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Kunstwerke des Montas 2022

01. Januar 2022

Anbetung der Könige

Diese eindrucksvolle Szene befindet sich auf dem Retabel der Rückseite des Annenaltars und ist eines der sieben wertvollen Ölbilder, die vielleicht einmal das zentrale Altarbild des Hochaltars waren. Bei der Umstellung des Annenaltars vom nördlichen Turmraum in den Hochchor (1850) wurde das Retabel zur Rückseite. Diese Bildreihe dürfte älter als die Vorderseite des Annenaltars (1514) sein.

Zu sehen sind drei Weise oder Könige. Sie symbolisieren die damals bekannten Kontinente Europa, Afrika und Asien. So soll deutlich werden, dass alle Welt dem Messias-Kind huldigt. 

Die Begegnung findet hier in der Darstellung in einer einfachen Hütte statt. Maria hat das Kind auf dem Schoß und wird gleichsam zum Thron für das messianische Kind. Josef stützt sich auf einen Wanderstock, ein Symbol für die Wanderschaft, die die Familie nach Bethlehem wegen der Volkszählung und danach bei der Flucht nach Ägypten machen musste. Diese ist auf dem oberen Bild des Retabels dargestellt. Im Hintergrund beobachtet ein Mann die Szene durch das Fenster.

Die Könige sind vornehm gekleidet und tragen aufwendige Kopfbedeckungen. Sie reichen dem Kind ihre Geschenke in kostbaren Gefäßen. Es sind symbolische Zeichen. So steht Gold für Europa und das königliche Kind, Weihrauch für Asien und das göttliche Kind, Myrrhe für Afrika als Zeichen für dessen spätere Passion. 

Im Mittelalter erhalten die Könige zudem persische Namen: Kaspar (Schatzmeister), Melchior (Gottesschutz) und Balthasar (Lichtkönig). Dann stehen sie für die drei Generationen: den Greis, den Mann mittleren und den jüngeren Alters. 

Ein Stern hatte den Weisen im Morgenland einen König angekündigt. Das Matthäusevangelium zitiert ein Schriftwort: „Ein Stern geht in Jakob auf, und ein Zepter erhebt sich in Israel“ (Num 24,17). Es soll bezeugen, dass die Geburt Jesu als die Erfüllung dieser Verheißung verstanden werden kann. 

Wolfgang Acht

01. Februar 2022

Reliquiennische

Das Wort Reliquie leitet sich vom lateinischen Wort „reliquiae“, auf Deutsch „Überrest“ oder „Überbleipsel“ ab. Der Leichnam gilt dabei als Primärreliquie. Andere Reliquien sind zum Beispiel Kleidungstücke oder Gebrauchsgegenstände, sogenannte Sekundärreliquien. Reliquien sind Teil der Heiligenverehrung und werden oft wie Edelsteine wahrgenommen. Sie sollen den Menschen die Berührung mit den Heiligen ermöglichen. Dieser Heilige ist häufig ein ganz konkrter Mensch, den in seinem Leben eine besondere Nähe zu Jesus Christus auszeichnete.

Ursprünglich befanden sich die Primärreliquien von Heiligen in Sarkophagen unter den Altären. So wurde der Zusammenhang zwischen der Hingabe Christi und ihrer Lebenshingabe bewusst gemacht. Die Tradition sah das so vor, denn bei der Kirchweihe wurde eine Reliquie des jeweiligen Patrons der Kirche in die Mensa des Altars eingefügt, im sogenannten Altarstein. Das hier gezeigte kunstvoll geschmiedete Gitter wurde 1991 wiedergefunden, anschließend vom kevelaerer Goldschmied Herbert Cürvers restauriert und zuletzt an seinem ursprünglichen Platz angebracht. Es schützt die kleinen Reliquienkapseln, die auf rotem Samt befestigt sind. 

Wolfgang Acht

01. März 2022

Pieta im Chorumgang

Dieses hölzerne Vesperbild schmückte ursprünglich ein heute nicht mehr existierendes Heiligenhäuschen in Unterweiden, einem Ortsteil von Kempen. Es dürfte um 1700 entstanden sein und wurde 1981 in mühevoller Kleinarbeit restauriert. Man entfernte spätere Übermalungen und brachte so das Bild in den alten Zustand, wodurch die Oberfläche jetzt gefleckt wirkt.

