna zuwendet. Anna hat ein Buch in der Hand. Es soll darauf hinweisen, dass sie Maria und ihre weiteren Töchter in die Schrift eingeführt hat.

Anna, so will es die „legenda aurea“ wissen, soll dreimal verheiratet gewesen sein. Als ihr erster Mann Joachim starb, heirate sie dessen Bruder Kleophas und als dieser starb der Bruder Salomas. Der jüdische Brauch sieht vor, dass eine Witwe nicht alleine bleiben soll, sondern mit einem der unverheirateten Brüder vermählt wird, damit sie emotional und finanziell abgesichert ist.

Links und rechts der Gruppe sitzen deshalb die weiteren Töchter aus diesen Ehen mit dem Namen Maria. Diese hatten zwei bzw. vier Kinder. Sie sind vor ihren Müttern zu sehen. Zwei davon spielen ein niederrheinisch übliches Bügelspiel, bei dem sie ein Hund beobachtet.  Es sind mit Jesus insgesamt sieben Kinder (Sieben ist eine heilige Zahl - eine Anspielung auf die sieben Tage der Schöpfung).

Das Bild der „heiligen Sippe“ soll deutlich machen, dass Jesus, der Retter und Erlöser zu einer jüdischen Familie gehört, also das Kind einer großen Familie wurde. Die Kinder sollen jeweils spätere Apostel gewesen sein. Es sind Johannes (der spätere Evangelist), Joseph genannt Justus, Jakobus der jüngere und Jakobus der ältere sowie Judas Thaddäus und Simon Kanaanäus. So werden die Apostel zu Vettern Jesu, steht doch in der Schrift, dass Jesus Brüder und Schwestern hatte (s. Mk 3, 32 ff – von den wahren Verwandten), diese folglich nicht die Söhne der jungfräulichen Gottesmutter Maria sein konnten.

Wolfgang Acht


01. Juli 2017

Der Annenaltar

Die Annenbruderschaft  

Die Annenverehrung wurde in Kempen von der Annenbruderschaft gefördert. Zu den Pflichten der Bruderschaft gehörte die Teilnahme an der Messe an jedem Dienstag der Woche (am „Annentag“) sowie Solidarität und Hilfe in der Gemeinschaft und deren Unterstützung für die Armen.   Die Bruderschaft feierte ihre Gottesdienste in der linken Turmkapelle, die ihr zugewiesen war. Sie war einflussreich und bestand aus vielen gut situierten Bürgern. So konnte sie sich auch die Anfertigung eines kostbaren Altars leisten. Für die von ihr genutzte linken Turmkapelle wollte sie einen würdigen Altar haben.      

Der Antwerpener Künstler  

Die Annenbruderschaft wandte sich mit ihrem Anliegen an den Antwerpener Meister Adriaen van Overbeck und vereinbarte mit ihm vertraglich die entsprechenden Bedingungen und die inhaltliche Konzeption. Das Original des Vertrags vom 11. August 1513 findet sich heute noch im Kempener Stadtarchiv. Der Vertragstext ist in mittelhochdeutscher Sprache verfasst und weist einige inhaltliche Vorgaben der Auftraggeber für die Bildfolgen auf.   Ausgeliefert wurde der Altar jedoch nicht wie geplant am 26. Juli 1514, dem Namensfest der heiligen Anna, sondern erst am 15. August, dem Festtag „Mariä Himmelfahrt“. Aufgestellt war er in der für die Annenbruderschaft genutzten Turmkapelle. Er wurde aber nach der großen Kirchenrenovierung um 1860 in den Chorraum gesetzt und  wurde somit zum Hauptaltar der Kirche.      

