Über den seitlichen Schnitzbildern im Mittelteil des Annenaltars sieht man eine Verkündigungsgruppe: links der jugendliche Engel, rechts Maria, in einem Buch lesend, vor einem Betstuhl. Diese Gruppe gehörte nicht zur ersten Ausstattung, sondern wurde wohl erst im 19. Jh. dort platziert.
Doch man hat einen guten Platz für die Gruppe ausgewählt, wird doch durch sie neben den Bildern aus dem Leben der heiligen Anna und der Heiligen Familie der eigentliche Anfang des Heilsgeschehens, die Menschwerdung Gottes in Jesus von Nazareth, betont. Dafür bittet der Engel im Auftrag Gottes die bescheidene Frau aus Nazareth, den Sohn zu empfangen und zu gebären. Der Engel trägt ein Lilienzepter, um damit die Jungfräulichkeit Marias zu kennzeichnen.
Wie großartig, dass Maria sich bereit erklärte und auf das Ansinnen Gottes sagte: „Ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe, wie du es gesagt hast“ (Lukas 1,38). Maria ist deshalb zu Recht wie eine königliche Frau gekleidet.
Wolfgang Acht
Das Fenster befindet sich im nördlichen Seitenschiff.
Majestätisch steht der auferstandene Christus in einer strahlenden Mandorla, eine Siegesfahne tragend, vor uns. Vier Soldaten liegen ihm erschrocken zu Füßen.
Unter dem Bild steht in einem Schriftzug: „Scimus Christum resurrexisse de mortuis vere / Tu nobis victor Alleluja Amen“ (sprachlich fehlerhaft): „Wir wissen: Christus ist wahrhaft von den Toten auferstanden. Du bist unser Sieger, Alleluja, Amen.“
Rechts erkennt man die drei Frauen, die am frühen Morgen die Stadt (im Hintergrund) verlassen, um sich auf den Weg zum Grab zu begeben, wo sie durch die Botschaft eines Engels von der Auferstehung des Toten überrascht werden.
Im unteren Teil zeigt sich der typologische Bezug zum Alten Testament (AT):
Rechts ist der Prophet Jona zu sehen, der sich geweigert hatte, dem Ruf Gottes zu folgen und Ninive zur Umkehr aufzurufen. Er wurde auf einem Schiff, das in Seenot geriet, als Schuldiger erkannt und von den Seeleuten ins Meer geworfen. Hinter Jona sieht man zwei Segelboote. Ein großer Fisch verschlang ihn, als er ins Wasser fiel, spie ihn aber nach drei Tagen wieder an Land aus, was hier dargestellt ist (vgl. Jona 1,3 – 2,11). Die drei Tage im Fisch werden später zum Hinweis auf Jesu dreitägigen Aufenthalt im Grab. Die Befreiung Jonas wird so zum Symbol dafür, dass Christus nicht im Grab blieb, sondern auferstand.
Links stößt der Erzengel Michael („Wer ist wie Gott?“) auf einen grünen, rotköpfigen Drachen mit vielen zangenartig endenden Armen ein. Gemeint ist, dass Gott in Christus über das Böse gesiegt hat.
Wolfgang Acht
Die fünf Passionsfenster im südlichen und nördlichen Turmraum wurden Anfang der 1930er-Jahre des 20. Jahrhunderts von Heinrich Dieckmann (1890–1963), einem Künstler aus Kempen, entworfen. Sie nehmen Bezug auf die Gesätze des „schmerzhaften“ Rosenkranzes. Heinrich Dieckmann war es ein besonderes Anliegen, diese Fenster für „seine“ Kirche zu schaffen, die er in seiner Kindheit und Jugend regelmäßig zum Gottesdienst besuchte. Unter ihnen ist das Kreuzfenster im nördlichen Turmraum das eindrucksvollste.
Das rote (Triumph-)Kreuz steht aufrecht in der Mitte des Fensters, seine Kreuzarme überspannen die gesamte Bildfläche. Über dem Gekreuzigten ist das Schild „INRI“ (Jesus von Nazareth, König der Juden) angebracht. Er ist lediglich mit einem Lendenschurz bekleidet und blutet aus seinen Wunden. Der leuchtend dargestellte Christus wird hier durch seine Hingabe aus Liebe als „Licht der Welt“ verstanden.
Unter dem Kreuz steht seine trauernde Mutter, dunkel gekleidet und mit einem weißen Nimbus versehen, der auf ihre Reinheit hinweist. Hinter ihr befindet sich eine in Rot gekleidete Frau, eine derjenigen, die Jesus bis nach Golgatha gefolgt sind. Rechts neben dem Kreuz ist Johannes mit jugendlichem Gesicht dargestellt, der auf den Gekreuzigten, das „Lamm Gottes“, hinweist. Unter dem Kreuz kniet Maria von Magdala, die um Jesus trauert. Das rot leuchtende Kreuz wirft sein Licht auf sie, sodass sie sich deutlich von der Dunkelheit des unteren Bildteils abhebt. Ihr wurde viel vergeben; deshalb ist sie Jesus aus Liebe und Dankbarkeit bis zum Kreuz gefolgt. Später wird sie zur „Apostolin der Apostel“, da sie als Erste die Auferstehung des Herrn bezeugt.
Hinter der linken Figurengruppe sind vier Lanzen zu erkennen; die Soldaten selbst werden von den Trauernden überdeckt. Auf der rechten Seite ist ein berittener Hauptmann in grauem Mantel mit erhobener Hand dargestellt, der im Blick auf den Gekreuzigten glaubend spricht: Dieser ist der „Sohn Gottes“ (vgl. Matthäus 27,55).
Im blauen, himmlischen Licht über der Kreuzszene sind drei Engel zu sehen.
Wolfgang Acht