Zum Hauptinhalt springen

Kunstwerke des Montas 2019

01. Januar 2019

Unsere Propsteikirche St. Mariae Geburt

Ist sie nicht ein Schmuckstück, diese Kempener Kirche St. Mariae Geburt?

Um 1200 wurde sie begonnen, im 14. Jh. kam der Chorumgang dazu und Ende 1490 waren auch die beiden Seitenschiffe angebaut, einschließlich der Marienkapelle für das Gnaden- und Wallfahrtsbild.

Sieben gotische Fenster erhellen das Kirchenschiff. Sie zeigen die Gesätze des Rosenkranzes, die man natürlich nur von innen sehen kann. Sieben ist Kennzahl des Heiligen. So soll auch diese Kirche als heiliger Ort bezeugt werden.

Im Chorbereich sind wieder sieben Fenster, die Heilige der Kirchengeschichte bis in die Neuzeit zeigen und auch Hinweise auf den alten und neuen Bund geben.  

Die Kirche steht im Mittelpunkt der Stadt. Die farbliche Fassung entspricht der romanischen Stilepoche. Generationen haben an dieser Kirche gebaut, sie gepflegt, genutzt und oft renoviert. Hätte es dieses Engagement der Gemeinde nicht gegeben, wäre sie gewiss in einem schlechten Zustand.  

Jetzt ist erneut ein Engagement gefragt, steht doch nach der Großrenovierung der 90er Jahre, eine weitere Renovierung der Außenhaut an, da Putz und Farbe dieser Renovierung inzwischen marode sind und abblättern.

Heute ist man in der Denkmalpflege weiter und kann andere Materialien nutzen. Die Renovierung wird einige Zeit in Anspruch nehmen. 

Werden auch Sie mit einer Spende mithelfen, die Finanzierung zu sichern? Denn etwa ein Drittel der Kosten muss die Gemeinde selbst aufbringen!

Wir rechnen mit Ihnen und Ihrer großzügigen Hilfe, damit das Juwel der Stadt Kempen wieder im neuen Glanz erstrahlt.  

Wolfgang Acht    

01. Februar 2019

Die Darstellung des Herrn im Tempel (Annenaltar)

  Die unteren Felder des Altarschreins vom Annenaltar, der zugleich der Hochaltar der Kirche ist, zeigen

  • die Geburt Jesu,
  • die Anbetung der Könige und
  • die Darstellung Jesu im Tempel.

Dem Betrachter soll gezeigt werden, dass Gott in Jesus sich „menschlich“ zuwendet. Er wird arm geboren, aber von denen entdeckt, die ihn als Stern des göttlichen Lichtes wahrnehmen.

In der dritten Szene, der Darstellung des Herrn im Tempel, wird nun am göttlichen Kind das vollzogen, was gläubigen Juden eine Verpflichtung ist. Die Erstgeburt wird im Tempel, bzw. in der Synagoge geweiht und damit Gott, dessen Gegenwart im Tempel geglaubt wird.  

Das Bild stellt die biblische Erzählung der Weihe Jesu dar. Die Weihe oder auch Darstellung genannt, findet in einem eher schmucklosen Raum statt. Vier Männer und Frauen sind zu sehen und damit acht Personen. Soll hier schon das Auferstehungsmotiv anklingen? Jesu ist am achten, bzw. ersten Tag der Woche, wie es die Schrift bezeugt, auferstanden. Wer dem Tempel geweiht ist, gehört zum Volk Gottes an und hat damit Anteil an der Verheißung und der Erfüllung. Das kleine Gefäß vorne in der Mitte will wohl an die Taufe erinnern, erinnert doch diese Szene der Weihe als Teilhabe an Gottes Heil an die Taufe.  