Maria hat ihren Kopf zur linken Seite geneigt und schaut so ihren toten Sohn, der auf ihrem rechten Knie liegt, nicht an. Ebenso ist der Blick auch nicht auf den Betrachter bzw. Beter gerichtet. Ihre rechte Hand hält sie fast flehend in die Höhe und die linke zeigt mit dem Zeigefinger auf den Betrachter. So gewinnt man den Eindruck, als wolle sie den Betrachter bitten, ihren Schmerz zu teilen und als würde Sie den Leichnam ihres Sohnes mit der Bitte um ein Mittragen anbieten. Der kraftvolle Leichnam des Sohnes liegt auf dem rechten Knie Mariens. Sein Kopf ist zur Seite gesenkt. 

Das Bild entspricht der Tradition der Vesperbilder. Es soll den Schmerz der Gottesmutter über den Tod ihres Sohnes ausdrücken und den Betrachter dazu einladen, den Schmerz der Mutter zu teilen. Auch ist es ein Trostbild, weil der Beter hoffen darf, dass Maria seinen Schmerz und seine Not solidarisch mitträgt. 

Wolfgang Acht

01. April 2022

Vortragskreuz am Zelebrationsaltar

Das Alter des Kreuzes ist nicht bekannt, allerdings dürfte es im 18. Jahrhundert entstanden sein. Das Kreuz hat einen hölzernen Kern, der mit Silberblech beschlagen und getriebenen Medaillons verziert ist.

Die Vorderseite:

Der Längsbalken des Kreuzes ist 62 cm, der Querbalken 32,5 cm lang. An der Unterseite des Kreuzes befindet sich ein runder Knauf mit einem Durchmesser von 8cm. Der Korpus selber ist 15cm lang, seine Arme spannen 14 cm auf. Der wohl später angefertigte Kreuzstab ist 170 cm lang. Über dem Querbalken ist die Kreuztafel auf einer Art Blattwerk mit dem Kennzeichen INRI eingefügt. Die Kreuzbalken enden in mit kleinen Kugeln verzierten Dreipassenden. Diese Art der Fertigung ist sehr typisch für das kölner Bistum und damit auch passend für St. Marien, gehörte doch die Pfarre ursprünglich dem Kölner Bistum an.

Angebracht an den Kreuzenden, zeigen Medaillons Bilder des leidenden Jesus:

  • Oben befindet sich Jesus mit Geißel, Rute und Stab und Dornenkrone. Er trägt einen Strahlennimbus. 
  • Unten trägt Jesus das Kreuz.
  • Rechts ist Jesus an die Geißelsäule gebunden dargestellt.
  • Links ist er (hier ebenfalls mit Strahlenkranznimbus) als der Spottkönig mit einem Mantel bekleidet zu sehen. Er trägt einen Stab, der wie ein Zepter wirken sollte. 

Die Medaillons zeigen die Leidensstationen vor der Kreuzigung und so das furchtbare Leid, das man Jesus antat.

Rückseite:

In der Mitte des Längs- und Querbalkens war eine Reliquienkapsel eingelassen, die verloren gegangen ist. Möglicherweise enthielt sie eine Kreuzreliquie, um diesem Kreuz eine berührbare Nähe zum Gekreuzigten zu verleihen. Die Medaillons selbst zeigen die vier Evangelisten und ihre Attribute:

  • Oben: Markus mit dem Löwen. 
  • Unten: Lukas mit dem Stier.
  • Links: Johannes mit dem Adler.
  • Rechts: Matthäus mit dem Engel. 

Die Evangelisten tragen ein Buch, eine Schreibfeder in der Hand und vor sich ein Tintengefäß, was sie als Autoren der Evangelien markiert. Beim Evangelisten Matthäus scheint der Engel (sein Attribut) das Tintengefäß zu halten. Die Evangelisten sind die Zeugen des Lebens, Wirkens, Leidens und des Todes Jesu. Sie sind mit ihren Evangelien dem Auftrag Jesu gefolgt, alles weiterzugeben, was er ihnen auftrug und was sein Leben ausmachte.

Wolfgang Acht

01. Mai 2022

Marienbild im nördlichen Turmraum

Dieses Tafelbild wurde von Wilhelm Kallen wahrscheinlich 1920 geschaffen. Es zeigt Maria, Jesus und Johannes den Täufer. Der Maler hat sich wohl am Bild „Die Schöne Gärtnerin“ des großen Malers Raffael orientiert, da dessen Bild bis in Details kopiert wurde.