Inhaltliche Konzeption des Altares  

Der Annenaltar in der Propsteikirche entspricht dem bekannten Konzept der Antwerpener Flügelaltäre: sie bestehen aus einem erhöhten, geschnitzten Mittelteil mit standardisierten Bildern und einem oder mehreren meist gemalten Flügelpaaren, die sich der Thematik von Heiligenviten annehmen. Im Annenaltar sind es Maria und deren Mutter Anna. Es soll gezeigt werden, dass Maria und ihr Kind Jesus Teil einer menschlichen Familie sind, einer „heiligen Sippe“.   Vor allem wollen die Schnitzbilder aufzeigen, dass Jesus Christus in eine familiäre, menschliche Umgebung, in eine „heiligen Sippe“ hineingeboren wurde. Seine „irdische Familie“ wird als der moralische und makellose Ort der Menschwerdung Gottes gedeutet. Entnommen sind die Bildthemen des Annenaltars der „legenda aurea“, eine Sammlung von ursprünglich 182 Traktaten zu Kirchenfesten und Heiligenlegenden des Dominikaners Jacobus de Voragine (um 1230 – 1298) sowie der „Geschichte der heiligen Mutter St. Anna“ von Wouter Bor (um 1500).   Diese „Legenden“ orientieren sich am Neuen Testament, besonders an den Kindheitsgeschichten, mehr aber noch an apokryphen Schriften (vor allem am „Jakobusevangelium“) sowie Apostel- und Märtyrerakten. Auf die Geschichte der Mutter Anna von Wouter Bor dürfte die seltene Darstellung auf den rechten Altarflügel vom Tod Annas beim Besuch ihres Enkels Jesus zurückzuführen sein.      

Die Altarbasis      

Die Altarplatte (Mensa) und die Basis des Altars sind erst bei der Umstellung des Annenaltars in den Chorraum erstellt worden. Sie sind aus Sandstein (98 cm x 258,5 cm x 128 cm). Am Antependium (Sichtseite der Basis) sind drei Gemälde auf Kupferplatten in die steinerne Rahmung eingesetzt (Bildgröße: 54 cm x 61 cm links, 55 cm x 59,5 cm mittig, 55 x 60 cm rechts). Es handelt sich (von links nach rechts) um das Mahl von Abraham und Melchisedek, das Paschamahl vor der Befreiung aus Ägypten und um das von Gott von Abraham geforderte Opfer seines Sohnes Isaaks.   Sie weisen inhaltlich auf das hin, was an und auf diesem Altar in der Messfeier vollzogen wird. Es geht sowohl um eine Tradition aus der Frühzeit, als auch um die Erinnerung an das Passahmahl vor der Befreiung aus Ägypten, an das Jesus beim letzten Abendmahl anknüpft. Vor allem aber um die Hingabe Jesu Christi, der sich selbst hingebend schenkte und von hier aus erneut schenken will.  

Wolfgang Acht


01. Juni 2017

Das gotische Sakramentshaus

Bei diesem Kunstwerk handelt es sich um ein Werk des Kölner Dombaumeisters Conrad von Köln und seiner Domwerkstatt. Es wurde 1461 – 1462 aus Sandstein für 300 Goldmark gefertigt. Das Werk ist 7,20 m hoch und gliedert sich in drei Ebenen, einem Fußteil, darüber die Tabernakelkammer mit Giebelkrönung und ein zweistöckiges Strebwerk an der Spitze. Die Figuren beziehen sich auf das sakramentale Brot, das hier aufbewahrt wird.

So findet sich:

  • im Rankenwerk der gegeißelte Jesus, umgeben von Engeln mit den „Leidenswerkzeugen“;
  • im darunter liegenden Ziergiebel die Figur des heiligen Paulus (Verkünder der Frohbotschaft weit über das Land Israel hinaus), des Petrus (der „Erste“ der Apostel) und Marias mit Kind (die „Gottesmutter“).

 

  • An der Tabernakelkammer sind als „Tabernakelwächter“ die so genannten „Kölner Marschälle“ angebracht: Papst Kornelius, Bischof Hubertus, Antonius der Wüstenvater und Quirinus von Neuss, die zugleich Pfarrpatrone der Nachbargemeinden sind. Die Figuren zeigen zugleich die Verbindung zur Kölner Kirchenprovinz, zu der Kempen früher gehörte.
  • Im unteren Sockelbereich stehen die Patrone der Tochterkirchen in jeweiliger Himmelsrichtung der Kirchen: St. Godehard (Patron von Vorst), St. Vitus (Patron von Oedt), St. Nikolaus (Patron der Kapelle in Schmalbroich) und St. Cyriakus (Patron von Hüls). Sie zeigen die enge Verbindung der ursprünglich vereinten Gemeinden im Umfeld von Kempen, die heute strukturell wiedergegeben ist.

Das Sakramentshaus ist also nicht nur ein künstlerisch hervorragendes Werk, sondern zugleich stellt es eine bildhafte Verkündigung dar für das, was im Tabernakel aufbewahrt wird, das „Brot des Lebens“, der hingebende Christus selbst.  