Im Vordergrund steht Josef mit der zur Weihe vorgeschriebenen Opfergabe von zwei kleinen Tauben (leider ist diese verloren). Maria hält ihr Kind dem priesterlich gekleideten  Simeon hin, der es mit verhüllten Händen annimmt, ein Zeichen für die königliche Würde des Kindes. Der Gottessohn, das zeigt des Bild, will nicht außerhalb des Gottesvolkes und seiner Tradition stehen will, sondern einer von uns sein! Rechts steht ein gut gekleideter Mann mit mürrischem Gesicht. Er versteht nicht, was hier geschieht. Ist er ein Hinweis für die, deren Glaube an den Messias Gottes in Jesus Christus verloren gegangen ist? Die Männer und Frauen, die die Szene rahmen machen klar, dass dieser Akt kein privater Vorgang ist, sondern Zeugnis für die Eingliederung in das größere Ganze des Gottesvolkes.

Wolfgang Acht        

01. März 2019

Vesperbild - Pieta

Dieses Vesperbild stand ursprünglich in der ältesten Kirche des Umfeldes von Kempen, der Kapelle St. Peter.

Es wurde 1385 im „weichen Stil“ gefertigt. Leider ist es nur fragmentarisch erhalten. Es dürfte auf dem Schoß Mariens, die hier dargestellt ist, ursprünglich der Leichnam Jesu geruht haben. Das lässt sich aus dem ungewöhnlich langen Oberkörper der Figur schließen. Das ist aber nicht gesichert, zumal das liebliche, mädchenhafte Gesicht Mariens keine Trauer zeigt. Auch die Handhaltung müsste anders sein, sie wurde jedoch bei einer Renovierung früherer Jahre verändert.

Diese Unsicherheit führte zur mehrdeutigen Benennung der Figur als „Marienklage“. Eine Pieta ist seit dem frühen 14. Jahrhundert üblich und soll zu einer stärkeren Hinwendung zum Leiden Christi und zum Schmerz der Mutter führen. Es tröstet vor allem jene, die selbst großen Schmerz erleiden, sehen sie doch in dieser Schmerzensmutter eine Mitleidende.

Maria trägt ein faltenreiches Gewand, wie es im Mittelalter von reicheren Frauen getragen wurde. Schließlich ist sie für die Gläubigen die „Mutter Gottes“, die Mutter des Messias Jesus Christus. Ein großer Schleier umhüllt ihren Kopf, so wie es im Mittelalter üblich war und lange bis in die Neuzeit hinein von Frauen in den Kirchen getragen wurde, um so Ehrfurcht vor Gott und Christus zu bekunden.

Wolfgang Acht       

01. April 2019

Passionsfenster von Heinrich Dieckmann

Dieses Passionsfenster befindet sich im rechten, d.h. im  südlichen Turmraum. Es wurde von dem Kempener Künstler Heinrich Dieckmann entworfen (geb. im März 1890, gestorben im April 1963). Er wuchs in einem stark religiös, katholisch engagierten Elternhaus auf und war regelmäßiger Gottesdienstbesucher in der Propsteikirche.

Er gilt als Maler und Vertreter des Expressionismus in Deutschland. Er schuf vor allem sakrale Werke und gilt als Mitbegründer der modernen, sakralen Kunst. Dabei zog er Monumental-, Glas- und Wandmalerei sowie Mosaikkunst vor. Sein Gesamtwerk zählt über 1500 Werke.

Das hier gezeigte Fenster entstand in den 30er Jahren des 20. Jh. und gehört dem Zyklus der Gesätze des schmerzreichen Rosenkranzes an: „Der für uns gekreuzigt worden ist.“  

