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Kunstwerke des Montas 2017

01. Januar 2017

Der Zelebrationsaltar

Stand der erste romanische Altar der Kirche dort, wo jetzt der Zelebrationsaltar steht, so wurde dieser aufgrund des veränderten liturgischen Verständnisses im Mittelalter in den Zenit des Chorraumes gelegt und mit entsprechenden Bildern der Heilsgeschichte ausgestattet. Darüber hinaus standen bis zur beginnenden umfassenden Renovierung ab 1860 noch weitere fünfzehn Altäre in der Kirche.

Seit der Liturgiereform des zweiten Vatikanischen Konzils (1962 - 1965) sollte das liturgische Geschehen die Gottesdienstgemeinde mit einbeziehen. Um den Mahlcharakter der Eucharistiefeier zu betonen, wurde der Altar wieder als Mitte verstanden, um die sich die Gemeinde Jesu Christi versammelt. Im Jahre 2009 konnte eine lange Erprobungszeit mit der Weihe des neuen Altars abgeschlossen werden.

Der Kempener Steinmetz Manfred Messing gestaltete aus schwedischem Granit exakt in der Blickachse unter dem Vierungsgewölbe und im Schnittpunkt der drei Antwerpener Altäre für den neu gestalteten Chorraum den jetzigen Zelebrationsaltar mit Ambo.

Der Altar, das Herz der Kirche, wächst gleichsam aus dem Boden. Er ist aus festem Stein, der den Eckstein Christus symbolisiert, wie es im 1. Petrusbrief heißt. Die Dreiteilung des Steins nimmt die Dreiteilung der Flügelaltäre auf. Der geteilte und doch zusammenstehende Stein verweist auf das Geschehen auf dem Altar. Hier wird das Brot, das Jesus Christus selbst ist, geteilt und ausgeteilt, damit alle als eine Gemeinschaft des Leibes Christi zusammenstehen.

Die zwei Einschnitte geben dem Steinblock eine sichtbare Transparenz. Die beiden goldenen Linien, auf- und absteigend, erinnern an die Einheit und Liebe, die alles zusammenhält und vollkommen macht, wie es Paulus im Kolosserbrief ausdrückt (Kol.3,14)

Der seitlich davorstehende Ambo aus gleichem Stein, von dem das Wort Gottes gelesen wird, korrespondiert mit dem Altar. Auch er erwächst wie eine Säule aus dem Boden.

Auszug aus dem Kirchenführer "Kirchen in der Thomasstadt Kempen"

01. Februar 2017

Der Zelebrantenstuhl (2)

Das große, aus Eichenholz geschnitzte Werk (Ende des 15. Jh.; B 2,30 cm, H 3,90 cm), ist erstaunlich detailreich ausgeführt. Es wurde eventuell von Johannes Gruter geschnitzt, der auch die Chorgestühle der Kirche fertigte. Dieses Werk wurde aufgrund des Hinweises des Kölner Erzbischofs Hermann IV. von Hessen, er werde häufiger auch in Kempen residieren, als bischöflicher „Thron“ in der Kirche aufgestellt. In der Mitte ist Platz für den Bischof als Hauptzelebrant und rechts und links Platz für den Diakon und Subdiakon (Kleriker niedriger Weihestufen) die früher als Assistenten mitwirkten.
Oben im Baldachinbereich erkennt man hochwertige fünf männliche Gestalten mit Musikinstrumenten, unter ihnen König David mit Harfe. Sie wollen als Musiker gleichsam auf den Lobgesang im Gottesdienst verweisen. Als Wangenfiguren im Sitzbereich ist links Christus als Salvator (Retter) mit dem Buch des Lebens dargestellt. Er ist der, der die Mitte des Glaubens darstellt. Rechts steht Petrus ebenfalls mit Buch und Schlüsseln. Diesem galt stellvertretend für die Apostel doch Jesu Wort: „Dir werde ich die Schlüssel des Himmelreiches geben“ (Mt 16, 19). Diese etwas einfacher gestalteten Figuren dürften von einem anderen Schnitzer geschaffen worden sein. Sie wurden eventuell erst nachträglich eingefügt.