Maria, vor einer weiten Landschaft, wendet sich ihrem Kind zu. Sie hält dessen linke Hand und hat den rechten Arm auf dessen Rücken gelegt. Rechts vor ihnen, erkennbar am Kreuzstab und Fellumhang, kniet Johannes der Täufer als Kind. Damit deutet das Bild eindeutig darauf hin, dass Johannes zum Wegbereiter für den Messias wurde. Dass er hier vor dem Jesuskind kniet, bezeugt seinen großen Respekt vor dem kommenden Messias Christus. Später wird er von ihm bezeugen: „Jener muss wachsen, ich aber geringer werden“ (Joh 3, 30).

Dieses Motiv ist im Mittelalter sehr beliebt und wurde von vielen bedeutenden Malern ins Bild gesetzt.

Wolfgang Acht

01. Juni 2022

Fresko der wichtigen Heiligen des Franziskanerordens

Dieses Fresko des 15. Jahrhunderts wurde vom Franziskaner Johannes Brugmann ( 1473) gestiftet, der aus Kempen stammte und hier ganz rechts abgebildet ist. Dargestellt sind die bedeutenden franziskanischen Heiligen: Franziskus, Klara, Bonaventura, Elisabeth von Thüringen, Antonius von Padua und Bernhardin von Siena.

Die Heiligen werden mit ihren jeweiligen Attributen gezeigt: Franziskus mit der hl. Schrift und dem Kreuz sowie mit Stigmata an Händen, Füßen und an der Seite. Damit ist er als großer Verehrer des Kreuzes Christi erkennbar. Die heilige Clara, die von Franziskus in seine Gemeinschaft aufgenommen wurde, gründet in seinem Namen den weiblichen Zweig des Ordens. Sie trägt ein Buch und auch eine Monstranz. Sie soll einer Legende nach den sarazenischen Belagerern vor Assisi erfolgreich mit einer Monstranz entgegen gegangen sein und so die Stadt vor der Zerstörung und der Plünderung durch die Feinde bewahrt haben.

Neben ihr steht der heilige Bonaventura. Er war der dritte Ordensobere des Franziskanerordens und gilt auch als ein bedeutender Kirchenlehrer. Manche wollen hier eher eine Darstellung Ludwig von Toulouse sehen. Selbstverständlich darf Elisabeth von Thüringen auf einem solchen Bild nicht fehlen. Sie wird mit einem Armen gezeigt, den sie gerade bekleidet, hat sie sich doch für Schwache und Arme engagiert. Es folgt Antonius von Padua, auch er mit einem Buch, der heiligen Schrift, soll doch Papst Innozenz III. nach einer Begegnung mit ihm und Franziskus gesagt haben, dass er eine „lebendige Bibel“ und Franziskus sein „Bischof“ sei. Es folgt nun die Darstellung des heiligen Bernhard von Siena, hier mit einem offenem Buch und einer Monstranz, mit den Buchstaben IHS, den Anfangsbuchstaben des griechischen Namens Jesus. Auf der linken Seite des Buches steht: „Ich habe ihnen deinen Namen geoffenbart“ (Joh 17, 6, auf der rechten Seite: „Completum est hoc opus anno 1493“, womit das Entstehungsjahr des Werkes angeben ist. Die Jahreszahl könnte sich aber auch auf die Vollendung des Chorumgangs beziehen, weil „opus“ ein Bauwerk und nicht ein Bild meint. Die Franziskaner selbst gründeten erst 1624 eine Niederlassung in Kempen.

Wolfgang Acht

01. Juli 2022

Die drei Kapitelle

Als diese Kapitelle bei der Renovierung 1992 von Titus Reinarz gestaltet wurde, war der politisch ausgerufene „Konziliare Prozess“ der 70er Jahre der Impuls zur Bildgestaltung. Durch die Kapitelle Verantwortung eines Jeden für den Erhalt der Welt neu bewusst gemacht werden. Dies entspricht durchaus der Botschaft des Evangeliums. Die Kapitelle stellen also eine Art bleibendes „Ausrufezeichen“ für die Gemeinde dar, dass immer wieder die Verantwortung des einzelnen deutlich macht.