Das rote (Triumph-)Kreuz steht aufrecht in der Mitte. Die Kreuzarme überspannen das ganze Fenster. Über dem Gekreuzigten ist das Schild „INRI“ (Jesus von Nazareth, König der Juden) angebracht. Der leidende Christus wird durch seine Hingabe zum Licht der Welt.   Unter dem Kreuz steht die trauernde Mutter (dunkel gekleidet) mit weißem Nimbus (die Reinheit ausdrückend). Hinter ihr eine weitere Frau; diese ist in Rot gekleidet und begleitet Maria, heißt es doch in der Schrift, dass Frauen die Kreuzigung erlebt haben. Rechts neben dem Kreuz steht Johannes mit jugendlichem Gesicht, der auf den Gekreuzigten hinweist. Unter dem Kreuz kniet Maria von Magdala, die um Jesus trauert.  Das rot leuchtende Kreuz wirft das Licht auf sie, so dass sie sich von Dunkelheit des unteren Bildteils absetzt. Es soll deutlich werden, dass sie Vergebung erfuhr. Sie ist beispielhaft für uns eine durch das Kreuz Erlöste.  Hinter der Gruppe sind Lanzen zu erkennen. Die Soldaten selbst sind nicht zu sehen. Sie werden von den Trauernden verdeckt.  Ein Berittener trägt einen grauen Mantel, wohl ein Hinweis, dass er noch nicht zum Glauben gekommen ist. Im blauen, himmlischen Licht über dem Kreuz sind drei Engel zu sehen. Sie sind Hinweis auf das Kommende, auf die Auferstehung und die Himmelfahrt des Gekreuzigten.

Wolfgang Acht     

01. Mai 2019

Marienfenster von Heinrich Dieckmann

Dieses wohl eindrucksvollste Fenster hat Heinrich Dieckmann im Jahr 1937 entworfen. Es wird auch das „Kempener Fenster“ genannt und befindet sich im nördlichen Turmraum. Dieckmann stellt die Pfarrpatronin der Kirche als Schutzmantelmadonna dar. Interessant ist die Bildgestaltung. Das Bild des Fensters ist nicht auf das Glas gezeichnet ist, vielmehr werden die farblichen Glasstücke mit den Bleirändern zum Bild.

Maria mit dem Kind ist in der Mitte zu sehen. Vor ihrem hell leuchtenden gelben Kleid ist eine große Lilie als Symbol der Jungfräulichkeit zu sehen. Über ihr sieht man zwei Engel in roten Gewändern, die ein Tuch über sie ausbreiten. Über allem strahlt ein Stern auf. Maria wird bezeugt als „Himmelstern“.

Unter ihrem Schutzmantel sind links eine Mutter mit Kind, zwei betende Männer mit erhobenen Armen und ein junges Paar zu erkennen. Die Frau hält ihre Hände gekreuzt über der Brust. Rechts sieht man vier junge Männer und eine kniende Frau. Zu ihren Füßen sind ein Halbmond und ein Stern erkennbar. Das ist sowohl ein Hinweis auf die „große Frau“ wie Maria als Bild für die Kirche in er Offenbarung gekennzeichnet wird;. Es weist aber auch auf das Kempener Stadtwappen hin. Deshalb sieht man im unteren Bildteil eine Stadtskizze. Auf dem Spruchband über ihr ist zu lesen: „o maria, regina coeli, patrona sis urbis tuae kempensis“ – „Maria, Königin des Himmels, sei Schutzpatronin deiner Stadt Kempen“. Die Gemeindemitglieder schätzen das Bild sehr und zeigen es gerne den Besuchern, freuen sie sich doch, dass Maria ihre Stadt beschützt.

Wolfgang Acht

01. Juni 2019

Antonius - Jakobus - Altar

Beim Antonius – Jakobus - Altar handelt es sich um ein Produkt mehrerer Meister. Es ist eine brabantische Arbeit aus Antwerpen (um 1540).

Der Altar steht an der Stirnwand des nördlichen Seitenschiffes. Er zeigt in acht geschnitzten Szenen unter reich gestalteten Baldachinen und auf den Altarflügeln in acht Bildern Ölgemälde, die sich auf die „legenda auria“ beziehen.