Wolfgang Acht


01. Mai 2017

Das Magnifikatfenster

Passend zum Marienmonat Mai, möchten wir dieses Fenster vorstellen. Es wurde von Professor Emil Wachter gestaltet und konnte 1986 im Turmraum der Kirche eingefügt werden, weil bei der großen Kirchenrenovierung der 80er Jahre dort ein kleines Fensterloch wiederentdeckt wurde.  

Das Fenster ist der Tradition der „Bibelfenster“ verpflichtet, die sich besonders in den großen gotischen Kathedralen als Zentralfenster im Chorraum eingefügt sind (z. B. im Kölner Dom). Sie sind vielfach in einer Folge aufeinander abgestimmter Bildpaare gestaltet und möchten dem Betrachter die Verknüpfung von Erstem (AT) und Zweitem Testament (NT) vor Augen führen.

Hier weisen die Szenen in der linken Fensterbahn auf das Buch Samuel im Ersten Testament hin. Sie sollen als sogenannte „typologische“ Bilder das Geschehen aus der Kindheitsgeschichte und dem Marienleben (Zweites Testament) auf ihre Weise deuten.      

Folgen wir der Thematik der Bilder gemäß der Deutung von unten nach oben:       

Links erbittet Elkanas Frau Gottes Beistand, um Kinder empfangen zu dürfen. Sie wurden  prophetische Menschen (s. Buch Samuel). Die Rose rechts weist ihrerseits auf Maria hin, die durch die Erwählung Gottes zur „geheimnisvollen Rose“ wird (= eine Anrufung in der lauretanischen Litanei) weil sie den Messias gebären darf.

Links weist Hanna den Tempelpriester Eli darauf hin, dass sie Gott um Nachwuchs gebeten hat und dadurch zum Kindersegen kam (1 Sam 1, 14 – 17). Maria wird rechts durch den Engel Gabriel verkündet, dass Gott sie erwählt hat, den Heilsbringer Jesus zur Welt bringen zu dürfen (Lukas 1, 26 – 38).

Links steht Hanna, die mit erhobenen Händen Gott für seine Güte preist (1 Sam 2, 1 – 11). Rechts sieht man die Begegnung Mariens mit ihrer Base Elisabeth, bei der Maria ebenso das Handeln Gottes an ihr und allen Menschen im Lied des Magnifikat preist (Lukas 1, 46 – 56).

Schließlich zeigt oben das linke Bild, wie Hanna ihren Sohn Samuel dem Tempel weiht (1 Sam 24 – 28), der später seinem Volk den Weg Gottes zeigt. Rechts weist das Weihnachtsbild auf die Menschwerdung Gottes in Jesus hin, der für uns alle zum Heil wurde (Lukas 2, 1 – 7).      

Als Grundierung wurde die Farbe blau gewählt. Sie steht symbolisch für Unberührtheit und Reinheit, die besonders dem Himmlischen eigen ist. Von daher hat sich Blau zur Muttergottesfarbe herausgebildet. In der Kunst wird Maria deshalb häufig mit hell- und mittelblauem Mantel als „Königin des Himmels“ dargestellt.  

Das Fenster ist eine bildhafte, leuchtende Verkündigung der Heilsbotschaft für die Betrachter. Im Turm, also am Eingangsportal hat es einen durchaus symbolisch angemessenen Platz, bereitet es doch den Kirchenbesucher auf das in der Kirche gefeierte Geschehen hin.      

Wolfgang Acht


01. April 2017

Der Kreuzweg in der Kempener Propsteikirche

Die Geschichte des Kreuzweges

Die urchristliche Gemeinde von Jerusalem begann schon im 4. Jh. dem vermuteten Kreuzweg Jesu in Jerusalem nachzugehen. Der eigentliche Brauch entwickelte sich dort aber erst durch die Franziskaner im 14. – 15. Jahrhundert. Die Gläubigen von Jerusalem und die Pilger sollten zum Mitvollzug des Passionsweges Jesu angeregt werden. Für die Stationen stützte man sich auf biblisch bezeugte Hinweise, fügte aber später weitere besinnliche dazu, wie die legendäre Station „Veronika reicht Jesus das Schweißtuch“. Gab es zuerst 12 Stationen, orientiert an der Zahl des neuen Bundes wurden es später vierzehn Stationen (2 x 7, sieben, eine heilige Zahl). Aber erst im 18. Jh. verbreitete sich der Brauch weltweit. Inzwischen findet sich in moderneren Kreuzwegen eine 15. Station: „Der von den Toten auferstanden ist.“ Den Kreuzweg in der Kempener Propsteikirche gab der damalige Pastor Schlünkes in Auftrag. Die Bilder wurden vom Kirchenmaler Heinrich Lamers in der Zeit zwischen 1895 und 1910 auf Holz gemalt (Tafelgröße 130 x 100 cm). Eingeweiht und aufgehängt wurde der Kreuzweg im Mai 1910. Die vierzehn Stationen hängen im linken und rechten Seitenschiff. Die vierte und achte Station des Kreuzweges haben wir ausgewählt, weil auf ihnen Motive der Stadt Kempen erkennbar sind.