Die Bildgestaltung im Einzelnen:

Gerechtigkeit:

Es sind Köpfe von Menschen zu sehen, die auf die Aufgabe hinweisen, die Waage der Gerechtigkeit im Gleichgewicht zu halten. Die Ansammlung von Geld und Raketen stellt die Gefahr der drohenden Zerstörung dar. Weltweit müssen sich die Menschen um Gerechtigkeit bemühen. Nur so kann der Frieden gesichert werden. Der Schmetterling ist Zeichen dafür.

Frieden:

Eine blaue Taube mit einem Ölzweig wird zum Boten des Lebens für die Stadt. Ein zweiter Ölzweig schmückt das Rathaus und das Von-Nievenheim-Haus in Kempen. Ein Radfahrer ist zu sehen, ist doch das Fahrrad ist am Niederrhein universelles Fortbewegungsmittel. In diesem Kontext symbolisiert es die Wichtigkeit dessen, die Botschaft des Friedens zu den Menschen zu bringen. 

Bewahrung der Schöpfung:

Früchte der menschlichen Arbeit erinnern an den langen Weg vom Samenkorn bis zur reifen Frucht. Zudem symbolisieren die Rosen die Schönheit der Schöpfung und unterstreichen die so die Wichtigkeit, diese Schöpfung zu bewahren.

01. August 2022

Der Figurenschmuck das Chorgestühls

Das spätgotische, künstlerisch wertvolle Chorgestühl aus Eiche, wurde von Johannes Gruter aus Wesel gefertigt und 1493 im Chorraum aufgestellt. Dieses Chorgestühl war wegen der Vielzahl an Altarvikale und Priester notweding. Letztere waren an der benachbarten Lateinschule, der heutigen „Burse“, als Lehrer tätig. An den linken Wangen des Gestühls sind die sogenannten „rheinischen Marschälle“ zu sehen, die sich seit dem 15. Jh. in der Kirchenprovinz Köln großer Beliebtheit erfreuten. So sind an den Hochwangen Cornelius und Hubertus, an den Pultwangen Quirinus und Antonius der Mönchsvater zu erkennen.

Cornelius:

Cornelius (Papst im 3. Jh.), der Pfarrpatron von Tönisvorst, ist mit Papst-Tiara und einem Horn ausgestattet. Sein Name kommt von „cornu“, das Horn. Den Hirtenstab nimmt er mit einem umwickelten Tuch auf. So war es in der Kirche lange üblich, damit die kostbaren Stäbe nicht geschädigt wurden. Zugleich signalisierte es die Bedeutung des Papst- und Bischofsamtes.

Hubertus:

Gegenüber steht Hubertus, der erste Bischof von Maastricht (8. Jh.), der Pfarrpatron von St. Hubert. Er trägt Pontifikalkleidung und hält den Hirtenstab, von dem leider die Spitze abgebrochen ist. Ebenso hält er ein Buch. Zu Füßen steht sein Attribut, der Hirsch- In dessen Geweih soll Hubertus bei einer Jagd ein Kreuz gesehen haben , was ihn dann zum Glauben führte.

Antonius:

An den Pultwangen ist Antonius der Wüstenvater (2. Jh.) abgebildet. Er ist der Pfarrpatron von Tönisberg. Er ist mit Mönchskutte und einer Art Barett auf dem Kopf dargestellt. Ein Buch hält er in der rechten Hand, zudem eine Art Kette in der linken. Das Schwein zu seinen Füßen weist auf ein Privileg des nach ihm benannten späteren Antoniter-Orden hin, der wegen seiner Hospitzarbeit auch innerhalb der Stadt Schweine halten durfte, um die Kranken ernähren zu können.

Quirinus:

Gegenüber steht Quirinus, der Legende nach ein römischer Tribun (2. Jh.), der in Rom das Martyrium erlitt. Er ist der Patron von Neuss. Quirinus trägt einen ritterlichen Plattenharnisch, einen Mantel und in der linken Hand ein Schild mit den üblichen neun Kugeln. Diese befinden sich nach heute auf dem Neusser Stadtwappen. In der rechten Hand hält er ein Sieges-Banner.

Weil Kempen zur kölnischen Kirchenprovinz gehörte, durften dessen „Marschälle“ in diesem Gestühl nicht fehlen. Diese „Marschälle“ sind auch am Sockel des Sakramentshauses zu sehen.