Auf der Rückwand des Stuhls (nur vom Chorumgang aus zu sehen), erkennt man rechts das Wappen des Kölner Erzbischofs Hermann IV. von Hessen (geb. 1449, auch der „Friedsame“ genannt) mit dem hessischen Löwen, in der Mitte das Kreuz mit den „Leidenswerkzeugen Christi“ und links das Stadtwappen von Kempen (die früheste Darstellung).
Die Kempener stifteten ihrem Landesherrn 1486 dieses Schnitzwerk. Dieser spendete daraufhin ein Glasfenster mit der hl. Ursula oberhalb der Sakristei, das nicht mehr vorhanden ist.

01. März 2017

Ein Kunstraub von Altarfiguren aus dem „Kreuzaltar“

Die Bilder weisen auf einen Vorgang hin, der in den rheinischen Medien Mitte 2016 für Überraschung sorgte. Es wurde auf einen Kunstraub von 1969 in der Propsteikirche St. Mariae Geburt hingewiesen.

Vor 46 Jahren wurden aus der linken unteren Schnitzgruppe der Beschneidung Jesu die Mittelfiguren, weiterhin zwei Figuren aus dem mittleren Bild der „heiligen Sippe“ und zwei aus dem rechten Bild, dem Marienbegräbnis geraubt. Der Diebstahl wurde damals nicht bekannt gegeben, war es doch peinlich, den Raub aufgrund der nicht genug befestigen Figuren nicht verhindert zu haben. Zwei Jahre später, im Jahr 1971, entschloss man sich , die fehlenden Figuren durch den erfahrenen Schnitzer und Restaurator, Wilhelm Hable aus Meerbusch, kopieren zu lassen.

Dieser hat eine erstaunlich gute handwerkliche Arbeit geleistet. Es standen ihm für diese Arbeit nur Schwarzweißfotos der Schnitzgruppen zur Verfügung, nach denen er die fehlenden Figuren kopierte und die Farbgebung dem oberen Altarensemble anpasste. Jetzt, wo die Originale wieder aufgetaucht sind, erkennt man, wie gut die Kopien gelungen sind.

Viele haben den Verlust gar nicht richtig wahrgenommen.

Die Originale aus dem Jahr 1520 wurden im Februar 2016 im Klostergarten Maria Lach anonym in einer Tragetasche abgestellt. Durch vorgenommene Recherchen des Bundeskriminalamtes konnten die Originale den jeweiligen Orten im Rheinland, wo man sie gestohlen hatte, zugeordnet werden. Vor der anstehenden Renovierung wurden die Originale mit den Kopien in einer Ausstellung im Kramermuseum der Stadt Kempen ausgestellt.   Der Renovierung bedarf es, weil die Figuren stark verschmutzt und Farbteile abgesprungen sind.   Diese Arbeiten sind aufwendig, daher sucht die Propsteipfarre Spender für diese Arbeit. Nach der Renovierung sollen die Figuren wieder ihren angestammten Platz im Kreuzaltar finden.  

Die Fotos zeigen einmal die Originale in dem noch nicht restaurierten Zustand und die Kopien von Wilhelm Hable aus Meerbusch aus dem Jahre 1971.

Pfarrer Wolfgang Acht

01. März 2017

Der Zelebrantenstuhl

Das große, aus Eichenholz geschnitzte Werk (Ende des 15. Jh.; B 2,30 cm, H 3,90 cm), ist erstaunlich detailreich ausgeführt. Es wurde eventuell von Johannes Gruter geschnitzt, der auch die Chorgestühle der Kirche fertigte. Dieses Werk wurde aufgrund des Hinweises des Kölner Erzbischofs Hermann IV. von Hessen, er werde häufiger auch in Kempen residieren, als bischöflicher „Thron“ in der Kirche aufgestellt. In der Mitte ist Platz für den Bischof als Hauptzelebrant und rechts und links Platz für den Diakon und Subdiakon (Kleriker niedriger Weihestufen) die früher als Assistenten mitwirkten.
Oben im Baldachinbereich erkennt man hochwertige fünf männliche Gestalten mit Musikinstrumenten, unter ihnen König David mit Harfe. Sie wollen als Musiker gleichsam auf den Lobgesang im Gottesdienst verweisen. Als Wangenfiguren im Sitzbereich ist links Christus als Salvator (Retter) mit dem Buch des Lebens dargestellt. Er ist der, der die Mitte des Glaubens darstellt. Rechts steht Petrus ebenfalls mit Buch und Schlüsseln. Diesem galt stellvertretend für die Apostel doch Jesu Wort: „Dir werde ich die Schlüssel des Himmelreiches geben“ (Mt 16, 19). Diese etwas einfacher gestalteten Figuren dürften von einem anderen Schnitzer geschaffen worden sein. Sie wurden eventuell erst nachträglich eingefügt.