Seine Schreinhöhe misst 365 cm mit einer Breite von 305 cm mit einem kurvig geschweiften Abschluss. 12 Bilder sind dem heiligen Jakobus und 10 Bilder dem heiligen Antonius gewidmet, zwei weitere zudem dem heiligen Lambertus, dem ersten Bischof von Maastricht.

Die Predella, ebenfalls mit Bildern aus dem Leben des heiligen Lambertus, befindet sich in der Taufkapelle der Kirche. Ersetzt wurde diese durch eine neugotische Predella mit Tabernakel und Holzpodien für die Kerzen (19. Jh.).

Der Jakobus - Bildzyklus  findet sich auf der linken Seite des Altars, der des Antonius rechts. An dieser Stelle  ginge es zu weit, alle Bilder zu beschreiben. Jakobus wurde zu einer wichtigen Gestalt im Mittelalter. Die Wallfahrt an sein Grab in Santiago de Compostela ist aktueller denn je und bis heute beliebt und gefragt. Jakobus war einer der ersten Jünger, die Jesus berief. Er gehört zum Kreis der zwölf Apostel, die Jesus berief, um seine Botschaft in die Welt zu tragen. Er war Leiter der ersten Jerusalemer Gemeinde und wurde 44 nach Christus im Auftrag des Königs Herodes getötet. Die Legende will wissen, dass er eine Missionsreise nach Spanien gemacht hat, deshalb verwundert es nicht, dass seine Freunde ihn nach Spanien brachten und dort beerdigten. Die Bilder des Altars gehen darauf ein.

Antonius, dem der rechte Teil des Altars gewidmet ist, wurde um 251 zu Kome in Mittel - Ägypten als Sohn reicher Eltern geboren. Als er diese früh verlor, suchte er Trost zu finden. Er ging in eine Kirche und hörte  die Worte der Schrift: „Wenn du vollkommen sein willst, dann verkaufe alles, was du hast und gib der Erlös an die Armen, dann folge mir“ (Mt 19, 16 ff). Das war der entscheidende Impuls für sein weiteres Leben.  An der Spitze des Altars findet man eine große Darstellung (in der Barockzeit gegen eine ältere ausgetauscht) von ihm. Als Beigabe trägt er ein Kreuz in T-Form (Antoniuskreuz bzw. ägyptisches Kreuz) mit Glöckchen. Denn die Mitglieder des späteren Antoniterorden läuten das Glöckchen am Stab, um für die von ihnen betreuten  notleidenden und kranken Menschen zu sammeln. Das Schwein zu seinen Füßen weist ebenfalls auf das Privileg des Ordens hin, für den Entgelt ihres Krankendienstes, Schweine frei in der Stadt umherlaufen ließen, damit diese von den Stadtbewohnern gefüttert wurden, bis sie geschlachtet werden konnten. Der Erlös ging an das Kloster, in dem die Kranken gepflegt und Arme betreut wurden.

Wolfgang Acht       

01. Juli 2019

Antonius - Jakobus - Altar Rückseite

Von der Gemäldetafel auf der Rückwand des Altars befindet sich der untere Teil in der Taufkapelle der Kirche, der obere im Sakralmuseum in Kempen. Den linken und rechten Flügel der Rückwand kann man nur in der Advents- und Fastenzeit sehen, weil dann die Seitenflügel den Mittelschrein des Altars bedecken.  

Die Bildthemen sind ebenso wie die der Vorderseite einer alten Antonius- Legende entnommen. Sie zeigen rechts die Bekehrung des Zauberers Hermogens und links die Berufungsgeschichte des Antonius sowie seinen Besuch bei dem eremitischen Gefährten Paulus von Theben.  