 

4. Station: Jesus begegnet seiner Mutter

Von Schmerz gebeugt, trägt Jesus das Kreuz und sieht seine Mutter. Sie neigt sich ihm zu. Die Soldaten, die Jesus mit dem Kreuz vor sich her treiben, schauen skeptisch. Maria wird von zwei Frauen und dem Lieblingsjünger Johannes begleitet. Das Gebäude im Hintergrund erinnert an das Rathaus von Kalkar. Jesus wird zum Ausgestoßenen. Das Bild ruft den Betrachter dazu auf, an Jesu Leidensweg wie die Mutter Anteil zu nehmen und sich an sein Wort zu erinnern: „Wahrlich ich sage euch: Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr mir nicht getan“ (Mt 25, 45).

 

8. Station: Jesus begegnet den weinenden Frauen

Der das Kreuz tragende Jesus wirkt hier fast souverän. Er wird aber wird von Simon von Cyrene unterstützt. Jesus wendet sich den weinenden Frauen und ihren Kindern zu. Die Frauen werden von einem Begleiter mit Lanze deutlich zurückgewiesen. Die beiden Söhne des Simon, Alexander und Rufus schauen teilnehmend zu. Jesus sagt laut der Schrift zu den Frauen: „Ihr Frauen von Jerusalem, weint nicht über mich; weint über euch und eure Kinder“ (LK 23, 28). Er bittet auch den Betrachter, sich mehr dem Leid und der Not der Mitmenschen anzunehmen, anstatt nur das Leid der Welt zu beweinen. Nicht rührselige Distanz, sondern aktive Anteilnahme ist gefordert. Auf dem Bild ist im Hintergrund eindeutig das Kuhtor von Kempen zu erkennen. Das Kreuzweggeschehen soll damit in die Nähe des Betrachters und der in der Kirche betenden Gemeinde und gerückt werden.


01. März 2017

Der Zelebrantenstuhl

Das große, aus Eichenholz geschnitzte Werk (Ende des 15. Jh.; B 2,30 cm, H 3,90 cm), ist erstaunlich detailreich ausgeführt. Es wurde eventuell von Johannes Gruter geschnitzt, der auch die Chorgestühle der Kirche fertigte. Dieses Werk wurde aufgrund des Hinweises des Kölner Erzbischofs Hermann IV. von Hessen, er werde häufiger auch in Kempen residieren, als bischöflicher „Thron“ in der Kirche aufgestellt. In der Mitte ist Platz für den Bischof als Hauptzelebrant und rechts und links Platz für den Diakon und Subdiakon (Kleriker niedriger Weihestufen) die früher als Assistenten mitwirkten.
Oben im Baldachinbereich erkennt man hochwertige fünf männliche Gestalten mit Musikinstrumenten, unter ihnen König David mit Harfe. Sie wollen als Musiker gleichsam auf den Lobgesang im Gottesdienst verweisen. Als Wangenfiguren im Sitzbereich ist links Christus als Salvator (Retter) mit dem Buch des Lebens dargestellt. Er ist der, der die Mitte des Glaubens darstellt. Rechts steht Petrus ebenfalls mit Buch und Schlüsseln. Diesem galt stellvertretend für die Apostel doch Jesu Wort: „Dir werde ich die Schlüssel des Himmelreiches geben“ (Mt 16, 19). Diese etwas einfacher gestalteten Figuren dürften von einem anderen Schnitzer geschaffen worden sein. Sie wurden eventuell erst nachträglich eingefügt.

Auf der Rückwand des Stuhls (nur vom Chorumgang aus zu sehen), erkennt man rechts das Wappen des Kölner Erzbischofs Hermann IV. von Hessen (geb. 1449, auch der „Friedsame“ genannt) mit dem hessischen Löwen, in der Mitte das Kreuz mit den „Leidenswerkzeugen Christi“ und links das Stadtwappen von Kempen (die früheste Darstellung).
Die Kempener stifteten ihrem Landesherrn 1486 dieses Schnitzwerk. Dieser spendete daraufhin ein Glasfenster mit der hl. Ursula oberhalb der Sakristei, das nicht mehr vorhanden ist.