Auf der Rückwand des Stuhls (nur vom Chorumgang aus zu sehen), erkennt man rechts das Wappen des Kölner Erzbischofs Hermann IV. von Hessen (geb. 1449, auch der „Friedsame“ genannt) mit dem hessischen Löwen, in der Mitte das Kreuz mit den „Leidenswerkzeugen Christi“ und links das Stadtwappen von Kempen (die früheste Darstellung).
Die Kempener stifteten ihrem Landesherrn 1486 dieses Schnitzwerk. Dieser spendete daraufhin ein Glasfenster mit der hl. Ursula oberhalb der Sakristei, das nicht mehr vorhanden ist.

01. April 2017

Der Kreuzweg in der Kempener Propsteikirche

Die Geschichte des Kreuzweges

Die urchristliche Gemeinde von Jerusalem begann schon im 4. Jh. dem vermuteten Kreuzweg Jesu in Jerusalem nachzugehen. Der eigentliche Brauch entwickelte sich dort aber erst durch die Franziskaner im 14. – 15. Jahrhundert. Die Gläubigen von Jerusalem und die Pilger sollten zum Mitvollzug des Passionsweges Jesu angeregt werden. Für die Stationen stützte man sich auf biblisch bezeugte Hinweise, fügte aber später weitere besinnliche dazu, wie die legendäre Station „Veronika reicht Jesus das Schweißtuch“. Gab es zuerst 12 Stationen, orientiert an der Zahl des neuen Bundes wurden es später vierzehn Stationen (2 x 7, sieben, eine heilige Zahl). Aber erst im 18. Jh. verbreitete sich der Brauch weltweit. Inzwischen findet sich in moderneren Kreuzwegen eine 15. Station: „Der von den Toten auferstanden ist.“ Den Kreuzweg in der Kempener Propsteikirche gab der damalige Pastor Schlünkes in Auftrag. Die Bilder wurden vom Kirchenmaler Heinrich Lamers in der Zeit zwischen 1895 und 1910 auf Holz gemalt (Tafelgröße 130 x 100 cm). Eingeweiht und aufgehängt wurde der Kreuzweg im Mai 1910. Die vierzehn Stationen hängen im linken und rechten Seitenschiff. Die vierte und achte Station des Kreuzweges haben wir ausgewählt, weil auf ihnen Motive der Stadt Kempen erkennbar sind.

 

4. Station: Jesus begegnet seiner Mutter

Von Schmerz gebeugt, trägt Jesus das Kreuz und sieht seine Mutter. Sie neigt sich ihm zu. Die Soldaten, die Jesus mit dem Kreuz vor sich her treiben, schauen skeptisch. Maria wird von zwei Frauen und dem Lieblingsjünger Johannes begleitet. Das Gebäude im Hintergrund erinnert an das Rathaus von Kalkar. Jesus wird zum Ausgestoßenen. Das Bild ruft den Betrachter dazu auf, an Jesu Leidensweg wie die Mutter Anteil zu nehmen und sich an sein Wort zu erinnern: „Wahrlich ich sage euch: Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr mir nicht getan“ (Mt 25, 45).