Der obere Mittelteil im Sakralmuseum zeigt Bilder der sogenannten Patraslegende. Ein Vater pilgert mit seinem Sohn nach Santiago. Der soll in einer Herberge einen Silberbecher gestohlen haben, dem ihm jedoch die Tochter des Hauses, die Interesse an ihm hatte, in den Rucksack gesteckt hatte. Er wurde zum Tod verurteilt und an einen Galgen gehangen. Tief traurig geht der Vater weiter. Als er auf dem Rückweg wieder in Patras ist, findet er seinen Sohn am Galgen noch lebend vor. Die Fürsprache beim Heiligen Jakobus hatte ihn gerettet. Noch heute befindet sich deshalb an der dortigen Kirche ein Hühnerstall mit Hahn und Hennen über dem seitlichen Eingang. Bei Gottesdiensten kommt es vor, dass ein Hahnenschrei oder das Gegacker der Hühner stört.  

Die unteren drei Bilder des Mittelteils zeigen drei Szenen von Antonius. Links sieht man Antonius, der seinen Freund Paulus von Theben tot auffindet. Im Hintergrund graben Löwen schon das Grab. In der Mitte sieht man, wie Antonius durch den Teufel, eine nackte Schönheit mit einer Schlange zu ihren Füßen versucht wird. Die Eule symbolisiert das Licht, das die dunkle Nacht der Versuchung erhellt. Rechts wird Antonius von Jesus Christus besucht, der ihn für seine Lebenshaltung segnet.  

Wolfgang Acht 

01. September 2019

Michaelsfigur an der Spitze des Kreuzaltars

An der Spitze dieses Altars im südlichen Seitenschiff, eine brabantische Arbeit vor 1525 - wohl auch aus Antwerpen - befindet sich die Figur des heiligen Michael. Er wird als Drachentöter und damit als Kämpfer gezeigt gegen alle , die Gott nicht die Ehre und Verehrung zuteil werden lassen, die ihm gebührt. Manchmal wird deshalb der Altar auch Michaelisaltar genannt. Eingebürgert hat sich jedoch inzwischen  die Bezeichnung Kreuzaltar aufgrund des Zentralbildes im Mittelschreins.

Michael, dessen Namen Programm ist: „Wer ist wie Gott?“ Das "El" in seinem Namen weist ihn als einen Gottesboten auf, ist doch "El" ein alter Gottesname. Der Erzengel wurde zum Kultbild, weil er als der Hüter der Gerechtigkeit, Beschützer der Kirche Christi, Fürst der Seelen, Vertrauter Gottes gilt, der die Weisungen Gottes an die Menschen weitergibt und sie immer an Gott, den Einzigen und Größten erinnert.

Er wurde auch zum Anlass für Legenden. So soll er Hirten auf dem Monte Sant’Angelo in Apulien erschienen sein, so dass sich seine Verehrung im Abendland ausbreitete. Man findet eine Darstellung des kämpfenden Engels auf der Engelsburg. Er soll die Pestkatastrophe in der Stadt eingedämmt und beendet haben.

Die Kirche gedenkt seiner, zusammen mit den Erzengeln Raphael (Raphael = „Gott heilt“) und Gabriel (Gabriel = „Die Macht Gottes“) beim Engelfest am 29. September. Das Datum verbindet sich mit der Weihe der Michaelskirche in Rom, die Papst Leo I. im 5. Jh. vorgenommen hat. Er verband damit die Bitte, der Erzengel möge Schutz für die Kirche sein in allen Wirren der Zeit.    

Wolfgang Acht     

01. Oktober 2019

Fresko der wichtigen Heiligen des Franziskanerordens

Das Fresko stellt die wichtigsten Heiligen des Franziskusordens dar. Es beginnt links mit dem heiligen Franziskus, dessen Fest am 4. Oktober gefeiert wird. Er ist mit dem Kreuz dargestellt, war er doch ein tiefer Verehrer des Gekreuzigten. Deshalb ist er auch mit den Christuswunden an Händen und Füßen und an der Brust dargestellt. Er soll diese durch Christus selbst auf dem Berg Verna erhalten haben.  