01. März 2017

Ein Kunstraub von Altarfiguren aus dem „Kreuzaltar“

Die Bilder weisen auf einen Vorgang hin, der in den rheinischen Medien Mitte 2016 für Überraschung sorgte. Es wurde auf einen Kunstraub von 1969 in der Propsteikirche St. Mariae Geburt hingewiesen.

Vor 46 Jahren wurden aus der linken unteren Schnitzgruppe der Beschneidung Jesu die Mittelfiguren, weiterhin zwei Figuren aus dem mittleren Bild der „heiligen Sippe“ und zwei aus dem rechten Bild, dem Marienbegräbnis geraubt. Der Diebstahl wurde damals nicht bekannt gegeben, war es doch peinlich, den Raub aufgrund der nicht genug befestigen Figuren nicht verhindert zu haben. Zwei Jahre später, im Jahr 1971, entschloss man sich , die fehlenden Figuren durch den erfahrenen Schnitzer und Restaurator, Wilhelm Hable aus Meerbusch, kopieren zu lassen.

Dieser hat eine erstaunlich gute handwerkliche Arbeit geleistet. Es standen ihm für diese Arbeit nur Schwarzweißfotos der Schnitzgruppen zur Verfügung, nach denen er die fehlenden Figuren kopierte und die Farbgebung dem oberen Altarensemble anpasste. Jetzt, wo die Originale wieder aufgetaucht sind, erkennt man, wie gut die Kopien gelungen sind.

Viele haben den Verlust gar nicht richtig wahrgenommen.

Die Originale aus dem Jahr 1520 wurden im Februar 2016 im Klostergarten Maria Lach anonym in einer Tragetasche abgestellt. Durch vorgenommene Recherchen des Bundeskriminalamtes konnten die Originale den jeweiligen Orten im Rheinland, wo man sie gestohlen hatte, zugeordnet werden. Vor der anstehenden Renovierung wurden die Originale mit den Kopien in einer Ausstellung im Kramermuseum der Stadt Kempen ausgestellt.   Der Renovierung bedarf es, weil die Figuren stark verschmutzt und Farbteile abgesprungen sind.   Diese Arbeiten sind aufwendig, daher sucht die Propsteipfarre Spender für diese Arbeit. Nach der Renovierung sollen die Figuren wieder ihren angestammten Platz im Kreuzaltar finden.  

Die Fotos zeigen einmal die Originale in dem noch nicht restaurierten Zustand und die Kopien von Wilhelm Hable aus Meerbusch aus dem Jahre 1971.

Pfarrer Wolfgang Acht


01. Februar 2017

Der Zelebrantenstuhl (2)

Das große, aus Eichenholz geschnitzte Werk (Ende des 15. Jh.; B 2,30 cm, H 3,90 cm), ist erstaunlich detailreich ausgeführt. Es wurde eventuell von Johannes Gruter geschnitzt, der auch die Chorgestühle der Kirche fertigte. Dieses Werk wurde aufgrund des Hinweises des Kölner Erzbischofs Hermann IV. von Hessen, er werde häufiger auch in Kempen residieren, als bischöflicher „Thron“ in der Kirche aufgestellt. In der Mitte ist Platz für den Bischof als Hauptzelebrant und rechts und links Platz für den Diakon und Subdiakon (Kleriker niedriger Weihestufen) die früher als Assistenten mitwirkten.
Oben im Baldachinbereich erkennt man hochwertige fünf männliche Gestalten mit Musikinstrumenten, unter ihnen König David mit Harfe. Sie wollen als Musiker gleichsam auf den Lobgesang im Gottesdienst verweisen. Als Wangenfiguren im Sitzbereich ist links Christus als Salvator (Retter) mit dem Buch des Lebens dargestellt. Er ist der, der die Mitte des Glaubens darstellt. Rechts steht Petrus ebenfalls mit Buch und Schlüsseln. Diesem galt stellvertretend für die Apostel doch Jesu Wort: „Dir werde ich die Schlüssel des Himmelreiches geben“ (Mt 16, 19). Diese etwas einfacher gestalteten Figuren dürften von einem anderen Schnitzer geschaffen worden sein. Sie wurden eventuell erst nachträglich eingefügt.