 

8. Station: Jesus begegnet den weinenden Frauen

Der das Kreuz tragende Jesus wirkt hier fast souverän. Er wird aber wird von Simon von Cyrene unterstützt. Jesus wendet sich den weinenden Frauen und ihren Kindern zu. Die Frauen werden von einem Begleiter mit Lanze deutlich zurückgewiesen. Die beiden Söhne des Simon, Alexander und Rufus schauen teilnehmend zu. Jesus sagt laut der Schrift zu den Frauen: „Ihr Frauen von Jerusalem, weint nicht über mich; weint über euch und eure Kinder“ (LK 23, 28). Er bittet auch den Betrachter, sich mehr dem Leid und der Not der Mitmenschen anzunehmen, anstatt nur das Leid der Welt zu beweinen. Nicht rührselige Distanz, sondern aktive Anteilnahme ist gefordert. Auf dem Bild ist im Hintergrund eindeutig das Kuhtor von Kempen zu erkennen. Das Kreuzweggeschehen soll damit in die Nähe des Betrachters und der in der Kirche betenden Gemeinde und gerückt werden.

01. Mai 2017

Das Magnifikatfenster

Passend zum Marienmonat Mai, möchten wir dieses Fenster vorstellen. Es wurde von Professor Emil Wachter gestaltet und konnte 1986 im Turmraum der Kirche eingefügt werden, weil bei der großen Kirchenrenovierung der 80er Jahre dort ein kleines Fensterloch wiederentdeckt wurde.  

Das Fenster ist der Tradition der „Bibelfenster“ verpflichtet, die sich besonders in den großen gotischen Kathedralen als Zentralfenster im Chorraum eingefügt sind (z. B. im Kölner Dom). Sie sind vielfach in einer Folge aufeinander abgestimmter Bildpaare gestaltet und möchten dem Betrachter die Verknüpfung von Erstem (AT) und Zweitem Testament (NT) vor Augen führen.

Hier weisen die Szenen in der linken Fensterbahn auf das Buch Samuel im Ersten Testament hin. Sie sollen als sogenannte „typologische“ Bilder das Geschehen aus der Kindheitsgeschichte und dem Marienleben (Zweites Testament) auf ihre Weise deuten.      

Folgen wir der Thematik der Bilder gemäß der Deutung von unten nach oben:       

Links erbittet Elkanas Frau Gottes Beistand, um Kinder empfangen zu dürfen. Sie wurden  prophetische Menschen (s. Buch Samuel). Die Rose rechts weist ihrerseits auf Maria hin, die durch die Erwählung Gottes zur „geheimnisvollen Rose“ wird (= eine Anrufung in der lauretanischen Litanei) weil sie den Messias gebären darf.

Links weist Hanna den Tempelpriester Eli darauf hin, dass sie Gott um Nachwuchs gebeten hat und dadurch zum Kindersegen kam (1 Sam 1, 14 – 17). Maria wird rechts durch den Engel Gabriel verkündet, dass Gott sie erwählt hat, den Heilsbringer Jesus zur Welt bringen zu dürfen (Lukas 1, 26 – 38).

Links steht Hanna, die mit erhobenen Händen Gott für seine Güte preist (1 Sam 2, 1 – 11). Rechts sieht man die Begegnung Mariens mit ihrer Base Elisabeth, bei der Maria ebenso das Handeln Gottes an ihr und allen Menschen im Lied des Magnifikat preist (Lukas 1, 46 – 56).

Schließlich zeigt oben das linke Bild, wie Hanna ihren Sohn Samuel dem Tempel weiht (1 Sam 24 – 28), der später seinem Volk den Weg Gottes zeigt. Rechts weist das Weihnachtsbild auf die Menschwerdung Gottes in Jesus hin, der für uns alle zum Heil wurde (Lukas 2, 1 – 7).      

Als Grundierung wurde die Farbe blau gewählt. Sie steht symbolisch für Unberührtheit und Reinheit, die besonders dem Himmlischen eigen ist. Von daher hat sich Blau zur Muttergottesfarbe herausgebildet. In der Kunst wird Maria deshalb häufig mit hell- und mittelblauem Mantel als „Königin des Himmels“ dargestellt.  

Das Fenster ist eine bildhafte, leuchtende Verkündigung der Heilsbotschaft für die Betrachter. Im Turm, also am Eingangsportal hat es einen durchaus symbolisch angemessenen Platz, bereitet es doch den Kirchenbesucher auf das in der Kirche gefeierte Geschehen hin.      

