Kunstwerke des Montas 2020
01. Januar 2020
Romanisches Taufbecken
Im südlichen Turmraum steht eines der ältesten sakralen Kunstwerke der Kirche, der Taufstein aus dem 12. / 13. Jahrhundert.
Das romanisch, maasländische Werk hat eine Höhe von 101 cm und eine Breite von 113 cm. Der obere Beckenteil des Taufsteins ist älter. Er hat auf fünf Säulen und einem Mittelfuß gestanden haben, worauf die runden Kapitellansätze darunter schließen lassen. Der Taufstein ist aus Namurer Blaustein (Ardennen).
Nach der Fertigstellung des nördlichen Seitenschiffes ist er wohl in die heutige Taufkapelle gesetzt worden.
Möglicherweise ist an diesem Taufstein schon Thomas von Kempen getauft worden. Die Taufe ist das erste Sakrament.
Durch die Taufe wird man nicht einfach das Mitglied einer Institution, sondern gehört zur Gemeinschaft der Gläubigen, die von Gott selbst gewollt sind und zu der er steht. Die Taufe „heiligt“, weil sie ein Geschenk Gottes an sein „Ebenbild“, der Mensch ist. Eigentlich sollte jeder Christ den Tauftag als zweiten Geburtstag feiern.
Wolfgang Acht
01. Februar 2020
Der Schneider von Kempen - Eine Säulenkonsole im rechten Chorumgang
Auf der rechten Seite des Chorumgangs überrascht, eine Sitzfigur an einer der Säulenkonsolen. Sie vermittelt den Eindruck, als trüge sie diese Säule.
Es ist zur Entstehungszeit des Chorumgangs nicht ungewöhnlich, dass der Baumeister oder ein leitender Steinmetz sich selbst darstellt um zu zeigen, dass er das Bauwerk gestaltetet hat.
Die Figur im Schneidersitz erinnert an eine Legende, die von einem armen Kempener wissen will, dass dieser, weil er kein Geld für den Bau der Kirche spenden konnte, bereit war, stattdessen nach seinem Dienst in der Werkstatt, jede Nacht Bausteine auf die Gerüste schleppte, damit am nächsten Tag weitergebaut werden konnte.
So wird das Bild des Baumeisters zum Bild der ehrenamtlichen Dienste, ohne die eine Gemeinde solche Projekte nicht meistern könnte. Hätte es diese engagierten Menschen nicht über all die Jahrhunderte gegeben, stünde das hier gezeigte „Schmuckstück“, die Kirche, gewiss nicht mehr so da. Das Bild wird zu einem kleinen „Heiligenbild“ und zum Denkmal für das „Ehrenamt“.
Möge es weiter diese engagierten Menschen in der Gemeinde geben.
Wolfgang Acht
01. März 2020
Zwei romanische Konsolen
Die beiden Sockelfiguren dürften ursprünglich Hinweis dafür gewesen sein, dass in den linken Bänken die Frauen und in den rechten die Männer ihren Platz hatten.
Ist doch der linke Kopf mit einer Haube versehen, was darauf hinweist, dass ein Mädchen bei der Eheschließung „unter die Haube“ gekommen ist. Rechts findet sich keine Kopfbedeckung, weil die Männer im Gottesdienst keine Kopfbedeckung tragen sollen.
1992 wurde bei der großen Renovierung den Köpfen eine neue Deutung zugeordnet. Propst Dr. Josef Reuter gab eine neue Interpretation vor, die der Maler Günter Krumbach umsetzte.
Die linke Figur zeigt nun einen „Ungläubigen“ und die rechte den „Gläubigen“. Der „Ungläubige“ verschließt Augen und Ohren für die frohe Botschaft, der „Gläubige“ öffnet dagegen die Augen und Ohren. Deshalb sind den Köpfen links ein Strauß mit dem Kopf im Sand und welke Zweige und rechts ein aufstrebenden Adler und Sprösslinge zugeordnet.
So werden die Bilder zur Mahnung in Bezug auf die Haltung zu Glaube und Gottesdienst. Der Glaube kommt vom Hören, während die Verschlossenheit ins Dunkle führt.