Auf der Rückwand des Stuhls (nur vom Chorumgang aus zu sehen), erkennt man rechts das Wappen des Kölner Erzbischofs Hermann IV. von Hessen (geb. 1449, auch der „Friedsame“ genannt) mit dem hessischen Löwen, in der Mitte das Kreuz mit den „Leidenswerkzeugen Christi“ und links das Stadtwappen von Kempen (die früheste Darstellung).
Die Kempener stifteten ihrem Landesherrn 1486 dieses Schnitzwerk. Dieser spendete daraufhin ein Glasfenster mit der hl. Ursula oberhalb der Sakristei, das nicht mehr vorhanden ist.


01. Januar 2017

Der Zelebrationsaltar

Stand der erste romanische Altar der Kirche dort, wo jetzt der Zelebrationsaltar steht, so wurde dieser aufgrund des veränderten liturgischen Verständnisses im Mittelalter in den Zenit des Chorraumes gelegt und mit entsprechenden Bildern der Heilsgeschichte ausgestattet. Darüber hinaus standen bis zur beginnenden umfassenden Renovierung ab 1860 noch weitere fünfzehn Altäre in der Kirche.

Seit der Liturgiereform des zweiten Vatikanischen Konzils (1962 - 1965) sollte das liturgische Geschehen die Gottesdienstgemeinde mit einbeziehen. Um den Mahlcharakter der Eucharistiefeier zu betonen, wurde der Altar wieder als Mitte verstanden, um die sich die Gemeinde Jesu Christi versammelt. Im Jahre 2009 konnte eine lange Erprobungszeit mit der Weihe des neuen Altars abgeschlossen werden.

Der Kempener Steinmetz Manfred Messing gestaltete aus schwedischem Granit exakt in der Blickachse unter dem Vierungsgewölbe und im Schnittpunkt der drei Antwerpener Altäre für den neu gestalteten Chorraum den jetzigen Zelebrationsaltar mit Ambo.

Der Altar, das Herz der Kirche, wächst gleichsam aus dem Boden. Er ist aus festem Stein, der den Eckstein Christus symbolisiert, wie es im 1. Petrusbrief heißt. Die Dreiteilung des Steins nimmt die Dreiteilung der Flügelaltäre auf. Der geteilte und doch zusammenstehende Stein verweist auf das Geschehen auf dem Altar. Hier wird das Brot, das Jesus Christus selbst ist, geteilt und ausgeteilt, damit alle als eine Gemeinschaft des Leibes Christi zusammenstehen.

Die zwei Einschnitte geben dem Steinblock eine sichtbare Transparenz. Die beiden goldenen Linien, auf- und absteigend, erinnern an die Einheit und Liebe, die alles zusammenhält und vollkommen macht, wie es Paulus im Kolosserbrief ausdrückt (Kol.3,14)

Der seitlich davorstehende Ambo aus gleichem Stein, von dem das Wort Gottes gelesen wird, korrespondiert mit dem Altar. Auch er erwächst wie eine Säule aus dem Boden.

Auszug aus dem Kirchenführer "Kirchen in der Thomasstadt Kempen"


01. Dezember 2016

Drei weihnachtliche Bilder im Annenaltar

Die hier gezeigten und gedeuteten Bilder, sind im Annenaltar zu finden. Sie befinden sich unterhalb der großen Schnitzbilder, die sich an eine legendäre Lebensbeschreibung der Mutter Mariens, der heiligen Anna ausrichten. Der Altar steht seit 500 Jahren in der Kirche. Er wurde 1513 von der Annenbruderschaft bei dem bekannten Maler und Schnitzer Adriaen van Overbeck von Antwerpen in Auftrag gegeben. Wie wertvoll die Arbeiten sind, lässt sich daran sehen, dass die Bruderschaft dafür 300 Goldgulden zahlte, eine beträchtliche Summe für die damalige Zeit. August 1514 wurde das große Werk  in der Annenkapelle, der linken unteren Turmkapellen aufgestellt. Bei einer der großen Renovierung der Kirche um 1860, wurde er dann in den Chorraum gesetzt, wo er seitdem als Hochaltar der Kirche fungiert.
Die drei hier gezeigten und gedeuteten Bilder befinden sich in unteren Teil und wollen auf die Menschwerdung Gottes in Jesus hinweisen. Sie wollen bezeugen, dass in ihm Gott in menschlichem Antlitz erschienen ist. Deshalb bleiben die Bilder auch sichtbar, wenn der obere Teil des Altars in der Advents- und Fastenzeit geschlossen und das Bild vom Endgericht sichtbar wird. Dadurch soll verdeutlicht werden, dass Christus am Ende des Lebens von jedem Menschen Rechenschaft für die Antwort auf sein Entgegenkommen fordert.