Wolfgang Acht

01. Juni 2017

Das gotische Sakramentshaus

Bei diesem Kunstwerk handelt es sich um ein Werk des Kölner Dombaumeisters Conrad von Köln und seiner Domwerkstatt. Es wurde 1461 – 1462 aus Sandstein für 300 Goldmark gefertigt. Das Werk ist 7,20 m hoch und gliedert sich in drei Ebenen, einem Fußteil, darüber die Tabernakelkammer mit Giebelkrönung und ein zweistöckiges Strebwerk an der Spitze. Die Figuren beziehen sich auf das sakramentale Brot, das hier aufbewahrt wird.

So findet sich:

  • im Rankenwerk der gegeißelte Jesus, umgeben von Engeln mit den „Leidenswerkzeugen“;
  • im darunter liegenden Ziergiebel die Figur des heiligen Paulus (Verkünder der Frohbotschaft weit über das Land Israel hinaus), des Petrus (der „Erste“ der Apostel) und Marias mit Kind (die „Gottesmutter“).

 

  • An der Tabernakelkammer sind als „Tabernakelwächter“ die so genannten „Kölner Marschälle“ angebracht: Papst Kornelius, Bischof Hubertus, Antonius der Wüstenvater und Quirinus von Neuss, die zugleich Pfarrpatrone der Nachbargemeinden sind. Die Figuren zeigen zugleich die Verbindung zur Kölner Kirchenprovinz, zu der Kempen früher gehörte.
  • Im unteren Sockelbereich stehen die Patrone der Tochterkirchen in jeweiliger Himmelsrichtung der Kirchen: St. Godehard (Patron von Vorst), St. Vitus (Patron von Oedt), St. Nikolaus (Patron der Kapelle in Schmalbroich) und St. Cyriakus (Patron von Hüls). Sie zeigen die enge Verbindung der ursprünglich vereinten Gemeinden im Umfeld von Kempen, die heute strukturell wiedergegeben ist.

Das Sakramentshaus ist also nicht nur ein künstlerisch hervorragendes Werk, sondern zugleich stellt es eine bildhafte Verkündigung dar für das, was im Tabernakel aufbewahrt wird, das „Brot des Lebens“, der hingebende Christus selbst.  

Wolfgang Acht

01. Juli 2017

Der Annenaltar

Die Annenbruderschaft  

Die Annenverehrung wurde in Kempen von der Annenbruderschaft gefördert. Zu den Pflichten der Bruderschaft gehörte die Teilnahme an der Messe an jedem Dienstag der Woche (am „Annentag“) sowie Solidarität und Hilfe in der Gemeinschaft und deren Unterstützung für die Armen.   Die Bruderschaft feierte ihre Gottesdienste in der linken Turmkapelle, die ihr zugewiesen war. Sie war einflussreich und bestand aus vielen gut situierten Bürgern. So konnte sie sich auch die Anfertigung eines kostbaren Altars leisten. Für die von ihr genutzte linken Turmkapelle wollte sie einen würdigen Altar haben.      

Der Antwerpener Künstler  

Die Annenbruderschaft wandte sich mit ihrem Anliegen an den Antwerpener Meister Adriaen van Overbeck und vereinbarte mit ihm vertraglich die entsprechenden Bedingungen und die inhaltliche Konzeption. Das Original des Vertrags vom 11. August 1513 findet sich heute noch im Kempener Stadtarchiv. Der Vertragstext ist in mittelhochdeutscher Sprache verfasst und weist einige inhaltliche Vorgaben der Auftraggeber für die Bildfolgen auf.   Ausgeliefert wurde der Altar jedoch nicht wie geplant am 26. Juli 1514, dem Namensfest der heiligen Anna, sondern erst am 15. August, dem Festtag „Mariä Himmelfahrt“. Aufgestellt war er in der für die Annenbruderschaft genutzten Turmkapelle. Er wurde aber nach der großen Kirchenrenovierung um 1860 in den Chorraum gesetzt und  wurde somit zum Hauptaltar der Kirche.      