Wolfgang Acht
01. April 2020
Pieta im Chorumgang
Das hölzerne Vesperbild / Pieta dürfte im 17. Jh. entstanden sein, zeigt es doch barocke Züge. Es wurde 1981 in mühsamer Kleinarbeit von Schmutz und von später aufgelegten Farbgebungen befreit. Daher sieht es etwas unfertig aus. Doch nach Auffassung des Denkmalschutzes sollte die ursprüngliche Fassung bewahrt bleiben.
Das Bildnis stand früher in einem heute nicht mehr existierenden Heiligenhäuschen in Unterweiden.
Die leidende Mutter trägt ihren toten Sohn, der die furchtbare Kreuzigung erlebt hat. Ihr Gesicht wirkt fast starr vor Schmerz. Dennoch stellt sie sich der Trauer um ihren Sohn und nimmt ihn behutsam in ihre Arme und auf ihren Schoß. Wie furchtbar hat sich doch das Wort Simeons bei der Weihe des Sohnes im Tempel erfüllt: „Dieser (dein Sohn) ist dazu bestimmt, dass in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird. Dadurch sollen die Gedanken vieler Menschen offenbar werden. Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen“ (Lk 2, 34 f).
Viele können vor diesem Bild ihre Not artikulieren und darum bitten, Maria möge die Kraft geben, Schmerz und Trauer zu tragen.
Wolfgang Acht
01. Mai 2020
Heiliger Josef mit Kind im Chorumgang
Propst Lux (1901-1963) erwarb diese Figur 1960 im Kunsthandel.
Die barocke Holzfigur ist 122 cm hoch. Die Lilie wurde später hinzugefügt. Propst Lux wollte dem heiligen Josef in der Kirche auch seinen Platz zuweisen, hat er doch Maria mit Jesus auf Geheiß des Engels angenommen und beide begleitet. Deshalb trägt er nicht nur den Sohn als Kind auf dem Arm, sondern auch eine Lilie als Zeichen seiner Bereitschaft, die Jungfräulichkeit der Mutter zu wahren.
Josef wird nur im Zusammenhang der Kindheitsgeschichte bei Matthäus und Lukas benannt. Bei Markus wird er nur indirekt erwähnt, als Jesus der Sohn des Zimmermanns genannt wird. Das Matthäusevangelium benennt ihn - wie Glaubenszeugen des Ersten Testaments - als „Gerechten“.
Weil er dem Stamm David zugehörig war, musste er auch zur Volkszählung nach Bethlehem, in die Stadt Davids gehen, aus der der Messias hervorgehen würde, wie es im Buch Micha heißt: „Du, Bethlehem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten von Juda; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel“ (Micha 5, 1. 3). In Bethlehem erfolgte dann der Verheißung gemäß die Geburt des Gotteskindes am Rand der Stadt. Zur Segnung des Kindes im Tempel begleitet Josef Maria. Als Herodes ankündigt, jede Erstgeburt in Bethlehem töten zu lassen, um den angekündigten König als Konkurrenten zu töten, flieht Josef mit den Beiden nach Ägypten. Nach dem Tod des Herodes kehren sie zurück nach Nazareth.
Erst spätere Legenden schmücken vielfältig das Leben Josefs aus.
Wolfgang Acht
01. Juni 2020
Petrusfigur aus dem 15. Jahrhundert
Diese aus Eiche um 1480 geschnitzte Petrusfigur (innen ausgehöhlt; Höhe 125 cm, Breite 61 cm), ist eine nicht so künstlerisch wertvolle Arbeit. Es handelt sich um eine niederländische und maasländische Arbeit.
Diese Figur stand ursprünglich im Peterstor der Stadtmauer in Richtung der Kapelle St. Peter, das älteste Gotteshaus des Umkreises. Nach Abriss des Peterstores wurde die Figur in der Kirche aufgestellt.
Petrus trägt einen Schlüssel in der rechten Hand, was auf ein Wort Jesus an Petrus zurückführt: „Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein“ (Mt 16, 19). Mit der linken Hand blättert er in einem Buch, das ihn als Verkünder der Frohbotschaft kennzeichnet.
Er ist in einen Chormantel gehüllt und trägt die Stola in Kreuzform. Er ist mit einer Tiara gekrönt, das Privileg des Papstes bis ins 20. Jh. Sie weist mit drei Kronreifen auf die dreifache Vollmacht des Papstes: die Binde- und Lösegewalt sowie die Lehr- und Leitungsvollmacht für die Gesamtkirche.
