Diese Kohlezeichnung wurde von Heinrich Dieckmann 1921 gemalt. 2005 wurde das Bild der Gemeinde Mariae Geburt geschenkt.
Wolfgang Acht
Ein starkes Licht geht von dem Stern oben links aus, der von einem schwebenden Engel getragen wird und dessen starkes Licht Maria zur leuchtenden Gestalt werden lässt. So bestimmt Maria das ganze Bild diagonal. Neben Maria kniet Josef mit ganz verkrampften Händen, als wäre es für ihn noch schwer, diesem Kind die Anbetung zu zollen. Neben Maria, die das Kind in ihren Armen hält und mit der linken Hand den Kopf zärtlich streichelt, kniet ein Engel.
Das Kind selbst scheint aufmerksam auf den Stern zu schauen. Zwei Hirten mit Hirtenstab stehen hinter Josef und sind lediglich mit ihren hellen Gesichtern zu erkennen. Sie hatten Engel auf die Geburt dieses messianischen Kindes hingewiesen. Rechts neben Maria steht eine junge Frau, oder ein Engel mit auf der Brust gekreuzten Händen, die auch vom Licht erhellt wird und ganz auf das Kind konzentriert ist.
Der große Kopf im unteren linken Teil des Bildes mit dichtem Bart und der erhobenen Hand, der nicht auf die leuchtende Maria mit ihrem Kind schaut, könnte der Seher Jesaja sein, der dieses Ereignis verheißend beschrieb: „Die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären. Sie wird ihm den Namen Immanuel geben“ (Jes 7, 14).
Das Geschehen spielt sich unter einem Spitzbogen ab. Im Hintergrund erkennt man rechts eine Stadt, wohl Bethlehem, in der Maria, Josef und das Kind keine Herberge finden konnten.

Auf den Hoch- und Pultwangen im rechten Teil des Chorgestühls sind die vier Kirchenväter dargestellt. Sie haben entscheidend zur Lehre und Selbstverständnis des Christentums beigetragen, weswegen sie den Ehrentitel „Kirchenväter“ erhielten. Die griechisch - orthodoxe Kirche benennt ihrerseits als die vier Kirchenväter Johannes Chrysostomos, Basilius von Caesarea, Gregor von Nazianz und Athanasius von Alexandria. Die römisch - lateinische Kirche benennt dazu Papst Gregor den Großen, Hieronymus, den Kardinal und die Bischöfe Augustinus von Hippo sowie Ambrosius von Mailand. Sie haben die Heilige Schrift theologisch kommentiert und auf die jeweilige Lebenswelt hin aktualisiert.
Oben an den rechten Wangen sieht man Hieronymus (4. Jh.) mit Kardinalshut und Hirtenstab und einem Schmucktuch. Die rechte Hand berührt die Pfote eines Löwen, weil er einer Legende nach einem Dorn aus der Pfote eines Löwen gezogen haben soll, sodass dieser für ihn zum treuen Gefährten wurde. Hieronymus hat die hebräisch und griechisch verfasste Schrift ins Lateinische übersetzt.
Ihm gegenüber steht Gregor (6. Jh.) als Papst mit Tiara bekrönt und einem Hirtenstab mit Knauf. Der Stab ist zusätzlich mit einem feinen Tuch umgeben, wie es früher zur Pontifikalausstattung gehörte. Gregor galt als einflussreicher Mann, der die kirchliche Armenpflege sicherte und ein Erneuerer der Liturgie und Kirchenmusik war.
Besonders bekannt ist der. „Gregorianischer Choral“, den die Kirchenmusik bis heute kennt. Er hat aber auch die Missionierung Europas vorangetrieben.
Sein Schüler Augustinus (4. Jh.) ist ihm gegenüber auf der anderen Seite dargestellt. Er wurde sein später Bischof in Hippo (Nordafrika). Auch er trägt eine Mitra und den Hirtenstab mit einem Schmucktuch. Das Buch weist ihn als Autor vieler bedeutender theologischer Schriften aus. Seine Theologie ist wirkt bis heute nach. Das Herz in der rechten Hand weist auf seinen leidenschaftlichen Einsatz für die Christusbotschaft und die junge Kirche hin.
Wolfgang Acht
Im folgenden Beitrag wird eines der Rosenkranzfenster dargestellt und interpretiert.. Es thematisiert das Rosenkranzgesätz: „Der dich, o Jungfrau, in den Himmel aufgenommen hat“
Das Hauptbild
Maria steht im roten Strahlenkranz, im Gegensatz zum gelben Strahlenkranz des auferstandenen Christus. Sie wird von vier Engeln in den Himmel geleitet. Links bläst ein Engel die Flöte, rechts spielt einer eine Laute, darunter knien zwei betende Engel mit liturgischen Stolen. Drei puttenartige Engelköpfe bilden ein Dreieck, das Zeichen für das Vollkommene.
Unter der in den Himmel aufgenommenen Maria knien und stehen acht staunende Apostel. Rechts Petrus, kniend mit offenem Buch. Ein Apostel an der linken Seite ist nur durch einen angedeuteten Nimbus zu erkennen. Über Petrus sind zwei betende, zum Himmel aufschauende Apostel dargestellt. Vor einem Sarkophag kniet in der Mitte der Lieblingsjünger Johannes. Aus dem Sarkophag wachsen Rosen und eine Lilie, was auf die Legende verweist, dass aus dem leeren, offenen Grab Blütenduft aufstieg. Die deutende Inschrift lautet: „Assumpta est Maria in coelum gaudent angeli“ > Maria ist in den Himmel aufgenommen. Die Engel freuen sich.

Unterer Teil des Fensters, der typologischer Bezug zum Ersten Bund:
Esther tritt mit demütig auf der Brust verschränkten Händen vor den König Ahasver, der sein Zepter als Zeichen für die Anerkennung und Gnade auf sie richtet. Man sieht zwei Begleiter, einer wohl Mordechai, der Onkel von Esther, der andere ritterlich gekleidet mit einem Stab.
Der Schriftzug lautet: „Cumque vidisset Esther reginam stantem“ (Esther 5.2), d. h. als der König die Königin Esther vor sich stehen sah, fand sie Gnade vor seinen Augen. Das vollständige Schriftwort des Schriftzitates lautet: „Als der König die Königin Esther im Hof stehen sah, fand sie Gnade vor seinen Augen. Sie trat näher und berührte die Spitze des Zepters.“ Esther wird so zum Typos und Vorbild für Maria, die ebenfalls Gnade vor Gott fand und um Gnade für die Beter bittet. Der Engel sagte ihr bei der Verkündigung: „Maria, du bist voll der Gnaden“.
Wolfgang Acht
