Die Michaelsfigur auf dem Kreuzaltar, an der Stirnwand des südlichen Seitenschiffes
An der Spitze des Altars steht eine große, beflügelte Figur des Erzengels Michael. Schon sein Name weist ihn als Gottesknecht aus: „Micha“ ist mit dem Gottesnamen „El“ verbunden und bedeutet „Wer ist wie Gott?“. Michael gilt als Fürst der himmlischen Heerscharen und als Beschützer der Kirche Christi. Er führt den Kampf gegen alle gottfeindlichen Mächte, bezwingt den Drachen als Sinnbild des Bösen und bezeugt, dass allein Gott Ehre und Verehrung gebühren. Bereits früh wird Michael – in Anlehnung an das Buch Genesis (Gen 3) – als Hüter des Tores zum Paradies dargestellt. Nach kirchlicher Tradition kommt ihm zudem die Rolle des „Seelenwägers“ am Tag des Jüngsten Gerichts zu, wie sie in zahlreichen Weltgerichtsdarstellungen sichtbar wird. In den Visionen des Prophetenbuches Daniel erscheint Michael außerdem als „Schutzengel Israels“. Zahlreiche Überlieferungen berichten von Erscheinungen des heiligen Michael an verschiedenen Orten. Eine der bekanntesten führt nach Rom, wo im 5. und 6. Jahrhundert eine verheerende Pestepidemie etwa die Hälfte der Bevölkerung das Leben kostete. Der Erzengel soll schließlich auf die Fürsprache von Papst Gregor dem Großen (590–604) auf der Spitze des Mausoleums des Kaisers Hadrian erschienen sein. In der Folge erhielt das ursprünglich römische Grabmal, das im frühen Mittelalter zu einer Festung ausgebaut wurde, den Namen „Engelsburg“. Noch heute krönt eine große Bronzestatue des Erzengels mit gezogenem Schwert das Bauwerk. Im 9. Jahrhundert erklärte Kaiser Karl der Große den heiligen Michael zum Patron seines Reiches. Dieses Patronat wirkt bis in die Gegenwart nach und hat sich unter anderem im Ausdruck „der deutsche Michel“ erhalten.
Wolfgang Acht