Die Geburt des Herrn (nach Lukas 2, 1  - 29)

Dass es sich hier nicht um eine alltägliche Geburt eines Kindes handelt, wird schon am Engel deutlich, der hinter der Krippe kniet, ebenso an der ehrfürchtigen Haltung Mariens, die neben ihrem Kind kniet und ehrfürchtig ihre Arme überkreuzt vor der Brust hält. Josef, etwas verdeckt, stützt sich auf einen Stock und hält einer Kerze in der Hand. Diese weist darauf hin, dass dieses Kind ein Licht ist, das die Heiden erleuchtet, wie es bei Lukas heißt (2, 32).
Oberhalb sieht man tanzende und musizierende Hirten. Sie  freuen sich darüber, dass sie in diesem Kind alles gefunden haben, was ihnen der Engel auf dem Feld verkündete: „Ich verkünde euch große Freude…heute ist euch der Retter geboren in der Stadt Davids, er ist der Christus, der Herr“ (Lk 2, 10 – 11).
Im  Vordergrund steht links ein Dudelsackspieler und rechts eine Art Harlekin, die im Gegensatz zu den fröhlichen Hirten verunsichert wirken. Jesus, der „Retter“, wird eben nicht bei den Privilegierten, sondern zuerst den Menschen am Rand offenbart.
Von der Armut und Einfachheit der Hütte oder der Futterkrippe, in die das Kind gelegt wurde, ist hier wenig zu erkennen. Alles strahlt im Glanz, soll doch bezeugt werden, dass Gott in diesem Kind die Verheißung erfüllt, dass er sein Volk besuchen will, um ihm Erlösung zu schaffen (vgl. Lk 1, 68).
Es gäbe auch für den aufmerksamen Betrachter Grund genug, sich der Freude der Hirten anzuschließen und für das Entgegenkommen Gottes in Jesus zu danken.
Die Anbetung des Kindes durch drei Weise (nach Matthäus 2, 1 – 12)

Das Mittelbild zeigt die Anbetung und Verehrung des Kindes durch drei Weise aus dem Morgenland. Sie stehen bald für die bekannten Kontinente Europa, Afrika, Asien. Breitete sich doch das Christentum schon früh in Afrika, in Europa und in Asien aus.
Vor den Kind bekunden sie für die Welt, dass in diesem Kind der geboren wurde, wie es Paulus schreibt, „den Gott über alle erhöht hat und dem er einen Namen verlieh, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen und jede Zunge bekennt: Jesus Christus ist der Herr zur Ehre Gottes, des Vaters“ (Phil 2, 9 – 11).
Erst im 2. Jahrhundert werden diese drei Weisen anhand ihrer Weihegaben personifiziert und zu Königen erklärt. Ihre Gaben symbolisieren sowohl ihr Herkunftsland als auch die Bedeutung des Kindes. So steht Gold (aus Europa) für den königlichen Messias, Myrrhe (aus Afrika) für das Jesus bevorstehende Leid, Weihrauch (aus Asien) für das göttliche Kind. Seit dem 5. Jahrhundert benennt man sie mit persischen Namen: Kaspar (= Schatzmeister), Melchior (= Gottesschutz) und Balthasar (= Lichtkönig). Manche Darstellungen symbolisieren auch drei Alterstufen des Lebens (seit dem 8. Jh.).
Ihre Gebeine sollen einer Legende nach von der heiligen Helena, der Mutter Konstantins entdeckt worden sein. Sie gelangten über Konstantinopel schließlich 1158 nach Mailand und wurden von Friedrich Barbarossa dem Kölner Erzbischof für seine Unterstützung 1164 geschenkt, so dass sie nach Köln kamen, wo sie in der alten Basilika aufgestellt wurden. Ende des 12. Jahrhunderts wurde für sie ein kostbarer Reliquienschrein erstellt, der im Chorraum des Kölner Domes steht. Die sich entwickelnde Wallfahrt gab den Anstoß, 1248 den Grundstein für den gotischen Dom zu legen, an dem man Jahrhunderte baute und der schließlich im 19. Jahrhundert vollendet wurde.
Im Altarbild des Annenaltars sind drei Könige dargestellt, wie es um die Zeit der Fertigstellung üblich war. Ihre Bedeutung wird durch ihre Begleiter erkennbar. Mit Fahnen, Standarten, Pferden und einem Kamel sieht man sie vor der im Hintergrund der Stadt Bethlehem. Ein Begleiter trägt die Fahne mit dem Kempener Wappen. Das Geschehen soll mit dem eigenen Umfeld verbunden werden. Maria, die das Kind auf dem Schoß trägt, trägt ein kostbares Gewand und ist damit den Königen ebenbürtig, während Josef eher in den Hintergrund tritt.
Links steht der junge afrikanische König, vor dem Kind kniet der alte König, der wohl für Europa steht und rechts geht mit beherztem Schritt der asiatische König mittleren Altars auf das Kind zu. Jeder bringt dem Kind seine Gabe.
Der Betrachter des Bildes wird einladen, sich ehrfürchtig und anbetend mit den Königen dem göttlichen Kind zu nähern. Ist in ihm doch der Erlöser und Heiland der Welt geboren, die Zuwendung Gottes für alle.