01. September 2022

Kreuztragender Jesus

Das Fest der Erhöhung des heiligen Kreuzes wird im Kirchenjahr der römisch-katholischen Kirche und der orthodoxen Kirchen am 14. September gefeiert wird.

In der Thomaskapelle – daher für viele unbekannt – befindet sich das Standbild des „Kreuztragenden Jesus“. An dieser Stelle ist es das älteste Kunstwerk. Es handelt sich um eine niederrheinische Arbeit aus dem 15. Jahrhundert. Im 19. Jahrhundert wurde der beschädigte untere Teil des Kunstwerks unglücklich restauriert und ist daher etwas zu klein. 1959 wurde die Bemalung entfernt.

Jesus trägt eine Dornenkrone und das Kreuz. Er hat beide Hände an die Kreuzbalken gelegt (wobei die rechte Hand eigentlich verdreht ist). Jesus ist bekleidet mit einem mit wenigen Falten gestalteten und einem dicken Strick gegürteten Rock. Hände, Füße und Gesicht sind eher grob gearbeitet. Die Figur ist von geringerer Qualität. Vielleicht entstammt sie einem der Altäre, die bis 1850 in der Kirche standen, aber bei der damaligen großen Renovierung der Kirche abgebaut wurden.

Von den bis dahin 17 aufgestellten Altären sind außer der drei kostbarsten Antwerpener Altäre keine mehr erhalten.

Wolfgang Acht

01. Oktober 2022

Rosenkranzfenster im linken Seitenschiff: "Der dich o Jungfrau in den Himmel aufgenommen hat"

Im folgenden Beitrag wird eines der Rosenkranzfenster dargestellt und interpretiert.. Es thematisiert das Rosenkranzgesätz: „Der dich, o Jungfrau, in den Himmel aufgenommen hat“

Das Hauptbild

Maria steht im roten Strahlenkranz, im Gegensatz zum gelben Strahlenkranz des auferstandenen Christus. Sie wird von vier Engeln in den Himmel geleitet. Links bläst ein Engel die Flöte, rechts spielt einer eine Laute, darunter knien zwei betende Engel mit liturgischen Stolen. Drei puttenartige Engelköpfe bilden ein Dreieck, das Zeichen für das Vollkommene.

Unter der in den Himmel aufgenommenen Maria knien und stehen acht staunende Apostel. Rechts Petrus, kniend mit offenem Buch. Ein Apostel an der linken Seite ist nur durch einen angedeuteten Nimbus zu erkennen. Über Petrus sind zwei betende, zum Himmel aufschauende Apostel dargestellt. Vor einem Sarkophag kniet in der Mitte der Lieblingsjünger Johannes. Aus dem Sarkophag wachsen Rosen und eine Lilie, was auf die Legende verweist, dass aus dem leeren, offenen Grab Blütenduft aufstieg. Die deutende Inschrift lautet: „Assumpta est Maria in coelum gaudent angeli“ > Maria ist in den Himmel aufgenommen. Die Engel freuen sich.

Unterer Teil des Fensters, der typologischer Bezug zum Ersten Bund

Esther tritt mit demütig auf der Brust verschränkten Händen vor den König Ahasver, der sein Zepter als Zeichen für die Anerkennung und Gnade auf sie richtet. Man sieht zwei Begleiter, einer wohl Mordechai, der Onkel von Esther, der andere ritterlich gekleidet mit einem Stab. Der Schriftzug lautet: „Cumque vidisset Esther reginam stantem“ (Esther 5.2), d. h. als der König die Königin Esther vor sich stehen sah, fand sie Gnade vor seinen Augen. Das vollständige Schriftwort des Schriftzitates lautet: „Als der König die Königin Esther im Hof stehen sah, fand sie Gnade vor seinen Augen. Sie trat näher und berührte die Spitze des Zepters.“ Esther wird so zum Typos und Vorbild für Maria, die ebenfalls Gnade vor Gott fand und um Gnade für die Beter bittet. Der Engel sagte ihr bei der Verkündigung: „Maria, du bist voll der Gnaden“.