Neben ihm ist die Heilige Clara von Assisi zu sehen. Schon in jungen Jahren hat sie sich von Franziskus in den Orden aufnehmen lassen und später den weiblichen Zweig des Ordens im Auftrag des Franziskus begründet. Sie lebte mit den Schwestern das Armutsideal, das Jesus von seinen Jüngern gefordert hatte. Das Kloster lag außerhalb der Stadtmauer (San Damiano mit dem Kreuz, das zu Franziskus gesprochen haben soll). Sie trägt auch eine Monstranz, soll sie doch mit dieser bewirkt haben, dass fremde Truppen die Stadt nicht eroberten und geplünderten.  

Neben ihr steht mit bischöflichen Attributen Bonaventura. Er wurde mit 35 Jahren zum siebten Nachfolger des Franziskus in der Ordensleitung, bis er mit 52 Jahren zum Bischof und Kardinal von Albano wurde und auch in Rom großen Einfluss genoss. Er bekleidete dieses Amt allerdings nur ein Jahr bevor er mit 53 Jahren starb. Er war ein bedeutender Theologe und Kirchenlehrer. Bis heute bestimmt er noch die theologische Diskussion. Das Buch trägt er wegen der vielen Schriften, die er verfasst hat.  

Im Fresko darf die heilige Elisabeth von Thüringen nicht fehlen. Sie wird bei der Bekleidung eines Armen gezeigt, hat sie doch schon als Markgräfin auf der Burg Wartburg Sorge getragen für die Armen und bei einer drohenden Hungersnot die Vorräte der Burghöfe verteilen lassen. Nach dem Tod ihres Mannes bei einem Feldzug wurde sie von der Wartburg vertrieben und siedelte nach Marburg über, wo sie als Mitglied des dritten Ordens des heiligen Franziskus ein Hospiz gründete, wo sie selbst mitarbeitete, bis sie erschöpft vom Fasten und der harten Arbeit schon mit 24 Jahre starb. Ihr Grab und ein kostbarer Schrein befinden sich in der wunderschönen gotischen Hallenkirche Marburgs.  

Auch Antonius von Padua bleibt ein beliebter Heiliger. Auch er hat alles gegeben, so dass er schon mit 36 Jahren starb. Unermüdlich setzte er sich für die Nachfolge Christi ein, die er selbst glaubwürdig lebte. Deshalb ist er mit der heiligen Schrift gezeigt. Papst Innozenz III. soll ihn eine „lebendige Bibel“ genannt haben.  

Ganz rechts steht Bernhard von Siena mit offenem Buch und einer Monstranz mit den Buchstaben IHS (Anfangsbuchstaben des griechischen Namens Jesus). Auch er lebte für die Nachfolge Jesu, was die Monstranz zeigt. In der linken Hand hält er ein offenes Buch, in dem man liest: „Ich habe ihnen deinen Namen geoffenbart!“ und rechts ein Bildhinweis: ‚Completum est hoc opus anno 1453 (vollendet ist dieses Werk im Jahre 1453), was auf die Entstehung des Freskos verweist, aber ebenso ein Hinweis auf die Vollendung des Chorumgangs sein kann.

Vor Bernhard kniet der Stifter des Bildes, Johannes Brugmann, der selbst ein Kempener war. Er war Zeitgenosse des Thomas von Kempen. Später wurde er Prior der Kölner Franziskanerprovinz. Er stifte dieses Fresko seiner Heimat- und Taufkirche.    

 

Wolfgang Acht      

01. November 2019

Gedenktafel an der Stelle der alten Kanzel

Jeweils am 9. November wird in Deutschland an die fürchterliche Pogromnacht 1938 erinnert. Dazu passt die zur Erinnerung an die Zerstörung im 2. Weltkrieg (2. März 1945) angebrachte Gedenktafel.