Die Weihe des Kindes im Tempel (nach Lukas 2, 21 – 40)

Das Bild weist auf die biblische Erzählung der Weihe Jesu hin. Sie findet hier in einem eher schmucklosen Raum statt. Alles ist einfacher als bei den anderen Bildern gestaltet. Vier Männer und Frauen sind zu sehen, also acht Personen, als wollte man schon hier auf die Auferstehung Jesu am ersten Tag der Woche, dem achten Tag, wie es in der Schrift heißt, hinweisen. Wer dem Tempel geweiht ist, gehört zum Volk Gottes an und hat damit Anteil an der Verheißung deren Erfüllung, Anteil aber auch an der Auferstehung. Das kleine Gefäß vorne in der Mitte will wohl an die Taufe erinnern, die diese Teilhabe an Gottes Heil auch begründet.
Im Vordergrund steht Josef mit der zur Weihe vorgeschriebenen Opfergabe (leider ist diese verloren gegangen). Maria hält ihr Kind dem priesterlich gekleideten  Simeon hin, der es mit verhüllten Händen annimmt. Auch hier ein Hinweis auf die Göttlichkeit des Kindes, das diese verehrende Haltung bedingt. Simeon, der als gerecht und fromm galt, wartete hoffnungsvoll auf die Rettung Israels, wie es im Evangelium heißt. Der Geist selbst soll ihn in den Tempel geführt haben, als die Eltern Jesus zur Weihe brachten (Lk 2, 25 ff). Die vollzogene Weihe will zeigen, dass der Gottessohn nicht außerhalb des Gottesvolkes stehen will, sondern einer von uns sein möchte!
Rechts steht ein gut gekleideter Mann mit mürrischem Gesicht, als verstünde er nicht, was hier geschieht. Ist er am Ende die Verkörperung für die, denen der Glaube an den Messias Gottes in Jesus Christus verloren gegangen ist?
Der Betrachter sollte sich dagegen freuen, dass er durch Jesus Christus in der Taufe Anteil an dessen Leben und seiner Göttlichkeit hat.

Pfarrer Wolfgang Acht, Kempen


01. November 2016

Romanischer Taufstein

Das älteste Kunstwerk in der Propsteikirche ist das aus Namurer Blaustein geschaffene Taufbecken, das einzig erhaltene Zeugnis des frühen Gotteshauses in romanischem Baustil (13. Jh.).

Das romanische Becken ruhte wohl früher auf fünf Säulen, wie es an den Stümpfen unter dem Becken zu erkennen ist. Um das Becken läuft ein Fries mit bartlosen menschlichen Köpfen. Dazwischen sind zwei Felder mit einem Löwenpaar zu sehen, das nur einen Kopf hat. In den anderen Feldern ist ein einzelner Löwe und ein Drache mit geringeltem Schwanz zu erkennen. Eine Deutung könnte sein: Die Kräfte des Bösen werden durch die Kräfte des Guten überwunden. Wer mit Christus in der Taufe "stirbt", unterliegt nicht mehr des Macht der Sünde und des Todes (Drachen), sondern wird durch Christus Auferstehung erlangen (vgl. Röm. 6,3ff). Es könnte ebenso der Bezug zur Erzählung aus dem Buch Daniel hergestellt werden. Daniel wurde in die Löwengrube geworfen, aber konnte durch die Gottes Beistand diese heil verlassen (vgl. Da. 6,2 -29).

Quelle:Kirchen in der Thomasstadt Kempen - Kath. Kirchengemeinde St. Mariae Geburt, Kempen