Das Fest des Apostels Petrus feiert die Kirche immer am 29. Juni des Jahres, wie es Papst Hadrian I. (772 – 795) festgelegt hatte. Er verband das Fest mit dem Gedenken an den heiligen Paulus, da beide nach alter Tradition als „Apostelfürsten“ gelten.
01. Juli 2020
Joachim und Anna auf der Rückseite des Annenaltars
Das untere Bild auf der Rückseite des Annenaltars stellt die „heilige Sippe“ dar.
In der Mitte sitzt die heilige Anna vor ihren drei Männern Joachim, Kleophas und Salomas. Neben ihr sieht man Maria mit dem Jesuskind, begleitet von Josef aus dem Stamm Davids. Maria ist mit einem blauen Purpurgewand und einem weißen Schleier bekleidet, der sie als Jungfrau kennzeichnet. Anna trägt ebenfalls ein kostbares Gewand. Auf ihrem Schoß liegt ein geschlossenes Buch, ein Hinweis dafür, dass sie Maria in die heilige Schrift einwies. So lernte Maria die Heilsgeschichte Gottes verstehen. Dem Jesuskind reicht Anna einen roten Granatapfel, Symbol der Liebe und des Blutes, damit also von Leben und Tod. Hier klingt schon das kommende Leid an, dass Jesu bevorsteht.
Im Mittelpunkt steht also Jesus, der Sohn Gottes, der in eine menschliche Familie hineingeboren wurde. Der Schöpfer der Welt macht sich in ihm klein für uns und wird Mensch unter den Menschen.
Links und rechts sind die beiden weiteren Töchter Annas mit ihren Männern Alphäus und Zebedäus mit deren vier bzw. zwei Kindern zu sehen: Jakobus der Jüngere, Joseph genannt Justus, Simon und Judas Thaddäus (links) sowie Jakobus der Ältere und Johannes (rechts). Zwei Kinder links tragen Mönchsgewänder, was sie als spätere Jesusjünger deutet. Ein Kind interessiert sich für das aufgeschlagene Buch im Schoß der Mutter, das andere hat eine Keule in der Hand, wohl Judas Thaddäus, was auf seinen späteren Martyrertod hinweist. Ein Kind im rechten Teil des Bildes ist nackt. Es dürfte Jakobus der Ältere gemeint sein, der als erster der Apostel unter Herodes den Märtyrertod erlitt. Das andere mit Mönchskutte, wohl Johannes der Evangelist, trägt einen Giftkelch. Der verweist auf den später fehlgeschlagenen Versuch, ihn zu vergiften. Beide Töchter der Anna haben einen gelben Apfel in der Hand und tragen kostbare Gewänder.
An Joachim und Anna wird im Jahreskalender der Kirche am 26. Juli des Jahres gedacht.
1514 wurde an diesem Festtag der Annenaltar in der nördlichen Turmkapelle aufgestellt, der 1850 nach der großen Renovierung in den Chorraum der Kirche gesetzt wurde.
Wolfgang Acht
01. August 2020
Die Marienverehrer in der Marienkapelle
Im August denkt die Kirche an zwei bedeutende Ordengründer, an Dominikus und Bernhard von Clairvaux.
Dominikus hat einen Rosenkranz in der Hand, weil man ihn als Schöpfer des Rosenkranzgebetes ansieht. Zu Füßen Bernhard von Clairvaux ist ein Wappen zu sehen.
Beide Heilige waren große Verehrer Mariens. Sie haben großartige Texte zur Stellung Mariens im Heilsplan geschrieben.
Mit ihnen sind Bernadette von Lourdes und Hermann-Josef von Steinfeld dargestellt. Mit der linken Hand weist Bernadette auf das unter ihr stehende Gnadenbild hin. Hermann-Josef, in Köln geboren und später in Steinfeld als Ordensmann lebend, hat einen Apfel in der linken Hand. Als Kind soll er bei seinen regelmäßigen kurzen Besuchen in der Kirche Maria im Kapitol einmal Maria einen Apfel für das Kind angeboten haben.
Diese, so heißt es, nahm ihn an. Bis heute ist es deshalb Brauch, an der alten Marienstatue einen frischen Apfel abzulegen.