Inhaltliche Konzeption des Altares  

Der Annenaltar in der Propsteikirche entspricht dem bekannten Konzept der Antwerpener Flügelaltäre: sie bestehen aus einem erhöhten, geschnitzten Mittelteil mit standardisierten Bildern und einem oder mehreren meist gemalten Flügelpaaren, die sich der Thematik von Heiligenviten annehmen. Im Annenaltar sind es Maria und deren Mutter Anna. Es soll gezeigt werden, dass Maria und ihr Kind Jesus Teil einer menschlichen Familie sind, einer „heiligen Sippe“.   Vor allem wollen die Schnitzbilder aufzeigen, dass Jesus Christus in eine familiäre, menschliche Umgebung, in eine „heiligen Sippe“ hineingeboren wurde. Seine „irdische Familie“ wird als der moralische und makellose Ort der Menschwerdung Gottes gedeutet. Entnommen sind die Bildthemen des Annenaltars der „legenda aurea“, eine Sammlung von ursprünglich 182 Traktaten zu Kirchenfesten und Heiligenlegenden des Dominikaners Jacobus de Voragine (um 1230 – 1298) sowie der „Geschichte der heiligen Mutter St. Anna“ von Wouter Bor (um 1500).   Diese „Legenden“ orientieren sich am Neuen Testament, besonders an den Kindheitsgeschichten, mehr aber noch an apokryphen Schriften (vor allem am „Jakobusevangelium“) sowie Apostel- und Märtyrerakten. Auf die Geschichte der Mutter Anna von Wouter Bor dürfte die seltene Darstellung auf den rechten Altarflügel vom Tod Annas beim Besuch ihres Enkels Jesus zurückzuführen sein.      

Die Altarbasis      

Die Altarplatte (Mensa) und die Basis des Altars sind erst bei der Umstellung des Annenaltars in den Chorraum erstellt worden. Sie sind aus Sandstein (98 cm x 258,5 cm x 128 cm). Am Antependium (Sichtseite der Basis) sind drei Gemälde auf Kupferplatten in die steinerne Rahmung eingesetzt (Bildgröße: 54 cm x 61 cm links, 55 cm x 59,5 cm mittig, 55 x 60 cm rechts). Es handelt sich (von links nach rechts) um das Mahl von Abraham und Melchisedek, das Paschamahl vor der Befreiung aus Ägypten und um das von Gott von Abraham geforderte Opfer seines Sohnes Isaaks.   Sie weisen inhaltlich auf das hin, was an und auf diesem Altar in der Messfeier vollzogen wird. Es geht sowohl um eine Tradition aus der Frühzeit, als auch um die Erinnerung an das Passahmahl vor der Befreiung aus Ägypten, an das Jesus beim letzten Abendmahl anknüpft. Vor allem aber um die Hingabe Jesu Christi, der sich selbst hingebend schenkte und von hier aus erneut schenken will.  

Wolfgang Acht

01. August 2017

Der Annenaltar - die heilige Sippe

Das Zentralbild des Annenaltars stellt die „Heilige Sippe“ dar. In der Mitte der Gruppe erkennt man Maria und Anna mit dem Jesuskind. Dahinter und daneben stehen die drei Männer Annas (zwei links einer rechts). Josef steht rechts neben Maria. Maria trägt das Kind, das sich Anna zuwendet. Anna hat ein Buch in der Hand. Es soll darauf hinweisen, dass sie Maria und ihre weiteren Töchter in die Schrift eingeführt hat.

Anna, so will es die „legenda aurea“ wissen, soll dreimal verheiratet gewesen sein. Als ihr erster Mann Joachim starb, heirate sie dessen Bruder Kleophas und als dieser starb der Bruder Salomas. Der jüdische Brauch sieht vor, dass eine Witwe nicht alleine bleiben soll, sondern mit einem der unverheirateten Brüder vermählt wird, damit sie emotional und finanziell abgesichert ist.