Wolfgang Acht

01. November 2022

Die Kirchenväter im Chorgestühl

Auf den Hoch- und Pultwangen im rechten Teil des Chorgestühls sind die vier Kirchenväter dargestellt. Sie haben entscheidend zur Lehre und Selbstverständnis des Christentums beigetragen, weswegen sie den Ehrentitel „Kirchenväter“ erhielten. Die griechisch - orthodoxe Kirche benennt ihrerseits als die vier Kirchenväter Johannes Chrysostomos, Basilius von Caesarea, Gregor von Nazianz und Athanasius von Alexandria. Die römisch - lateinische Kirche benennt dazu Papst Gregor den Großen, Hieronymus, den Kardinal und die Bischöfe Augustinus von Hippo sowie Ambrosius von Mailand. Sie haben die Heilige Schrift theologisch kommentiert und auf die jeweilige Lebenswelt hin aktualisiert.

Oben an den rechten Wangen sieht man Hieronymus (4. Jh.) mit Kardinalshut und Hirtenstab und einem Schmucktuch. Die rechte Hand berührt die Pfote eines Löwen, weil er einer Legende nach einem Dorn aus der Pfote eines Löwen gezogen haben soll, sodass dieser für ihn zum treuen Gefährten wurde. Hieronymus hat die hebräisch und griechisch verfasste Schrift ins Lateinische übersetzt.

Ihm gegenüber steht Gregor (6. Jh.) als Papst mit Tiara bekrönt und einem Hirtenstab mit Knauf. Der Stab ist zusätzlich mit einem feinen Tuch umgeben, wie es früher zur Pontifikalausstattung gehörte. Gregor galt als einflussreicher Mann, der die kirchliche Armenpflege sicherte und ein Erneuerer der Liturgie und Kirchenmusik war.

Besonders bekannt ist der. „Gregorianischer Choral“, den die Kirchenmusik bis heute kennt. Er hat aber auch die Missionierung Europas vorangetrieben.

Unten an den Pultwangen sieht man Ambrosius (4. Jh.) mit Mitra, war er doch ein bedeutender Bischof von Mailand. Das Buch in seiner Hand erweist ihn als einen profunden Ausleger der Schrift.

Sein Schüler Augustinus (4. Jh.) ist ihm gegenüber auf der anderen Seite dargestellt. Er wurde sein später Bischof in Hippo (Nordafrika). Auch er trägt eine Mitra und den Hirtenstab mit einem Schmucktuch. Das Buch weist ihn als Autor vieler bedeutender theologischer Schriften aus. Seine Theologie ist wirkt bis heute nach. Das Herz in der rechten Hand weist auf seinen leidenschaftlichen Einsatz für die Christusbotschaft und die junge Kirche hin.

Wolfgang Acht

01. Dezember 2022

Geburt Christi - Kohlezeichnung von Heinrinch Dieckmann

Diese Kohlezeichnung wurde von Heinrich Dieckmann 1921 gemalt. 2005 wurde das Bild der Gemeinde Mariae Geburt geschenkt.

Wolfgang Acht

Ein starkes Licht geht von dem Stern oben links aus, der von einem schwebenden Engel getragen wird und dessen starkes Licht Maria zur leuchtenden Gestalt werden lässt. So bestimmt Maria das ganze Bild diagonal. Neben Maria kniet Josef mit ganz verkrampften Händen, als wäre es für ihn noch schwer, diesem Kind die Anbetung zu zollen. Neben Maria, die das Kind in ihren Armen hält und mit der linken Hand den Kopf zärtlich streichelt, kniet ein Engel.

Das Kind selbst scheint aufmerksam auf den Stern zu schauen. Zwei Hirten mit Hirtenstab stehen hinter Josef und sind lediglich mit ihren hellen Gesichtern zu erkennen. Sie hatten Engel auf die Geburt dieses messianischen Kindes hingewiesen. Rechts neben Maria steht eine junge Frau, oder ein Engel mit auf der Brust gekreuzten Händen, die auch vom Licht erhellt wird und ganz auf das Kind konzentriert ist.

Der große Kopf im unteren linken Teil des Bildes mit dichtem Bart und der erhobenen Hand, der nicht auf die leuchtende Maria mit ihrem Kind schaut, könnte der Seher Jesaja sein, der dieses Ereignis verheißend beschrieb: „Die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären. Sie wird ihm den Namen Immanuel geben“ (Jes 7, 14).

Das Geschehen spielt sich unter einem Spitzbogen ab. Im Hintergrund erkennt man rechts eine Stadt, wohl Bethlehem, in der Maria, Josef und das Kind keine Herberge finden konnten.