Sie ist gestaltet mit kleinen Figuren aus der neugotischen Wiethase-Kanzel, die bei der Bombardierung der Kirche zerstört wurde. Erstellt wurde die Tafel 2010 vom Architekten Thomas Dewey (Viersen-Dülken), die Idee hatte Propst Dr. Thomas Eicker.  

Die zerstörte Kanzel wurde nach einem Entwurf Heinrich Wiethase 1858 angefertigt. 60 Jahre nach der Zerstörung wurden sechs kleine Figuren zurück gegeben, die ein Kempener  nach dem Krieg mit nach Australien genommen hatte.

Die Figuren sind auf drei Ebenen gesetzt. Oben links sieht man Mose und rechts den Evangelisten Johannes. Auf der Kanzel waren sie am Sockel aufgestellt. Dazwischen ein Hörender, der bezeugt, dass er die Botschaft der Schrift aufnehmen will. Unten sitzt eine Teufelsgestalt. 

Die Schriftzitate in hebräischen Buchstaben in der Mitte, beinhalten die Weisung Mose an das Volk, die Gebote zu beherzigen: “Höre, Israel, die Gesetze und Rechtsnormen, die ich euch heute vortrage. Ihr sollt sie lernen, auf sie achten und sie halten“ (Dtn. 5,1) Ein Zitat  also aus dem Ersten Testament

Das griechische Zitat stammt aus dem Johannesevangelium: „“Das ist mein Gebot: Liebt einander, wie ich euch geliebt habe“  (Joh 15,12). Diese Stelle stammt also aus dem Zweiten Testament.

Im Hintergrund sieht man das leicht verschwommen Bild der ehemaligen neugotischen Kanzel.      

Wolfgang Acht 

 

01. Dezember 2019

Verkündigungsbild auf der Rückwand des Annenaltars

Zur Advents- und Weihnachtszeit lohnt sich ein Blick auf die Rückwand des Annenaltars im Hochchor, die leider nur vom Chorumgang oder direkt hinter dem Altar zu sehen ist.

Hier zeigen wir von den sieben Bildern nur die Verkündigungsszene. Maria kniet auf einer Betbank in einem gut ausgestatteten Wohnraum und wird von einem Engel mit wallendem Gewand aufgesucht. Der verkündet ihr, dass Gott sie auserwählt hat, durch Gottes Geist ein besonderes Kind empfangen zu können, den „Sohn des  Höchsten“ (Lk 1, 32).

Der himmlische Bote ist durch den offenen Torbogen gekommen, durch den eine Landschaft mit einem Turm erkennbar ist, vielleicht ein Hinweis auf eine Anrufung der „Lauretanischen Litanei“, in der Maria als „Turm Davids“ bezeichnet wird.  Ihre Jungfräulichkeit wird durch die Vase mit den Lilien symbolisiert, sind doch Lilien ein Zeichen für Unberührtheit. Das Buch auf dem Betstuhl weist Maria als Schriftleserin aus, denn in den heiligen Schriften finden sich viele verheißende Aussagen über den kommenden Messias.

Die Körperhaltung Mariens lässt ihre Überraschung erkennen. Die Botschaft des Engels irritiert sie, so dass sie fragt: „Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?“ (Lk 1, 34). Der Engel antwortet: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten“ (Lk 1, 35). Als Zeichen für das Wirken des Geistes, ist über Maria eine schwebende Taube (Symbol des Heiligen Geistes) zu sehen. Maria, so lesen wir es in der Schrift, sagt zu ihrer Berufung ein deutliches Ja: „Ich bin die Magd des Herrn; mit mir geschehe, wie du es gesagt hast“ (Lk 1, 38).

Der Raum wird von fünf Säulen bestimmt. Nach Spekulationen der Pythagoräer ist die fünf ein Zeichen für Vermählung.  Der schriftkundige Betrachter assoziiert den Zusammenhang zum Gleichnis der fünf klugen und törichten Jungfrauen, die ihrerseits auf den Bräutigam warten (Mt 25, 1 – 13).

 

Wolfgang Acht