Links und rechts der Gruppe sitzen deshalb die weiteren Töchter aus diesen Ehen mit dem Namen Maria. Diese hatten zwei bzw. vier Kinder. Sie sind vor ihren Müttern zu sehen. Zwei davon spielen ein niederrheinisch übliches Bügelspiel, bei dem sie ein Hund beobachtet.  Es sind mit Jesus insgesamt sieben Kinder (Sieben ist eine heilige Zahl - eine Anspielung auf die sieben Tage der Schöpfung).

Das Bild der „heiligen Sippe“ soll deutlich machen, dass Jesus, der Retter und Erlöser zu einer jüdischen Familie gehört, also das Kind einer großen Familie wurde. Die Kinder sollen jeweils spätere Apostel gewesen sein. Es sind Johannes (der spätere Evangelist), Joseph genannt Justus, Jakobus der jüngere und Jakobus der ältere sowie Judas Thaddäus und Simon Kanaanäus. So werden die Apostel zu Vettern Jesu, steht doch in der Schrift, dass Jesus Brüder und Schwestern hatte (s. Mk 3, 32 ff – von den wahren Verwandten), diese folglich nicht die Söhne der jungfräulichen Gottesmutter Maria sein konnten.

Wolfgang Acht

01. September 2017

Der Annenaltar - Jesus der Davidssohn

Im Buch Jesaja heißt es: „Aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht“ (Jes 11, 1).  

Dieses Wort wird im Bild unter der „heiligen Sippe“ dargestellt. Es ist dort  Jesse, der Vater Davids zu sehen. In ihm ist der Ursprung des Davidsstammes biblisch bezeugt. Gilt doch David im Ersten Testament als die messianische Gestalt und als Urbild des verheißenen Messias.  

Man erkennt den schlafenden Stammvater Jesse (Isai = „Mann Gottes“) unter dem Baldachin eines kostbaren Beduinenzeltes. Aus seinem Schoß wächst die „Wurzel Jesse“ hervor, die zu einem Baum wird, in dessen Zweigen die zwölf Könige aus dem Stamm Davids hervorgehen. Diese „Stammväter“ umranken das mittlere Bild des Annenaltars. Im linken Rankenwerk ist König David mit der Harfe zu erkennen.   Die Spitze dieses Rankenwerkes zeigt die „Lebensfrucht“ des Davidstammes, das Christuskind auf dem Schoß Mariens. Maria reicht ihm eine Traube als Symbol für das bevorstehende Leiden. Wie die Traube in der Kelter zertreten wird, um den kostbaren Saft freizugeben, so wird Jesus am Kreuz mit seinem Blut allen Menschen die heilende Kraft der Erlösung schenken.  

Wolfgang Acht 

01. Oktober 2017

Die Albiez Orgel

Wenn in unseren Kirchen eine Orgel erklingt, dann erhebt sie die Herzen der Gläubigen auf wunderbare Weise. Mal majestätisch Gottes Größe lobend, mal leise flehend das Gebet der Menschen unterstützend, mal in frohem Klang, weil es Feste des Lebens zu feiern gilt, mal in melancholischen Tönen, weil die Trauer uns das Sprechen versagt. Mit der Vielzahl ihrer Register und Pfeifen wird die Orgel zu einem Vorbild für alles menschliche Zusammenleben. Durch den strömenden Wind werden die einzelnen Pfeifen lebendig und ergeben jenen unverwechselbaren Klang des Instruments, das ganz unbescheiden die „Königin der Instrumente“ genannt wird. Vielleicht kommt die Bezeichnung auch daher, dass sie durch ihr Spiel in der Feier der Gottesdienste die Gemüter der Menschen ganz nah mit der Ewigkeit Gottes, mit seinem Himmel, in Berührung bringt. In der Kempener Propsteikirche ist eine 500-jährige Geschichte von Orgeln bezeugt. Davon zeugt das erhaltene und restaurierte zweitälteste Orgelgehäuse der Renaissancezeit in Deutschland und eine klingende Orgel, die Albiez Orgel, die über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt ist und sehr geschätzt wird. Die finanzielle Grundlage für dieses noch sehr junge Kunstwerk in der Propsteikirche legte Propst Johannes Hüskes, Pfarrer in Kempen von 1963 – 1973. In seinem Testament hinterließ er rund 300.000 DM für eine neue Orgel. Der Orgelbau- Verein besorgte die restlichen 200.000 DM. Die Disposition erstellten Viktor Scholz aus Mönchengladbach und Walter Damm aus Kempen in Verbindung mit dem Orgelbaumeister Winfried Albiez aus Lindau am Bodensee. Die Intonation, die Krönung des Orgelbaus, entscheidet über Erfolg und Misserfolg aller übrigen Arbeiten. Jede einzelne Pfeife wird nach Tonansatz, Klangfarbe und – stärke auf den Raum abgestimmt, entsprechend dem Klangbild, das der Erbauer schon bei der Gesamtplanung zugrunde gelegt hat. Das 44 Register zählende Kunstwerk ist in besonderer Weise auf französische Orgelmusik ausgerichtet. Organisten von Weltruhm rühmen dieses Werk. Die Orgel wurde am 22.September 1979 eingeweiht.