Unter den Heiligen sind Anrufungen aus der lauretanischen Litanei mit Anrufungen an die Gottesmutter zu lesen. Sie entstand im Mittelalter und ist erstmals 1531 im italienischen Wallfahrtsort Loreto belegt.
Die hier wiedergegebenen Anrufungen unter den Darstellungen lauten: Bei Bernhard „Zuflucht der Sünder“, bei Bernadette „Heil der Kranken“, bei Dominikus „Hilfe der Christen“ und bei Hermann-Josef „Mutter der Gnade“.
Dieses Fenster wurde 1937 von Prof. Heinrich Dieckmann, selbst ein Kempener, entworfen.
Wolfgang Acht
01. September 2020
Die Engelfiguren neben dem Gnadenbild
Die Kirche feiert jedes Jahr am 29. September das Fest der Erzengel Michael, Gabriel und Rafael. Nur drei Tage später, am 2 Oktober ist dann das Schutzengelfest.
In den Präfationen der Messe heißt es: „Darum preisen wir dich mit allen Chören der Engel und singen vereint mit ihnen das Lob deiner Herrlichkeit“. In der Schrift finden sich viele Beispiele für die Engel als Boten Gottes. Engel sind keine selbständigen, mit eigener Macht ausgestatteten Wesen, sondern handeln immer im Auftrag Gottes, sind also Ausdruck seines Wirkens. Deshalb sind auch ihre Namen auf Gott bezogenen, was die letzte Silbe der Namen zeigt: „El“ ein alttestamentlicher Gottesname. Deshalb also Gabri-El „Macht Gottes“, Rafa-El „Gott heilt“, Micha-El „Wer ist wie Gott?“ In den Kirchen, besonders aus der Barockzeit, finden sich viele Engeldarstellungen.
Rechts und links neben dem Kempener Wallfahrtsbild der thronenden Madonna ist ein Leuchterengelpaar aus dem 15. Jh. zu sehen (ein weiteres steht in der Sakristei der Kirche). Sie tragen achteckige Leuchter mit einem Zinnenkranz, der als Tropfschale dient. Sie haben langes, lockiges Haar und sind mit Alben und Chormänteln bekleidet. Hier sind sie dem Gnadenbild zugeordnet und betonen damit die Bedeutung des marianischen Gnadenbildes. Bei den früheren Prozessionen mit dem Gnadenbild durch die Stadt wurden auch sie mitgetragen.
Wolfgang Acht
01. Oktober 2020
Bruno von Köln
Das Fensterdetail wurde für Oktober gewählt, weil es Bruno, den Ordensgründer der Kartäuser, zeigt, dessen Gedenktag die Kirche am 11. Oktober feiert.
Man hat sein Bild in die Reihe von Glaubenszeugen eingefügt. Des weiteren sind dort Gereon, Victor von Xanten, Severin, Bonifatius, Ludger, Norbert, vertreten, bei welchen es sich um heilige Glaubenszeugen, die besonders im Rheinland verehrt werden, handelt. Natürlich findet sich in diesem Fenster auch das Bild des Thomas von Kempen. Auch einige Zeugen des 20. Jh., die dem Nationalsozialismus widerstanden haben und dafür den Tod fanden, z. B. Erich Klausener, Alfred Delp, aber auch Clemens August Kardinal von Galen, den man wegen seiner Predigten gegen die Euthanasie den „Löwen von Münster“ nannte, sind dort vertreten. Er starb im März 1946, kurz nach der Erhebung zum Kardinal. Kardinal Clemens August von Galen wurde am 9. Oktober 2005 im Petersdom selig gesprochen.
Der heilige Bruno wurde um 1030 in Köln geboren und übernahm 1057 die Domschule in Reims/ Frankreich, wo er auch studiert hatte. Über 20 Jahre unterrichtete er und verhalf der Schule zu großem Ansehen. 1083 legte er seine Ämter nieder und verließ Reims, nachdem er die Wahl zum Bischof von Reims abgelehnt hatte. Bischof Hugo von Grenoble, ein früherer Schüler von ihm, schenkte ihm im Norden von Grenoble ein Gelände namens Cartusia, wohin er sich mit Gefährten zurückzog und dort die große Kartause gründete. Zuerst gab es nur eine Kapelle, die mit Einzelzellen umgeben war. Papst Urban II. (1088-1099) holte Bruno als Berater nach Rom, wo er zwei Jahre blieb. Am 6. Oktober 1101 starb er. Der Gedenktag von Heiligen wird vom Todestag bestimmt, weil die Gläubigen überzeugt sind, dass mit dem Tod die Vollendung des Menschen durch die Auferstehung erfolgt.
Wolfgang Acht
01. November 2020
Märtyrerin im Chorumgang
Die hier gezeigte Figur aus Lindenholz steht hinter dem Annenaltar links im Chorumgang der Kirche. Sie stammt aus dem 18. Jh. und gehörte vielleicht einmal zum (Katharina)Altar, der bis Mitte des 19. Jh. an der Stirnwand des nördlichen Seitenschiffes stand, wo heute der Jakobus-Antonius-Altar steht. 1959 wurde die Figur restauriert und von späteren Übermalungen befreit. Stilistisch erinnert sie an die Altarfigur der heiligen Katharina in der Paterskirche.
Sie trägt ein wie ein Brustpanzer wirkendes geschnürtes Mieder über ihrem Kleid. Um die Schultern ist ein weißer Mantel mit breiter Hermelinborte gelegt. So wirkt die Figur raumgreifend und bewegt.
Ob es sich um die hl. Katharina handeln könnte, ist nicht sicher, weil bei ihr die eindeutigen Attribute (Rad und Schwert) nicht vorkommen, im Gegensatz zu einem Palmzweig, den sie in ihrer Hand hält, der sie als Märtyrerin kennzeichnet. Die Figur wird in Kempen dennoch als Katharina bezeichnet und vereehrt.
Wolfgang Acht
01. Dezember 2020
Die heilige Barbara im Chorumgang
Diese Figur aus dem 18. Jh. wurde für eine Kirche in Bayern erworben. Sie hält das für sie kennzeichnende Attribut, den Turm. Ansonsten ist sie in ein einfaches Kleid gehüllt. Den Mantel hat sie lose um die Hüften gewunden.
Der Legende nach lebte die Tochter des reichen griechischen Kaufmanns Dioskoros in Nikomedia, dem heutigen Izmir, in der Türkei. Im Jahr 306 starb sie den Märtyrertod. Viele Erzählungen ranken sich um Barbara: So soll sie von ihrem heidnischen Vater in einen Turm eingeschlossen worden sein, weil er auf seine bildschöne junge Tochter eifersüchtig war und eine Heirat verhindern wollte. Während der Vater auf Reisen war, ließ Barbara sich dennoch heimlich taufen. Der Vater führte sie daraufhin dem Stadthalter zu, der die Christen verfolgte und deshalb auch das Todesurteil sprach.
Wie Katharina und Margareta gehört Barbara zu den sogenannten „drei heiligen Madeln“, die besonders im Mittelalter verehrt wurden und zu den 14 Nothelfern gezählt wurden. Bei diesen handelt es sich um vierzehn Heilige aus dem zweiten bis vierten Jahrhundert. Es sind drei weibliche und elf männliche Heilige, von denen bis auf den hl. Ägidius alle als Märtyrer starben. In der katholischen Kirche werden sie als Schutzpatrone angerufen, in der evangelischen Kirche gelten sie als Vorbilder im Glauben.
Um die Person der heiligen Barbara entwickelte sich ein reiches Brauchtum, zum Beispiel das Schneiden der Barbara-Zweige an ihrem Gedenktag (4. Dezember), denn an Weihnachten die Zweige erblühen sollen. Weiterhin wurde sie die Patronin der Bergleute, die beim Einstieg in den Stollen das „Barbara-Licht“ anzünden.
Barbara ist eine der populärsten Heiligen. In vielen Kalendern ist der 4. Dezember als Namensfest der heiligen Barbara besonders ausgewiesen. Gärtnereien und Blumengeschäfte profitieren vom Brauchtum des Barbaratags. Allerdings ist die historische Existenz der Heiligen relativ unsicher. Was Legende oder was als real anzusehen ist, lässt sich kaum trennen. Historisch ist nur die Verehrung Barbaras als Märtyrerin nachweisbar.
Wolfgang Acht
