 

Propst Dr. Thomas Eicker

Heinz Wilhelm Wolters

Die Schönheit einer Orgel kann man am besten beurteilen, wenn man ihren Klang auch hört. Der Kempener Kantor und Organist Christian Gössel spielt eine Imrovisation über eine Melodie, die im Gotteslob unterlegt ist mit dem Text  "Maria Mutter unseres Herrn".

Daher empfehlen wir Ihnen das nebenstehende Video!

01. November 2017

Annenaltar - Das Weltgericht

Wenn in der Advents- und Fastenzeit die Altarflügel vor den Mittelteil des Altars geklappt werden, wird  das Bild vom „Weltgericht“ bzw. „Jüngsten Gericht“ sichtbar. Besonders im 12. Jh. wird es in plastischen Szenen über den Portalen der gotischen Kathedralen sowie Fresken innerhalb der Kirchen bestimmend. Das weltweit bekannteste ist das „Jüngste Gericht“ an der Stirnwand der Sixtinischen Kapelle, das Michelangelo 1541 vollendete.
Die Thematik ist nicht einer mittelalterlich furchteinflößenden Verkündigungspraxis geschuldet, sondern greift den Gerichtsgedanken der Schrift auf. Schon bei den Propheten findet sich dieser, dann in der Predigt Johannes des Täufers sowie bei Jesus. Beide rufen zur Umkehr auf und machen deutlich, dass Gott einst Rechenschaft von jedem verlangen wird. In den Gleichnissen vom „Unkraut im Weizen“ (Mt13, 24ff) oder vom „Weltgericht“ (Mt 25, 14 ff) wird das erkennbar. Es dürfte nicht verwundern, dass sich diese Bildthematik in der christlichen Kunst immer mehr durchsetzt.

Auf den rückwärtigen Altarflügeln des Annenaltar ist zu sehen:
    Oben in der Mitte der wiederkehrende Christus und Weltenrichter auf dem Thron, umgeben von Engel, die die „Leidenswerkzeuge“ der Passion tragen. Dem Thronenden ist links eine Lilie (Symbol für den Maßstab) und rechts ein Schwert (Symbol der Vollmacht zugeordnet.  Er weist mit seiner rechten, erhobenen Hand auf die hin, die zu den Auserwählten gehören dürfen  und mit der linken nach unten zu den Verworfenen.
    Neben ihm sind links und rechts die „Aufrechten“ / „Gerechten“ (Heilige und Apostel) zu sehen.
    Darunter rufen Engel mit Trompeten links die Toten vor den Thron und rechts werden die  „Verworfenen“ unterhalb einer brennenden Stadt von dämonischen Wesen in die Verdammnis geführt. 

In der Advents- und Fastenzeit soll durch dieses Bild der Umkehrgedanke betont und herausgefordert werden. Es bleiben bei der Schließung des Altars dennoch die Bilder von der Geburt Jesu, der Anbetung der Könige und der Weihe Jesu im Tempel sichtbar.
Durch die Menschwerdung Jesus werden wir zur Beziehung mit Gott ermutigt, aber auch herausgefordert. Wir sollen mit unserem Leben Konsequenzen aus dem Entgegenkommen Gottes ziehen und, übertragen gesprochen, wie er Mensch zu werden.